Erkenntnisse und Ergebnisse aus meiner persönlichen Blog-Dekade

Dieser Artikel gibt einen Einblick in die Erkenntnisse und Ergebnisse aus meiner persönlichen Blogdekade. Es ist nicht immer einfach neben einem Vollzeitjob und Familie noch genügend Zeit fürs Schreiben zu finden. Weil ich aber weiss, dass regelmässiges Bloggen mir guttut und mein Leben bereichert, suche ich nach Zeitfenstern, während derer ich mich in das Bloggen vertiefen kann. Am einfachsten lässt sich dies in den Schulferien realisieren.

Im Rahmen meiner Intensivweiterbildung muss ich ein persönliches Projekt realisieren – eine Woche Selbststudium. Das Thema steht mir frei, die einzige Bedingung ist, dass ich mich eine Woche intensiv mit einem Thema beschäftige. So kam es, dass ich anfangs Oktober meine ganz persönliche Blog-Dekade durchführte.

Ganz alleine, ohne die Unterstützung einer Community. Ich war die Initiatorin und zugleich die einzige Akteurin meines Projekts. Die Interaktion würde daher ausschliesslich mit mir selbst stattfinden. Warum ich den Zeitrahmen von 10 Tagen wählte? Vielleicht, weil eine Dekade nun mal 10 Tage umfasst. Vielleicht wollte ich mir aber auch einfach 10 Tage zum Schreiben nehmen 🙂 .

Ich wollte mich bedingungslos auf den Schreibprozess einlassen. Materialien und Ideen waren vorhanden. So befanden sich aktuell mehr Entwürfe und Ideen als veröffentlichte Artikel in meinem Ordner. Die perfekte Gelegenheit, das Notwendige (Selbststudium) mit dem Schönen, Bereichernden (Bloggen) zu verbinden.

Das Ergebnis darf sich durchaus sehen lassen: 5 Blogartikel in 10 Tagen.

Blog-Ergebnisse meines Selbststudiums:

1. Aus dem Entwurfordner …

Als Erstes nahm ich den Monatsrückblick vom Juni in Angriff. Eigentlich war er schon beinahe fertig geschrieben, aber etwas in mir sperrte sich gegen die Veröffentlichung. Das spürte ich erneut, als ich den Entwurf öffnete. Ich wollte ihn beenden, aber ein Teil von mir leistete massiven Widerstand. Der Stuhl war unbequem, dann hatte ich Durst, musste noch dringendes Telefonat führen … Kurz, ich kam nicht zum Schreiben.

Also klappte ich den Computer wieder zu, holte mein Schreibbuch, nahm meinen Lieblingsstift hervor und schrieb über Isabelle (sie ist die Hauptperson des Rückblicks). Ein Strom von Erinnerungen floss aufs Papier, ich weinte und lachte während des Schreibens. Nach einer Stunde hatte ich ausgeschrieben und eine angenehme Ruhe machte sich in mir breit. Nun war ich bereit, diesen Monatsrückblick zu beenden und zu veröffentlichen.

2. An einer Blogparade teilnehmen?

Wie es mir beim Schreiben ergehen kann 🙂, zeigt die Geschichte des nächsten Blog-Artikels. Eigentlich wollte ich einen Beitrag für die Blogparade bei Lemondays zum Thema „Träumst Du noch Dein Leben oder lebst Du schon Deinen Traum?“ verfassen. Ich hatte noch nie zuvor an einer Blogparade teilgenommen, aber schon viel darüber gehört. Warum nicht mal ausprobieren?

Allerdings sprach mich das Thema nicht sonderlich an. Um ehrlich zu sein, ich kann diesem Satz rein gar nichts abgewinnen. Warum soll ich all meine Träume leben wollen? Andererseits wollte ich doch an der Blogparade teilnehmen. Ich war gespannt, welche Inputs mir meine Écriture automatique zum Thema „Traum“ geben würde.

Und wie so oft, führten mich meine Gedanken zu einem ganz anderen, unerwarteten und nicht geplanten Artikel „Und dann bin ich erwacht, es war alles nur ein Traum“: der Satz, der tolle Geschichten killt. Der Text schrieb sich beinahe von selbst. Ein unglaublich schönes Gefühl.

Ich habe den Text heute nochmals gelesen. Abgesehen von der offensichtlichen Thematik sagt er viel darüber aus, was Schreiben für mich bedeutet. Beim Schreiben purzeln Buchstaben aus meinem Innern und manifestieren Inhalt. Nicht planbar, unvorhersehbar, aber lustvoll. Dieser Prozess ist von archaischer Kraft, nicht lenkbar und magisch. Und macht Lust auf mehr, ja beinahe süchtig.

Das Ende dieses Flows ist, wie wenn man aus einem wunderschönen Traum erwacht. Ein schönes, warmes Gefühl hat sich im Körper und Geist breitgemacht und nur langsam kehren die Sinne wieder in die Realität zurück. Womit bewiesen wäre, dass ich meinen Traum lebe 🙂 .

3. Schreibintensive Erkenntnisse …

Ursprünglich hatte ich vor, während meines Schreibprojekts die Zahl meiner Entwürfe abzuarbeiten. Aber mit jedem neuen Artikel entstehen mindestens drei weitere Ideen, die dann ihren Weg in den Entwurfordner finden. Es ist wie ein Ideenkrake, aus dem weitere Arme rauswachsen. Und dabei hatte ich mich vor dem Verfassen meines allerersten Blog-Artikels noch gefragt, worüber ich überhaupt schreiben könnte.

Inzwischen war bereits der 12. Oktober, der fünfte Tag meiner persönlichen Challenge, und ich hatte bisher „erst“ zwei Artikel geschrieben. Kam mir das irgendwie bekannt vor? Genau – im August hatte die Blog-Dekade der Content Society stattgefunden, an der ich teilgenommen hatte. Also genau der richtige Zeitpunkt, um zurückzuschauen, zu reflektieren und meine Erkenntnisse meiner ersten Blog-Dekade festzuhalten.

Dieser Artikel Erkenntnisse der schreibintensiven Blog-Dekade wurde zu einer Offenbarung. Im Zentrum meines Schreibens steht nicht die Anzahl der veröffentlichten Artikel, sondern das Schreiben an sich. Noch nie zuvor habe ich mich so bewusst und so tief mit meinem Schreiben und meiner Haltung zum Schreiben befasst. Und das will was heissen. Immerhin arbeite ich seit Jahren als Schreibberaterin 🙂

4. Lasst Bilder sprechen

Wie gesagt, es war der 12. Oktober. Zeit für das traditionelle 12 von 12, der Blogger:innen-Tradition, in der 12 Bilder des Tages veröffentlicht werden.

Ich weiss, dass man den Alltag dokumentieren soll. Aber wenn ich mir jeweils die schönen Beitragsbilder der anderen Teilnehmer:innen anschaue, da blutet mein Herz schon ein wenig. Die zeigen mir wunderschöne Eindrücke aus Städten, von Spaziergängen, dem Meer, der Natur … Aber das sollte sich am 12. Oktober ändern.

Immerhin waren Ferien, ich musste an diesem Dienstag nach Zürich (hatte den Termin bewusst so gelegt) und beschlossen, ganz viele Bilder von Zürich zu machen. Damit wollte ich im Oktober auch endlich mal ein schönes! 12 von 12 präsentieren.

Der Plan war genial. Allerdings ist es schwierig bis unmöglich, viele Bildmotive festzuhalten, wenn der Akku bereits im Zug nur noch 6 % anzeigt. Auf die Idee eine Powerbank mitzunehmen oder am Kiosk eine zu kaufen, kam ich natürlich nicht. Ich bin eindeutig keine Digital Native 🙂 .

Warum mache ich mir bloss immer Pläne?

5. Einen ironischen Beitrag verfassen?

Ich bin Teil der Content Society, einer Weiterbildung, die von Judith Peters geleitet wird. Judith schlägt uns jede Woche ein Thema vor, das wir verbloggen können. Und ausgerechnet diese Woche ging es darum, eine ironische Anleitung zu verfassen. Was sollte ich bitte schön zum Thema „How NOT to – eine ironische Anleitung“ schreiben? Worüber konnte ich überhaupt eine ironische Anleitung verfassen?

Ich hatte mich bereits entschlossen, diesen Vorschlag zu ignorieren. Aber dann las ich die ersten Beiträge und habe mich königinnenlich amüsiert. Und plötzlich war das Thema gefunden. Wie gelange ich möglichst schnell zu sehr viel Content, damit mich die Welt wahrnimmt oder anderes gesagt Mit nur 10 Minuten täglichem Einsatz zu einer/einem garantiert erfolgreichen Blogger:in werden.

In einem meiner letzten Artikel verwendete ich Zitate, was zu positivem Feedback führte. Damit war der erste Tipp geboren. Danach ging es Schlag auf Schlag. Am Ende stand da eine Erstfassung, die einigermassen lustig, aber keinesfalls ironisch war. Zum guten Glück konnte mir meiner Blog-Buddy mit ihren Tipps weiterhelfen. Sie riet mir unter anderem frecher zu schreiben, zu übertreiben und zu flunkern.

Mit der Einleitung tat ich mich sehr schwer. Ich musste meinen ganzen Mut zusammennehmen, um folgenden Satz zu schreiben: „Es werden sogar Kurse angeboten, in denen du angeblich lernst, wie man gute Artikel schreibt. Ich sage dir, das ist reine Geldmacherei.“ Über die persönlichen Artikel herzuziehen, fiel dann hingegen sehr einfach 🙂.

Und wie es scheint, hat der Artikel den gewünschten Effekt erzielt.

Nicole
Hilkea
Luise

Erkenntnisse meines Selbststudiums

1. Schreiben löst Gefühle und Emotionen aus

Schreiben lässt sich nicht erzwingen. Es gibt Themen, bei denen sich Widerstände regen, über die nicht geschrieben werden will. Das ist ok. Persönliches und/oder kreatives Schreiben löst Gefühle und Emotionen aus. Die sind ernst zu nehmen. Die Frage, die sich in einer solchen Situation stellt, ist simpel: Will ich diesen Widerständen auf den Grund gehen?

Lautet die Antwort nein, dann wird das Thema nicht behandelt. Ohne schlechtes Gewissen. Ohne das Gefühl versagt zu haben. Wer weiss, vielleicht taucht es später wieder in einer anderen Form auf und lässt sich thematisieren.

Lautet die Antwort hingegen ja, dann mache ich persönlich gute Erfahrungen damit, dass ich mich von der Écriture automatique treiben und leiten lasse. Es ist keinesfalls so, dass sich dadurch die Widerstände von einer Minute auf die andere lösen. Aber das nicht kontrollierte Schreiben öffnet mir Herz und Blick. Unter Umständen werden mir andere Punkte bewusst, die es aufzulösen gilt, bevor ich mich mit dem tatsächlichen Grund für den Widerstand beschäftigen kann.

2. Schreiben ermöglicht neue Erfahrungen

Etwas Neues, Unbekanntes ausprobieren, kann motivieren, aber auch Angst wecken. Lust und Neugier auf neue Erfahrungen, gleichzeitig Angst vor dem Versagen, dem Gefühl, der Sache nicht gerecht zu werden. Allerdings birgt jeder gescheiterte Versuch und jeder Fehler auch die Möglichkeit, eine neue Erfahrung zu machen.

Konkret bedeutet dies in meinem Falle: Ich wollte mich auf eine Blogparade einlassen, das Thema sagte mir nicht zu. Trotzdem habe ich einen Weg gesucht, mich dem Thema anzunähern, mich mit ihm auseinanderzusetzen. Der Artikel, der anschliessend entstanden ist, hat zwar nur noch entfernt mit dem Ursprungsthema zu tun. Aber er lieferte mir tiefe Einsichten darüber, was mir Schreiben bedeutet. Cool, nicht wahr?

3. Schreiben verhilft zu Objektivität

Zeitliche Distanz klärt den Blick und relativiert. Eine Reflexion macht dann Sinn, wenn Eindrücke nicht mehr hektisch durcheinanderwirbeln, sondern sie sich bereits gesetzt haben. Dann kann ich in Ruhe hinblicken und die einzelnen Punkte analysieren, ohne von anderen Eindrücken abgelenkt zu werden.

Diese Art der Betrachtung ermöglicht es mir, mich objektiver mit Gegebenheiten auseinanderzusetzen. Ganz abgesehen davon, bleiben in meinem Gedächtnis positive Ereignisse viel intensiver hängen, während die negativen schnell verblassen. Dies führt dazu, dass ich mich mit Erfahrungen und Erkenntnissen auseinandersetze, die mich weiterbringen.

4. Ich bin eine modulare Planerin

In der Ausbildung von Lehrpersonen wird immer wieder auf die Wichtigkeit von linearen Verlaufsplanungen (genaue schriftliche Lektionenplanung) hingewiesen. Ich wurde damit nie so recht warm, ich bin eine modulare Planerin. Das bedeutet, dass ich über ein breites Repertoire an soliden, vielfach praktizierten, gut verstandenen und erfolgversprechenden Praktiken verfüge. Mein Weg ist nicht bis ins kleinste Detail vorgeplant, sondern offen, da ich flexibel und situativ reagieren kann.

Es ist erstaunlich, dass ich trotz dieses Wissens ausserhalb der Schule und des Unterrichts immer mal wieder das Gefühl habe, ich müsse einen Plan erstellen. Ich weiss doch ganz genau, dass ich mich nicht daran halte(n kann), aber doch immer mein Ziel erreiche.

5. Beispiele und Vorlagen ermutigen

Wer viel liest, wird mit der Zeit auch immer besser schreiben – mit diesen Worten versuchte man in meiner Jugend, die Lesemotivation von uns Kindern und Jugendlichen zu fördern. Das Lesen soll zu einem grösseren Wortschatz führen, was wiederum den schriftlichen Ausdruck verbessere.

Das regelmässige Lesen beinhaltet aber noch einen weiteren Nutzen. Ich nehme wahr, wie Texte aufgebaut, Themen angegangen und bearbeitet werden, aber auch welche rhetorischen Mittel eingesetzt werden können.

Die ironischen Blog-Artikel meiner Kolleginnen, zeigten mir Ideen und Herangehensweisen auf, wie sich dieses spezielle Thema bearbeiten lässt und ermutigten mich, selbst einen Versuch zu starten.

Auch keine neue Erkenntnis – aber sie wurde mir dank meines persönlichen Schreibprojekts wieder bewusst. Ich erlebte ganz praktisch und konnte nachvollziehen, wie hilfreich Beispiele oder Vorlagen sein können. Ich werde dieses wiederbelebte Wissen in der einen oder anderen Form sicher auch in meine Schreibworkshops einfliessen lassen.

Bonus Erkenntnisse

Zusätzlich sind mir noch zwei weitere Punkte aufgefallen.

  • Die Zusammenarbeit mit meiner Blog-Buddy ist bereichernd und inspirierend. Der Aussenblick auf einen Text, das Nachfragen, Hinterfragen, Vorschlagen führen zu einem kohärenteren, stimmigeren Artikel. Inhaltliche Lücken und Sprünge werden erkannt und können bei der Überarbeitung gefüllt werden.
  • Das Schreiben gibt mir nicht nur Energie, wie ich bis anhin dachte, sondern erfüllt mich auch mit Ruhe und Gelassenheit. Deshalb werde ich weiterschreiben und mir weiterhin Inseln dafür schaffen.

Die grössten Ereignisse sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden

Friedrich Wilhelm Nietzsche

Für die Kommentare danke ich folgenden Bloggerinnen

12 von 12 im Januar 2022

Ich mache auch heute bei 12 von 12 mit. Obwohl ich den ganzen Tag in der Schule verbrachte und am Abend als Informationenfinderin meiner Tochter während ihrer Prüfungen fungierte. Das ist auch Alltag :-).

Danke an Caro von Draussennurkännchen, welche die 12 von 12 der Blogger:innen-Szene sammelt und uns auch 2022 Einblicke in die unterschiedlichsten Tageserlebnisse ermöglicht.

Hier sind meine 12 Bilder

So sieht mein Stundenplan aus. Was das für heute bedeutet, erkläre ich gleich.

Auf dem Stundenplan heute steht zuerst das Wahlfach Schreiben, wo fleissig gebloggt wird. In den nächsten zwei Lektionen unterrichten zwei Schüler:innen. Jedes Mal eine Überraschung für mich. Welches Material verwenden sie? Wie bringen sie ihre Kolleg:innen zum Nachdenken, Schlüsse ziehen, wie überprüfen sie die Verarbeitung des erworbenen Wissens?

Danach folgen zwei Lektionen individuelles Lernen. Viele lesen: Fantasyromane und Liebesgeschichten auf Englisch, griechische Mythologie, italienische Geschichte ab dem 20. Jahrhundert auf Italienisch. Es wird gezeichnet, über die Samurai geforscht, die Anatomie des Menschen studiert. Die Interessen und Neigungen sind so unterschiedlich wie die Themen vielfältig.

Am Nachmittag trifft sich eine Gruppe von Schüler:innen zum Berufs-Wahlcoaching. Sie schreiben Bewerbungen, fragen bei den Lehrbetrieben nach, üben Bewerbungsgespräche. Die zweite Gruppe kommt, um an ausstehenden Hausaufgaben zu arbeiten. Es sind in der Regel Jugendliche, die alleine zu Hause sind oder dort keine Ruhe haben, um sich zu konzentrieren.

Aber der Tag beginnt morgens. Und damit jetzt zur Chronologie meines Tages.

Begonnen hat der Tag wie immer mit einem Chai. Normalerweise bereitet ihn Sibylle, die beste aller Schulassistentinnen, zu. Heute hatte ich allerdings eine neue Mischung mitgebracht und wollte sie damit überraschen. Das perfekte Verhältnis zwischen Chai-Mischung, Milch und Wasser habe ich noch nicht erreicht. Daran wird noch gearbeitet!

Wieder einmal wird mir bewusst, …

…. wie grün …

… und hell …

… mein Arbeitsplatz ist.

Unseren Nanas scheint es auch zu gefallen, sie tanzen ganz vergnügt herum.

Die Sonne zeigt sich immer mehr. Lange wird der Schnee nicht mehr halten.

Wir arbeiten im Süden – darum scheint in unserem Trakt die Sonne öfters :-).

Es reicht wohl nicht mehr für eine Schneeballschlacht.

Ui, schon so spät … Dabei waren wir jetzt so richtig in Fahrt.

Das Pult dient als Ablagefläche. Wenn ich nicht schreibe, dann befinde ich mich selten an meinem Arbeitsplatz.

Und jetzt kommt die Prüfungsphase – da darf natürlich nicht fotografiert werden. In bocca al lupo!

Mein Motto für 2022 – Ich lehne mich zurück!

Mein allererstes Jahresmotto überhaupt lautet: Ich lehne mich zurück. Klingt nach Nichtstun, Chillen, Dolce far niente? Können durchaus Aspekte sein, aber „Ich lehne mich zurück“ wird auch eine Herausforderung und harte Arbeit für mich sein, denn ich meine das wortwörtlich :-).

Dieses Motto drängte sich während des Verfassens meines Jahresrückblicks 2021 immer mehr in den Vordergrund. Das Schreiben war spannend, erleichternd, klärend und erhellend, und führte bei mir zu Erkenntnissen und Aha-Erlebnissen und dem Begreifen von Zusammenhängen.

In der Erinnerung sehe ich die Dinge zum ersten Mal richtig – so, wie sie sind. Weil ich mich ihnen in der Stille ganz konzentriert widmen kann, unabgelenkt von dem sonstigen Geschehen, das sie bei der ersten Begegnung umspült hat.

Die erinnerte Gegenwart als die besonnene Gegenwart, die nicht nur Wucht des Eindrucks ist, sondern Erkenntnis.

Pascal Mercier

Mein Leben schlug letztes Jahr eine neue Richtung ein. Ich begebe mich daher im neuen Jahr auf eine ungewisse, aber verheissungsvolle Reise. 2022 werden sicherlich neue Skills von mir verlangt, eingefahrene Verhaltensweisen hinterfragt und angepasst werden. Ich weiss, dass sich meine veränderte Lebensenergie auch auf mein Auftreten und Handeln auswirken wird. Und wenn ich ehrlich bin – ich freue mich total darauf.

Ich kann mich nicht erinnern, je Vorsätze gefasst zu haben. Wollte ich etwas in meinem Leben ändern, dann tat ich das ab sofort und wartete sicherlich nicht bis am letzten Tag des Jahres mit der Umsetzung. Dafür wäre ich auch viel zu ungeduldig :-). Ein Jahresmotto klingt im Gegensatz zu Vorsätzen nach Möglichkeiten und Optionen und nach einem lohnenden 2022.

Ich lehne mich zurück und meine Körperhaltung verbessert sich

Während des letzten Jahres verbrachte ich die meiste Zeit als Banane. Bananen enthalten neben vielen Vitaminen auch Mineral- und Ballaststoffe sowie Antioxidantien, kurz gesagt, sie sind gesund. Allerdings sind sie auch krumm.

Diese krumme Haltung mag der Banane gut anstehen, mir tut sie nicht gut. Die gebückte Haltung führt zu Rückenschmerzen und eingeschränkter Lungenkapazität. Ich brauchte immer länger, um abends meine Wirbelsäule frei und gerade zu atmen und bemerkte, dass mir immer öfter im wahrsten Sinne des Wortes die Luft ausging. Auch lag der Fokus meines Blickes vermehrt auf dem Boden und immer seltener liess er einen Rundblick zu.

Wie arbeite ich an meiner Haltung?

  • Ich stelle mich mehrmals täglich an eine Wand. Meine Fersen berühren die Wand, mein Rücken drückt sich an die Wand. Nun neige ich den Kopf so lange nach hinten, bis er ebenfalls die Wand berührt.
  • Anfangs hatte ich Angst nach hinten zu fallen, so krumm war als gerade abgespeichert. Das Wissen, dass sich hinter mir eine stabile Wand befindet, die mich im Prozesse unterstützt, half mir aber, mich zurückzulehnen.
  • Ich verharre einen Augenblick in dieser Position. Aufmerksam. Wenn es sich unwohl oder schmerzhaft anfühlt, atme ich mehrere Male aufmerksam durch. Ich weiss, dass mich meine momentanen Eindrucke in die Irre führen möchten.
  • In einem weiteren Schritt umarme ich die Welt. Das Heben und Ausstrecken der Arme führt zu einer erneuten Streckung und einer Öffnung. Auch in dieser Position verharre ich eine Weile.

Ich lehne mich zurück und warum der Kartoffelsack ins Spiel kommt

Die Banane war auch an Sitzungen in der Schule präsent. Statt einfach zurückzulehnen und zuzuhören, sass sie vornübergebeugt da, immer auf dem Sprung. Bereit zu reagieren und zu kommentieren. Angespannt und krumm.

Ich lehne mich zurück, soll sich auch an Sitzungen zeigen. Aus diesem Grund wird die Banane durch den gefüllten Kartoffelsack ersetzt. Sitzungen vor Ort finden in der Regel in einem Sitzungszimmer statt. Alle setzen sich hin und stehen erst wieder auf, wenn die Sitzung beendet ist.

Und da kommt der Kartoffelsack ins Spiel. Ein Kartoffelsack hängt bequem im Stuhl. Die einzelnen Kartoffeln verteilen sich auf der vorhandenen Fläche und geben Stabilität und Ruhe, nichts verrutscht. Befinde ich mich in diesem Zustand, lehne ich mich bewusst zurück, so kann ich in Ruhe zuhören, mir meine Gedanken machen, ohne direkt aktiv zu werden.

Diese Haltung habe ich während den Onlinesitzungen der letzten Monate bereits geübt. Ich bin viel entspannter, wenn ich vom Sofa aus an einer Sitzung teilnehme.

Ich lehne mich zurück oder ich fokussiere mich auf mich selbst

Meine alte Energie war unerschöpflich, pulsierend, immer im Aktion und verhalf mir zu unbeschreiblichen Erlebnissen. Meine neue Energie ist sanfter, weniger nach aussen gerichtet. Welches spezielle Potenzial in ihr liegt, was sie mich erkennen und erleben lässt, werde ich sicherlich im kommenden Jahr in Erfahrung bringen.

Bisher habe ich sehr viel für unser Team gemacht. Ich organisierte Lesungen, kochte wöchentlich für 20–30 Leute Personen, coachte als Schreibberaterin die Texte unserer Schüler:innen, brachte neue Schreibimpulse ins Team und initiierte neue Wahlfächer.

Niemand hat mich zu diesen Aufgaben gezwungen. Ich machte sie alle gerne, weil sie meinen Neigungen und Talenten entsprachen. Es war mir ein Anliegen, dass die Gemeinschaft von meinen Stärken profitieren kann, schliesslich fielen mir all diese Aktivitäten leicht und bereiteten mir Freude. Sie wurden nie finanziell entschädigt, aber das war mir bisher auch egal.

Meine neue, sanftere Energie wird mir nicht mehr so viele verschiedene Aktivitäten erlauben. Darum lehne ich mich mit meinen Aktivitäten zurück. Ich überlege mir, anders als bisher, was das für mich bedeutet, wenn ich solche Aufgaben an mich reisse. Worauf verzichte ich persönlich zugunsten der Allgemeinheit? Bin ich dazu bereit oder will ich diese Zeit nicht lieber für mich einsetzen?

Und hier beginnt der schwierige Punkt an der Umsetzung. Ich werde lernen müssen, mit „Nein“ auf Bitten und Anfragen zu reagieren. Bisher sagte ich „Ja“, obwohl ich eigentlich lieber „Nein“ gesagt hätte. Ich führte mir jeweils vor Augen, dass es für mich keinen grossen Aufwand bedeutet, den Bedürfnissen anderer nachzukommen. Dass ich sie gerne unterstütze.

Aber von jetzt an wird „Nein“ zu meinem aktiven Wortschatz gehören. Ein klares „Nein“ bedeutet ein klares „Ja“ für mich!

Ich lehne mich zurück und bekomme mehr Zeit für mich

Anfangs Schuljahr schenkte mir Lydia, meine Freundin, die Happy Teaching Agenda. Dazu gab es auch unterschiedliche Kleber, die man direkt in die Termine einkleben konnte. Einer heisst „Pause für mich„. Sie hat mir sämtliche Zwischenstunden mit diesem Kleber markiert. Ich fand das süss, aber achtete nicht weiter darauf.

Das ändert sich von jetzt an. Ich nutze diese Zeit, um still zu werden. Nichts für die Arbeit zu tun. Auf mich zu hören. Während dieser Zeit lasse ich meinen Gedanken freien Lauf. Wenn es passt, schreibe ich von Hand. So verbinde ich mich mit meinem Unterbewusstsein und schaffe Platz für die Kreativität.

Was geschrieben werden will, soll seinen Weg auf das Papier finden. Zweckfrei und ohne Bewertung. Das wichtigste ist aber wohl, dass ich mir kein schlechtes Gewissen erlaube, weil ich vordergründig nichts tue.

Ich bin sicher, dass noch ganz viel in mir schlummert, das sich lohnt, entdeckt zu werden. Dafür will ich mir Zeit schenken. Gleichzeitig will ich liebevoller mit mir umgehen, den Fokus auf mich, statt auf das Aussen richten. Was brauche ich? Was würde mir jetzt Freude bereiten? Ein Schaumbad? Einen Nachmittag bei einer Freundin oder an der Sonne verbringen?

Auch zu Hause organisiere ich mich neu. Es ist wunderbar, zusammen in der Küche zu stehen, zu schnippeln, zu kochen und zu sprechen. Gleichzeitig haben wir in den letzten Wochen und Monaten aber oft festgestellt, dass uns kaum noch Zeit bleibt, nach dem Essen und dem Abwasch noch in Ruhe zusammenzusitzen und uns auszutauschen.

Aus diesem Grunde werden wir vermehrt an den Wochenenden vorkochen und unter der Woche darauf zurückgreifen. So können wir uns liebe und wertvolle Tätigkeiten trotzdem noch ausführen, gewinnen aber unter der Woche mehr Zeit für uns.

Woran merke ich, dass ich an meinem Motto arbeite

  • Meine Körperhaltung ist gerade.
  • Mein Blick nimmt die Fülle meiner Umgebung wahr.
  • Ich übe mich im Zuhören und Beobachten
  • Ich übernehme keine Aufgaben, nur damit „man“ sie macht.
  • Meine Reaktionen sind weniger spontan und direkt, dafür reflektierter.
  • Ich werde bei einigen meiner Mitmenschen auf Unverständnis stossen, weil ich mich nicht wie gewohnt verhalte.
  • Ich lerne andere Seiten und Fähigkeiten von mir kennen, weil ich ihnen den Raum gebe, sich zu entfalten.
  • Ich habe Zeit, zu schreiben und mich weiter kennenzulernen.
  • Ich bleibe bei mir.

Fazit

Ich freue mich 2022 ganz neue Seiten an mir zu entdecken. Mein Motto „Ich lehne mich zurück“ soll mich unterstützen und stärken für eine verbesserte Haltung, für mehr Me Time und Self-Care. Durch den klaren Fokus auf mich und meine Bedürfnisse lerne ich, Grenzen zu setzen und „Nein“ zu sagen. Dadurch gewinne ich eine klare innere wie äussere Haltung, Ruhe sowie Zeit für mich und begegne mir respektvoll und wertschätzend.

Meine liebsten 10 Blog-Artikel 2021

In diesem Artikel stelle ich dir meine 10 liebsten Blog-Artikel 2021 von Kolleginnen aus The Content Society vor. Seit ich selbst blogge, lese ich regelmässig Blog-Beiträge.

Die Vielfältigkeit der Autorinnen spiegelt sich nicht nur in den Themen und Fachgebieten, sondern auch im Aufbau ihrer Seiten. Für mich sind diese Blogs spannend, bereichernd und lehrreich. Mein Allgemeinwissen hat sich durch diese Lektüren vergrössert (ich wusste beispielsweise nicht, was Zirben sind). Gleichzeitig lerne ich sehr viel darüber, wie man Blog-Artikel aufbaut und schreibt.

Folgende Autorinnen haben die Beiträge meiner Top 10 geschrieben

Barbara-Mira Jakob

Barbara-Mira Jakob lebt in Winterthur und ist Visionärin und Online-Mentorin für weibliche Weisheit. Gleichzeitig ist sie auch mein Blog-Buddy.

Ihr Fachgebiet umfasst Themen, mit denen ich mich bisher nie bewusst auseinandergesetzt habe oder die mir unbekannt sind. Es ist für mich sehr bereichernd, ihre Artikel zu lesen. Ich lerne jedes Mal etwas dazu. Ausserdem liebe ich es, wenn sie ihr Wissen mit Zitaten aus der Literatur ergänzt.

Als Kind war mir völlig klar, was ich werden wollte: Prinzessin oder Königin. Und dann hätte ich glücklich und zufrieden bis ans Ende meiner Tage gelebt. Ich bin weder Prinzessin noch Königin geworden. Aber ich trage die innere Königin in mir.

Barbara-Miras Artikel Wie du deine innere Königin garantiert ins Exil schickst illustriert wunderbar, was aus mir wird, wenn ich die innere Königin ignoriere.

Sabine Scholze

Sabine Scholze arbeitet als Trauergefährtin, Coach und Mentorin in Umbruchsituationen und ist eine begnadete Schreiberin. Ihre Texte bringen mich zum Schmunzeln, gleichmässig bieten sie aber auch viel Stoff, um über das Leben und den Tod nachzudenken.

Sabine hat ein sehr bewegtes Jahr hinter sich. In ihrem Blog erzählt sie, was sie umtreibt, wie sie mit Verlust umgeht, aber auch wie sich durch diese Ereignisse ihr Leben veränderte und sie eine neue Bestimmung fand.

In meinen Lieblingsbeitrag Die Abrechnung: 6 meiner grössten Fehler – und was am Ende daraus geworden ist berichtet Sabine darüber, was sie nach ihrem Tod erlebt. Sie muss einer (nicht sehr sympathischen) Dame Rede und Antwort stehen.  Ihr Job ist es, zu bestimmen, wie Sabine den Rest der Unendlichkeit verbringen wird.

Nicole Borho

Nicole Borho designt Herzenskissen und ist weiter als Kräuter- und Aromaberaterin, Malerin & Dichterin tätig.

Sie war eine der ersten Frauen, die ich bei The Content Society kennenlernen durfte. Beeindruckt hat mich ihre Herzlichkeit und Leidenschaft. Ich hatte mir nämlich nicht vorstellen können, dass Kissen nähen ein Business sein könnte. (Aber damals konnte ich mir noch vieles nicht vorstellen 🙂 ).

Inzwischen habe ich kleinere Online-Einblicke in ihre Arbeit erhalten und bin fasziniert, mit welcher Hingabe sie sich ihrer Aufgabe widmet. Ich freue mich jetzt schon, sie im nächsten Frühsommer persönlich zu treffen. Wer weiss, vielleicht kehre ich sogar mit einem Erinnerungskissen aus meinem Berufspraktikum zurück.

In meinem Lieblingsartikel Der Trauer einen Platz geben: Papa darf jetzt gehen beschreibt Nicole, wie sie beim Kreieren von Erinnerungskissen vorgeht.

Yvonne Schudel

Yvonne Schudel. Ermutigerin. Perspektivenwechslerin. Hoffnungsträgerin. Psychologin & Sexologin.

Yvonne kenne ich seit ihrer Geburt, sie ist meine Cousine :-). Sie ist der Grund, warum ich überhaupt mit Bloggen begann. Vor einem Jahr erwähnte sie, dass sie einen Kurs bei The Content Society gebucht hätte und nun regelmässig schreiben werde. Ich fragte mich damals, wie sie das wohl macht und ob sich ihre Texte qualitativ immer auf dem gewohnt hohen Niveau halten würden.

Das haben sie! Es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, wie Yvonne ihre Haltung, ihre Vision, ihre Herzensanliegen in klare und deutliche Worte fassen kann. Diese beeindruckende und tolle Frau hat wirklich die Begabung, auf den Punkt zu kommen. Das zeigt sich beispielhaft in ihrem Artikel Die sexuell erfüllte Frau – ein Manifest. Schnörkellos, direkt, ohne Firlefanz, ohne erhobenen Besserwisserin-Zeigefinger spricht Yvonne Themen an und stellt Glaubenssätze in Bezug auf die weibliche Sexualität in Frage. Ihre Artikel wirken nach und regen zum Nachdenken an.

Ich hatte übrigens das Privileg, dass Yvonne mit meinen Schülerinnen zwei Lektionen Sexualkunde-Unterricht bestritt. Feinfühlig, klar, empathisch und offen auf alle Fragen von 15-Jährigen. Sie lebt und schreibt, wie sie ist. Völlig authentisch!

Uli Pauer

Uli Pauer bezeichnet sich selbst als Bloggerin, Minimalistin und Aufträumcoach.

Als Genie, das das Chaos beherrscht, halte ich mich gern weit entfernt von missionarischen Ordnungsfanatiker:innen. Uli schaffte es durch ihre humorvolle Art mich in ihren Bann zu ziehen. Erst nur über ihre 12 von 12 – Beiträge, die immer auch politische und historische Bezüge, Anekdoten und Geschichten aufwiesen.

Etwas später nahm ich sogar an einer ihrer Entsorgungschallenge teil. Und so befinden sich die leeren Blumenkisten nicht mehr in meinem Keller, sondern vor meinem Schulzimmer. Eine Win-Win-Situation – wenn die Tulpenzwiebeln nicht erfrieren.

Mein Lieblingsartikel ist und bleiben aber die 7 Tipps, wie du dich garantiert nie von Dingen trennst.  Schwarzer Humor inklusive!

Dina Mazzotti

Dina Mazzotti ist Expertin für Begabtenförderung, Diagnostik und Beratung.

Mit dem Thema der Hochbegabung wurde ich vor über 20 Jahren konfrontiert, als meine Tochter den Kindergarten besuchte. Ich hätte mir gewünscht, praktische und empathische Tipps und Inputs zu erhalten. Eine Person wie Dina zu finden, die diese Situation selbst in der Familie erlebte. Die weiss, wovon sie spricht und den Ausnahmezustand aufhebt.

In meinem Lieblingsartikel schreibt Dina über ihre  Lieblingskunden, den ganz normalen Hoch-Potenzial-Familien. Und ganz ehrlich … seit ich den Artikel gelesen habe, bin ich auf der Suche nach einem weiteren Familienmitglied mit hohem Potenzial. Vor einigen Tagen wurde ich fündig: die Patin meiner Tochter, meine gefühlte kleine Schwester. Blöd ist nur, dass wir nicht blutsverwandt sind …

Nicole Isermann

Nicole Isermann ist Fachjournalistin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Online-Redakteurin und Bloggerin.

Ich habe mir bereits jetzt vorgemerkt, dass ich 2022 wieder Nicoles Adventsmails erhalten möchte. Ihre Texte heben sich von vielen anderen ab. Nicole ist kreativ, mitdenkend und liest zwischen den Zeilen. Ihre Mails sind schlicht, humorvoll, wertschätzend, zeugen von Interesse und guter Beobachtungsgabe, sind empathisch und authentisch.

Hand aufs Herz: In welcher Adventsmail wird mir eine Anleitung zur Beseitigung der Knutschflecke frei Haus geliefert? Und durch das Weiterleiten an meine 80-jährige Mutter sowie einem kurzen Input am Ende einer Schulwoche wurde ich zur gefeierten Heldin :-).

Gendern – ein Thema, das mich, seit ich blogge, noch mehr als zuvor beschäftigt und teilweise beinahe zum Verzweifeln bringt. Nicole hat sich zusammen mit anderen Autorinnen in ihrer Blogparade zur Gendergerechtigkeit damit vertieft auseinandergesetzt. Die verschiedenen Artikel geben Einblicke aus unterschiedlichen Blickwinkel und sind eine empfehlenswerte Lektüre.

Umani Wendler

Umani ist Inspirationsspezialistin, Coach, Raumgestaltungsexpertin, Bloggerin, Autorin und Künstlerin.

So vielfältig wie ihre Begabungen und Tätigkeiten sind auch Umanis Texte. In meinem Lieblingsartikel 2021 geht es um Veränderungen und Wandlungen in ihren Leben. Ich erkenne mich in vielen Aussagen wieder, gerade wenn ich auf dieses Jahr zurückblicke. Wunderschön ist der Titel des Artikels: Wandlungssicherheit.

Persönlich hätte ich diese zwei Begriffe nie in einem Atemzug genannt. Wandlung und Veränderung lösten bei mir in der Vergangenheit niemals das Gefühl von Sicherheit aus. Erst immer im Rückblick. Umanis Artikel hat eine neue Perspektive in mein Leben und meine Sichtweise auf Entwicklungen gebracht.

Claudia Scholz

Claudia Scholz bezeichnet sich als leidenschaftliche Bloggerin und Interviewerin.

Diese Beschreibung wird ihr in keinster Weise gerecht. Ihr Tun und Sein in Worte einzufangen, war mir schlicht unmöglich. Zu ihren Stärken gehört, dass sie sich für das soziale Umfeld und Wohlbefinden einsetzt.

Ein kurzer Artikel von Claudia hat es mir besonders angetan. Sie beschreibt darin, warum sie Kunst und Handwerk liebt. Ihre Schlüsse haben mich bereichert und mir einen neuen Blick nicht nur Kunst und Handwerk, sondern ganz allgemein auf „Produkte“ ermöglicht. Beispielsweise auf Gärten, die meine Nachbarn gestalten, auf Texte, die meine Schüler:innen schreiben, auf Dekorationen und Installationen, denen ich in meinem Alltag begegne.

Frollein Frieda bloggt

Ach ja … und dann gibt es noch Frollein Frieda, ein Herdenschutzhundmix mit Schafsphobie. Ganz ehrlich, ich bin kein ausgesprochener Hundefan. Am liebsten mag ich Hunde, wenn sie weit weg von mir sind (Kira und Jilly natürlich ausgenommen). Aber Frieda, die mag ich. Nicht nur, weil sie den gleichen Namen wie meine Grossmutter trägt.

Ich mag sie, weil Frieda Humor hat. Weil sie stur ist. Weil sie es nicht immer einfach hat mit ihrer Übersetzerin. Weil sie gerne Klartext spricht. Und weil sie eine sehr emanzipierte Hündin ist, die gerne finanziell unabhängig wäre.  Ausserdem hat mir Frieda in ihrem „Mein 12. November 2021“ den Tipp für den Adventskalender gegeben, mit dem ich bei Jillys und Kiras Übersetzerin gepunktet habe!

 

Das waren 10 Artikel aus dem letzten Jahr, die mich beeinflusst und verändert haben. Eine kleine Auswahl, was in einer tollen Community entstehen kann. Vielleicht hast du als Leserin auch Lust bekommen, regelmässig zu schreiben und zu lesen. Wie toll wäre es, wenn ich auch dich im Rückblick 2022 erwähnen dürfte? Informieren kannst du hier über den Jahreskurs The Content Society.

 

Jahresrückblick 2021: Wie Phönix aus der Asche

Das Schreiben dieses Jahresrückblicks zeigte im Kleinen auf, wie mein letztes Jahr verlief. Der Laptop ging während des Verfassens kaputt, die Passwörter befinden sich gesichert im (kaputten) Laptop und als ob das nicht reichen würde, wurde ich noch krank. Da nützen klare Ziele und Planungen herzlich wenig, wenn das Leben das Kommando übernimmt und alles durcheinander würfelt.

Darüber lässt es sich aufregen und enervieren, aber irgendwann merkt man, dass es gesünder, sinnvoller und vor allem einfacher ist, vorwärtszugehen und weiterzumachen. Befindet man sich in dieser Phase, dann belohnt das Leben mit völlig unerwarteten Überraschungen.

Jahresrückblick

Wie das Leben früher war …

Jahrzehntelang war ich eine Person mit beinahe unerschöpflichen Energien. Was ich machte, tat ich aus Überzeugung. Ich verfügte über beinahe nicht endende Ressourcen, holte mir die Kraft aus meinen Projekten. Als Mutter, Ehefrau, Tochter, Studierende, Schulpflegerin, Klassenlehrerin, Schreibberaterin, Praxislehrperson, überall war ich höchst engagiert und liebte es „kleine“ Projekte zu machen, die sich dann zu grossen entwickelten. Ich liess mich von meinem Enthusiasmus und meiner Intuition leiten und schaffte es mühelos, andere Menschen zu begeistern, zu motivieren, mitzuziehen.

Mein Lebensmotto lautete „Was gut ist, lässt sich optimieren“. Das bedeutete für mich, nicht auszuruhen, nicht zweimal dasselbe zu machen, sondern alles zu ergänzen, auszuweiten, zu verbessern. Daraus zog ich meine Kraft und meinen Selbstwert. Ich wusste, was ich konnte, wozu ich fähig war und wie ich mein Leben gestalten wollte.

Veränderung im Aussen

Ich dachte immer, ich könnte mit allen Menschen arbeiten. Jede Person hat ihre Stärken und Schwächen, was sie ja auch zu etwas Einzigartigem und Speziellen ausmacht. Als Lehrperson sehe ich eine meiner Aufgaben darin, die Stärken meiner Schüler:innen zu erkennen. Manchmal müssen sie auch erst freigelegt und ausgegraben werden, um anschliessend darauf aufzubauen.

Ich war im Team bekannt dafür, dass ich es schaffte, mit jeder noch so schrägen Lehrperson eine Beziehung aufzubauen, ihr beim Einleben zu helfen und sie spüren lassen, dass sie willkommen war. Manchmal verlief das schnell, manchmal brauchte es mehrere Jahre, aber es klappte immer.

Im letzten Jahr habe ich an meinem Arbeitsplatz erleben müssen, dass es toxische Personen gibt. Sie verhalten sich wie Vampire, nur dass sie kein Blut, sondern emotionale Energie absaugen und das Gegenüber leer zurücklassen.

Toxischen Menschen fehlt die Empathie für ihr Gegenüber, sie können Bedürfnisse weder erkennen und noch wahrnehmen. Sie verhalten sich grenzüberschreitend und übergriffig. Zusätzlich streuen sie Gerüchte, verbreiten Lügen und sprechen dem Gegenüber Stärken und Kompetenzen ab. Dieses Verhalten schwächt, zerstört und macht krank. So auch mich.

Energielos

Meine Energie war weg. Mein körpereigenes Warnsystem hatte mir keinerlei Zeichen geschickt und ich vertraute meinem Körper. Hatte er mich doch in der Vergangenheit immer rechtzeitig gewarnt und aufgefordert, eine Pause einzulegen. Dieses Mal nichts, keine Warnung.

Ich schaffte es kaum noch aufzustehen. Nach einem kurzen Spaziergang an den Briefkasten musste ich mich hinlegen und schlafen. Es ging nichts mehr. Gar nichts mehr. Ich war erschöpft, leer, ausgebrannt.

Unkontrolliertes Zittern, Schwächegefühle, Erschöpfungszustände waren meine Begleiter. Der Kopf funktionierte, aber nur in Gedanken. Sobald die Gedanken hätten ausgesprochen werden sollen, wurden Wörter ausgetauscht und lustige Satzkreationen entstanden. Lustig für die anderen. Tragisch für mich.

Schlafen war das grösste Bedürfnis. Mein Energiereservoir war leer. Und meine grosse, strahlende, orange Energiekugel, die mich seit Jahren begleitete, war nicht mehr vorhanden. Nur eine grosse Leere.

Schreibend auf der Suche

Wenn die Gedanken nicht ausgesprochen werden können, dann schreibe ich. Diese trotzige Reaktion leitete eine Entwicklung ein, die ich mir weder ausdenken, noch hätte vorstellen können. Ich begann zu schreiben. Von Hand. Mit meinen Lieblingsstiften, in mein schönes Schreibbuch.

Mein erster Eintrag lautete: „Jetzt liegt dieses wunderschöne Buch vor mir und ich habe Lust regelmässig reinzuschreiben. Eigentlich wollte ich ja „jeden Tag“ notieren, aber schwupps merkte ich, dass mich dies unter Druck setzen würde. Was, wenn ich es dann trotzdem nicht jeden Tag schaffe? Kämpfe ich dann bereits wieder mit meinem schlechten Gewissen?

Amüsant und irritierend, dass mich bereits jetzt die Verwendung von Wiederholungen nervt. So komme ich absichtslos bereits zu meinem ersten Ziel für dieses Jahr. Meine Einträge nehmen an keinem stilistischen Wettbewerb teil! Die Worte werden so notiert, wie sie mir einfallen, wie sie aus dem Kopf aufs Papier purzeln.

Ausgangspunkt waren (und sind) Affirmationen, Werbungen, Sätze aus Büchern, Fragmente. Die schreibe ich als Titel. Und dann führt mein Unterbewusstsein die Hand und füllt Seite für Seite.

Ich wollte nicht über die aktuelle Situation nachdenken. Ich wollte mich nicht bemitleiden, weil ich meine Leistung nicht mehr brachte. Ich wollte Zugang zu meinem Innern. Wissend, dass der Zugang zu „meiner“ Energie irgendwo in mir vorhanden war. Ich musste ihn nur finden.

Hobbylos

Wir verbrachten wunderschöne Tage in den Bergen, aber zur Energie fand ich nicht zurück. Als ich dann noch zusammenklappte und im Notfall landete, wurden mir zwei Sachen klar. Ich brauchte Struktur und einen Sinn und ich wollte auch wieder ein kleines Pensum arbeiten. Einfach so viel, dass ich am Morgen aufstehen, duschen, anziehen und das Haus verlassen musste. Erholen konnte ich mich am Nachmittag.

„Du brauchst ein Hobby, meine Liebe,“ fanden meine Freundinnen. Es war auch klar, in welche Richtung mein Hobby hätte gehen sollen. Irgendwas Kreatives, was Sportliches, was Verrücktes, was Aussergewöhnliches. Ich hatte allerdings kein Bedürfnis nach einem Hobby und schon gar nicht, regelmässig zu trainieren oder mit Töpfern zu beginnen. Und überhaupt! Hatte ich nicht vor Jahren mein Hobby zu meinem Beruf gemacht? Hatte ich mich nicht regelmässig weiterentwickelt, meine Kompetenzen erweitert und vertieft?

„Du könntest ja was mit Schreiben oder Sprache machen“. Noch so ein genialer Vorschlag. Das ist doch mein Beruf – ich arbeite täglich mit Sprache und mit Schreiben!
Aber diese Aussage hakte sich fest, lies mich nicht los, stellte mir Fragen. Befasste ich mich in letzter Zeit auch mit meinem eigenen Schreiben? Was schrieb ich? Mit welcher Absicht? Wie oft?

Bloggen?

Meine Cousine Yvonne bloggte. Sie hatte sich sogar einen Jahreskurs geschenkt, mit dem Ziel, jede Woche einen Artikel zu verfassen. Ich las ihre Artikel sehr gerne. Ihre Art zu schreiben, löste bei mir gute Gefühle aus, wärmte mich. Ob wohl das Schreiben von Blog-Artikeln dies auch auslöste? Ob Bloggen auch was für mich sein konnte?

Bloggen? Eigentlich gar keine schlechte Idee. Nur … Einerseits hatte ich mich bisher vor Technik erfolgreich gedrückt. Andererseits dachte ich, dass Bloggen das Medium für Online-Unternehmer:innen sei, die etwas anzubieten und zu verkaufen haben. Oder die durch das Bloggen ihr Geld verdienen.

Die sind Expert:innen – aber ich? Was kann ich denn wirklich gut, bin ich irgendwo Expertin? Ich bin doch einfach Durchschnitt, normal, nichts Besonderes.

Mein erstes Selfie – auch das gehört zum Bloggen.

Das Blog-Feuer ist entfacht

Blieb die Frage, wie ich mir das Know-how des Bloggens am besten und einfachsten aneignen konnte. In dieser Zeit stiess ich auf ein kostenloses Angebot von Judith Sympatexter Peters

Boom Boom Blog – in 7 Tagen einen grossartigen Blogartikel schreiben. Geeignet für Blog-Einsteiger:innen. Perfekt! Dass sich Judith am Ende des Kurses Zeit für ein persönliches Gespräch nahm und meine Fragen beantwortete, nahm mir auch den letzten Zweifel – ich werde Bloggerin und lerne mit dem TheBlogBang weiter!

Mein Feedback an Judith

Und was soll ich sagen: Dieser Kurs ist genau zugeschnitten auf eine Anfängerin wie mich! Judiths wöchentliche Inputs und Erklärungen, die klare Struktur gepaart mit vielen (kurzen) Erklärvideos und viel Unterstützung, geben mir Mut und den Kick, mich den Herausforderungen zu stellen.

Was ich zusätzlich schätzte, waren die konstruktive Kritik, das regelmässige Feedback und die tollen Mitbloggerinnen. Ich konnte in meinem Tempo und ohne Druck arbeiten und die zur Verfügung gestellten Informationen nach und nach verarbeiten.

Ich blogge und erkenne mich

Und langsam kehrte auch wieder die Energie zurück. In ganz kleinen Dosen, immer noch sehr fragil, aber sie war wieder spürbar. So blieb ich beim Bloggen, bei der The Content Society, bei all den tollen Frauen mit ihren unterschiedlichen, kraftvollen Texten. Und bei meiner Blog-Buddy Barbara-Mira die mir immer die richtigen Fragen stellt und Sachen anspricht, die mir noch nicht bewusst sind.

Über das Schreiben wurde ich mir wieder meiner Stärken bewusst. Ganz offensichtlich wusste ich seit langem, in welchen Bereichen ich gut und kompetent bin, wo ich Expertin bin.

Seit Jahren leite ich Weiterbildungen und Workshops zu unterschiedlichen Bereichen aus dem weiten Gebiet des Unterrichts, coachte jahrzehntelang Kursleiter:innen und Dozent:innen in der Erwachsenenbildung, begleite Studierende der PHZH während ihrer Praktika. Als Schreibberaterin beschäftige ich mich intensiv mit dem Vermitteln von Schreibstrategien und berate Schüler:innen, Studierende und Erwachsene.

Meine Weiterbildungen dienten immer dem Zweck, meine Skills zu erweitern, mein Wissen zu verbreitern und neue Inputs und Methoden in bereits Vorhandenes einzubauen.

Aber als Frau meiner Generation, gepaart mit dem typischen Schweizer Understatement, war ich es gewohnt, mich kleinzumachen, ja nicht zu sehr aufzufallen, niemand zu explizit zu zeigen, was ich kann. Schliesslich wollte ich ja nicht als arrogant und besserwisserisch erscheinen.

Über das Schreiben merkte ich, wofür mein Herz brennt und was ich der Welt mitzuteilen habe. Es wurde so klar, so strahlend, so lodernd: Ich bin Expertin für Schule und Unterricht. In Zukunft wird gebloggt und ich stehe selbstbewusst zu meinen Kompetenzen und Fähigkeiten.

Meine Stärken auf mich anwenden

Nachdem ich wieder Zugang zu mir und meiner Energie gefunden hatte, musste ich eine Lösung für meinen Arbeitsplatz finden.

Ich hatte verschiedene Strategien ausprobiert, um mich zu schützen. Lösungsorientiertes Handeln, auf Distanz gehen, Selbstfürsorge betreiben. Es nützte nichts. Es war ein Anrennen gegen Windmühlen.

Eine Option lag schon länger im Hinterkopf. Einfach ignorieren. So wie früher in den Chats. In meinem Kopf /ig XY zu tippen. Aber konnte ich das wirklich? Verleugnete ich damit nicht meine Grundhaltung?

Wie so oft brachten die Zeit und ein langes Gespräch mit meiner besten Freundin Klärung und den Ausstieg aus dem Teufelskreis. Die Lösung lag in mir, sie war aus meinen Werten und meiner Grundhaltung entstanden. Sie bot mir Hand, neue Wege zu gehen und proaktiv tätig zu werden.

Ich bin eine empathische, lösungsorientierte, authentische, vorausschauende und offene Person. Nur hatte ich bisher nie bedacht, dass diese Eigenschaften nicht nur gegen aussen wirken, sondern auch auf mich selbst angewandt werden dürfen. Ein lösungsorientierter Ansatz darf sich an meinen persönlichen Bedürfnissen ausrichten. Und Empathie soll ich mir auch selbst zukommen lassen.

Wohlfühloase

In der folgenden Nacht hatte ich einen Traum. Ich träumte von meinem Klassenzimmer als grüner Wohlfühloase. Ein Energie- und Kraftort. Einem Ort, der frei von schädlichen Einflüssen, von negativer Energie ist.

Also wurde in der letzten Ferienwoche das Zimmer intensiv geräuchert. Ich war schon an mehreren Räucherungen dabei, aber diese dicken, stinkenden Schwaden, die sich dann aus Türen und Fenstern ergossen, die draussen längere Zeit sicht- und spürbar waren, das hatte ich noch nie erlebt. Meine Freundin sagte mir später, dass dies die anstrengendste Räucherung gewesen sein, die sie je gemacht habe.

Danach haben wir Tische umgestellt, Pflanzen gekauft und von zu Hause mitgenommen, andere Bilder aufgehängt und nach und nach entwickelte sich unser Arbeitsraum zu einer grünen Wohlfühloase.

Dieses veränderte Klima nahmen nicht nur wir wahr, sondern auch die Schüler:innen reagierten sehr positiv darauf. Sie fanden, dass es sich einfacher lernen lasse, weil das Grün der Pflanzen sie beruhige und dadurch eine chillige Stimmung herrsche 🙂 .

Sieht auch zur Adventszeit gut aus 🙂

Unsere gute Fee Vesna, die zweimal die Woche putzt, brachte die Veränderung auf den Punkt: „Ich weiss nicht, was ihr mit diesem Zimmer gemacht habt. Aber wenn ich eintrete, dann fühle ich mich geborgen, entlastet und wohl. Dieser Ort stimmt mich heiter und zuversichtlich.“

Energie 2.0

Ich verfüge wieder über Energie 🙂 🙂 💃 💃 💃 . Neun Monate lang habe ich mich von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag gehangelt. Jetzt lebe ich wieder in meiner Energie. Sie manifestiert sich nicht mehr in einer pulsierenden, orangen, strahlenden Kugel. Meine neue Energie ist ruhiger, gelassener. Eher wellenförmig und himmelblau. Wir lernen einander erst kennen. Aber ich bin sicher, dass wir uns bestens verstehen werden.

Ich habe realisiert, dass ich viel Zeit für mich selbst benötige. Immer wieder bewusst zu mir zurückkehren, den Fokus auf mich richten. Bei mir bleiben und zur Ruhe kommen. Das ist neu für mich.

Das Schreiben gibt mir nicht nur Energie, wie ich bis anhin dachte, sondern erfüllt mich auch mit Ruhe und Gelassenheit. Deshalb werde ich weiterschreiben und mir weiterhin Inseln dafür schaffen.

Bloggen mit Schüler:innen

Es liegt auf der Hand, dass das Thema Bloggen auch den Weg in meinen Unterricht gefunden hat. 33 Schüler:innen hatten sich für das Wahlfach Schreiben angemeldet. Entweder weil sie gerne schreiben, die Freude am Schreiben entdecken möchten oder weil sie ihren persönlichen Stundenplan mit einem nicht kognitiven Fach ergänzen wollten.

Der Blog-Virus hat sie alle infiziert. Sie setzen die Themen spannend um, bringen ihren ganz persönlichen Touch ein und gestalten immer mehr auch mit eigenen Bildern. Woche für Woche wird so ihr Schreibenblog gefüttert und wächst und wächst. Diese Art des Schreibens kommt Jugendlichen entgegen. Arbeiten am Computer an sich ist schon reizvoll. Selber über den Inhalt bestimmen zu dürfen, lässt sie kreativ werden.

Ich bin hell begeistert über ihre Kreativität und Fantasie. Auch die Kommentare, die sie ihren Mitschüler:innen hinterlassen, sind wertschätzend, zeugen von Interesse und ermöglichen neue Kontakte.

Natürlich investiere ich viel Zeit in die Betreuung und das Coachen der Texte. Weit mehr als es vorgesehen wäre. Aber das stört mich nicht im Geringsten. Die Freude und die Energie, die über dieses Projekt an mich zurückfliessen, sind den Einsatz allesamt wert.

Das Fazit nach fünf Monaten: 285 veröffentlichte Beiträge, 112 Entwürfe, 586 Kommentare. 

Vorwärts mit Rücksicht

Im nächsten Mai werde ich im Rahmen meiner Intensivweiterbildung ein 7-wöchiges Betriebspraktikum absolvieren. Für mich war seit Jahren klar, was ich während dieser Zeit machen würde. 7 Wochen in Florenz wohnen und von Morgen bis Abend Italienisch sprechen, denken, essen. Meine Seele baumeln lassen und voller Dolce vita-Feeling wieder zurückkehren.

Aber im 2021 läuft alles anderes als geplant 🙂 . Mein Aufenthalt in Florenz wird nicht realisierbar sein, da mein Knie da nicht mitmachen will. Und so fahre ich nicht nach Italien, sondern nach Deutschland, genauer nach Haigerloch zu Judith Peters.

Mögen mir die Blog-Göttinnen zur Seite stehen, wenn ich mich dann im Zentrum des Blog-Universums befinde :-).

Was uns zusammenhält

Während dieses speziellen Jahres konnte ich auf das Wissen, die Unterstützung und Freundschaft verschiedener Freund:innen zählen und zurückgreifen. Ohne sie und meinem Mann wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.

Was diese doch sehr unterschiedlichen Menschen verbindet, ist der Glaube, dass wir die Gegenwart verbessern können. Nicht irgendwann, sondern jeden einzelnen Tag. Durch unsere Grundhaltung, durch unsere Authentizität, durch unser Sein und Handeln.

Egal, wie oft wir uns hören oder lesen. Ich weiss, dass wir miteinander verbunden sind.

Dankbarkeit

Der letzte Punkt meines Jahresrückblicks steht unter dem Titel Dankbarkeit. Ich wurde dieses Jahr reich beschenkt vom Leben. Das Bloggen schärfte meinen Blick auf die schönen Dinge in meinem Alltag.

Den 12. Tag pro Monat in 12 Bildern zu dokumentieren, eine alte Blogger:innen-Tradition. Die Schönheit und Besonderheit eines ganz normalen, standardmässig ablaufenden Tages dokumentieren? Das funktioniert tatsächlich. Schau ich mir die entstandenen Bilder, dann erfüllen sie sich mit Freude.

Bevor ich mit dem Verfassen der Monatsrückblicke begann, war mir nicht bewusst, wie viele schöne und emotionale Begegnungen ich erlebe. Durch das Notieren der Ereignisse erlebe ich alle Erlebnisse nochmals sehr intensiv. Das Schreiben verzögert sich dadurch oft, da ich diese Momente nochmals voll auskoste. Am Ende hinterlässt der Monatsrückblick jedoch ein wohliges, schönes, angenehmes und dankbares Gefühl.

Dankbar bin ich auch für meine Familie, die leibliche und die gewählte. Ohne eure Liebe, Zeit und Unterstützung, ohne euer kritisches Hinterfragen und das „Kopf zurechtrücken“ hätte ich dieses Jahr nicht so viel gelernt. Teamwork makes a dream work :-).

Meine 3 liebsten eigenen Blogartikel 2021

Was 2021 sonst noch los war

Nun gehört Marc auch dazu – runder Geburtstag im Zeichen der Pandemie. Da maximal fünf Personen erlaubt waren, musste den ganzen Tag lang gefeiert werden 🙂 Mit genauem Taktfahrplan, damit zwischendurch immer wieder ausgiebig gelüftet werden konnte.

Am 13. August feierte Muetti ihren 80. Geburtstag. Und wie es inzwischen bereits Tradition ist, lassen wir uns von ihr auf einen Berg entführen. Dieses Jahr gings in die Mythen-Region.

Unsere Sommerferien verbrachten wir in der Schweiz. Seit ich in der Primarschule einen Bastelbogen des Schloss Chillon bekommen hatte, träumte ich von einem Besuch. Da wir dieses Jahr die zweite Woche am Murtensee verbrachten, passte ein Abstecher an den Genfersee perfekt in unsere Pläne. Zufälligerweise befanden sich mein Bruder und meine Schwägerin ebenfalls in Montreux und wir genossen einen gemeinsamen Abend.

Im Herbst verbrachten wir drei Tage mit unseren Müttern in Luzern. Eine wunderschöne und sympathische Stadt. Jeder Tag bot ein kleines Highlight. Besuch eines Konzerts des London Symphony Orchestra im KKL, eine Schifffahrt auf dem Vierwaldstädtersee und zum Abschluss noch eine Stadtführung nur für uns.

Frauen am See am Feuer – ein ruhiges und doch energiereiches Weekend am Murtensee. Die Entspannung begann bereits auf der Hinfahrt. Dreistündiger Stau begleitet von schöner Musik, Chips und Getränke waren vorhanden und so stand tollen Gesprächen nichts im Wege.

Die längst überfällige Diplomfeier! Zusammen mit Elena und Sibylle feierten wir diesen Anlass gebührend 💃 💃 💃. Der Lorbeerkranz war direkt aus einem kleinen, chinesischen Geschäft in Florenz mitgebracht worden und wurde von mir natürlich den ganzen Abend mit Stolz getragen.

Ausblick auf 2022

Gerade muss ich schmunzeln. Nachdem ich auf das Jahr 2021 zurückgeblickt habe, soll ich mir da wirklich Gedanken darüber machen, wie das nächste Jahr werden wird und was ich da machen möchte? Wäre es nicht sinnvoller, einfach mal abzuwarten?

Natürlich nicht! Wenn ich das jetzt hier notiere, kann ich Ende 2022 überprüfen, inwiefern sich Wünsche und Ideen entwickelt, verändert, realisiert haben.

Ich …

  • … nehme mir Zeit für mich.
  • … ich bleibe bei mir, in meiner Energie und somit gesund.
  • … bin dankbar für meine Familie und investiere Zeit in diese Beziehungen.
  • … übe mich in Instagram-Posts.
  • … arbeite mit Menschen, die im Team arbeiten wollen.
  • … geniesse mein Betriebspraktikum in vollen Zügen. Wohl wissend, dass ich mehrmals an meine Grenzen stossen werde.
  • … lasse mich durch nichts und niemanden an meinen Kompetenzen zweifeln.

Aus all diesen Ideen ist mein Jahresmotto 2022 entstanden: Ich lehne mich zurück.

Wie sich alles entwickelt, kannst du im nächsten Jahr in meinen Blogartikeln nachlesen.

Willst du mehr über mich erfahren?

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Wir führten ein Leben als Zigeuner, mit und ohne Kinder (Migrationsportrait)

Gastautorin: Yesenia Buschor (Wahlfach Schreiben 

Ich möchte mich bei Milena und Felix für ihre Offenheit, Interesse, Vertrauen, Freude, Hilfe und Zeit bedanken. Wir sassen drei Stunden am Tisch und sprachen über ihre wunderschöne Reise durchs Leben.
Danke, dass ihr das mit mir geteilt habt. Auch für euer Einverständnis diese Geschichte zu veröffentlichen, möchte ich mich bedanken.

Meine zwei Interviewpartner

Milena und Peter lernte ich im Jahr 2018 kennen. Da wir von Zwillikon nach Affoltern umgezogen waren, hatten wir neue Nachbarn. In unserem früheren Quartier kannte ich alle und jeden, jeder hatte sein eigenes kleines Haus. Da in Affoltern lebten viel mehr Menschen auf einem Fleck. Mir fiel es ein wenig schwer mit der Anpassung, doch meine Mutter kannte schon nach einer Woche alle Nachbarn aus beiden Mehrfamilienhäusern. Doch mit Milena sprach sie am meisten, immer noch 🙂 .

Als ich einmal den Hausschlüssel vergessen hatte, liess Milena mich in ihre Wohnung und machte mir eine Tasse Tee. Wir unterhielten uns und sie erzählte mir aus ihrem Leben. Es war sehr spannend, ihr zuzuhören und so entschied ich mich, sie als Interviewperson für das Migrationsportrait zu wählen. Mein Vater riet mir, zusätzlich auch ihren Mann zu interviewen, weil er sich schon mit ihm gesprochen hatte und seine Geschichte auch interessant klang.

So befragte ich beide. Das Interview war alles andere als kurz und langweilig, ich konnte sehr profitieren und viel Neues erfahren. Aus der Lebensgeschichte von Milena und Felix lernt man sehr viel über unglaublich unterschiedliche Kulturen. Es war ein sehr lehrreiches und faszinierendes Interview. Mein Wissen über Essen vergrösserte sich beispielsweise durch dieses Gespräch.

Meiner Meinung nach haben sie das spannendste Leben, das ich kenne. Als ich sie fragte, wie man sie sich am besten als Reisende beschreiben würde, sagte Felix: „Wir führten ein Leben als Zigeuner, mit und ohne Kinder.“

Abenteuerlust

Milena ist in Jugoslawien geboren. Sie lebte auf einem Bauernhof mit ihren Eltern und Geschwistern, in Kiseljak. Sie musste schon früh arbeiten, was bedeutete, die Tiere füttern, im Haushalt mitarbeiten und für die Schule lernen. Schon in den frühen Schuljahren merkte sie, dass sie ein Flair für Sprachen hat. So reiste sie mit 19 nach London, um zu studieren. Ihre Mutter fragte sie immer wieder: „Was willst du dort machen? Du kennst niemanden.“

London

Sie kannte niemanden in London und war ganz auf sich allein gestellt, das stimmt, doch das machte ihr nichts aus. Sie war sehr beeindruckt von der grossen Stadt und all den schönen Attraktionen. Milena mietete eine kleine Wohnung, in der sie nur zum Lernen oder Schlafen war. Tagsüber arbeitete sie in einem Hotel und abends lernte sie. Sie nahm eine Stelle in einem Hotel an der Rezeption an. Dort schloss sie schnell Freundschaften. So verging ein wenig die Zeit und sie lebte sich gut in London ein.

Milena und Felix

Eines Abends, als sie eine Kollegin in eine Bar begleitete, entdeckte Felix sie. Er hatte sie zwar schon oft gesehen, doch nie angesprochen, denn die beiden arbeiteten im gleichen Hotel. Felix nahm also seinen ganzen Mut zusammen und sprach sie an. Milena hatte vor kurzem einen Verkehrsunfall gehabt und konnte deswegen nicht tanzen, also redeten die beiden die ganze Nacht miteinander. Mit der Zeit wurden sie gute Freunde und später immer mehr.

Felix war aus der Schweiz nach England ausgewandert wegen seines Berufs. Er hatte die Lehre als Koch abgeschlossen und arbeitete in einem Swiss Hotel in England als Küchenchef. Er war und ist immer noch begeistert von seinem Beruf als Koch. Sein Ziel war es, ganz nach oben an die Spitze zu gelangen. In seiner Branche ist das allerdings sehr schwierig und anstrengend. Dieses Ziel verlangte von ihm sehr viel Flexibilität und grossen Einsatz. Doch das nahm er in Kauf.

Eindrücke des Stadtlebens

Milena war mit neunzehn das erste Mal im Ausland, ihre Familie Kilometer weit weg. Es war ein Schock, den sie sehr schön fand. Sie war sich daran gewohnt, in einem kleinen Dorfe zu leben, doch jetzt in einer so grossen Stadt wie London zu leben, war ein spannendes Abenteuer. Mit Felix war es nur noch schöner dort. Sie genoss es richtig. Sie hatte nur manchmal Heimweh.

Was sie immer noch sehr beeindruckt, ist das Königliche Museum. Sie hatte es nur einmal besucht, doch sie liebte es, es war wunderbar. Sie empfiehlt es jeder und jedem nach London zu gehen. Sei es, um dort zu leben oder Ferien zu machen. Sie beschrieb London als eine unendliche Entdeckungsreise. Man wird London nie ganz ausforschen können. Auch um dort zu studieren, ist es sehr praktisch und schön zu gleich.

Milena sagt, dass sie gemerkt habe, dass sie in der grössten Stadt von Europa sei. Alle Personen waren gut gekleidet und überall ertönte Musik jeglicher Art. Auch der Verkehr war speziell auf seine Art und Weise. Die gelben Taxis und die roten Busse im Nebel der Londoner Stadt.

Das Wetter war für Regenliebhaber perfekt, denn jeder Passant trug einen Schirm mit sich herum. Es konnte von einer Sekunde auf die nächste regnen. Doch der Regen war nicht dauerhaft. Milena hat sehr viel von diesem unvergesslichen Aufenthalt profitiert und für ihr Leben mitgenommen.

Blick über London

Zwischenstation Spanien

Milena traf sehr früh auf ihre grosse Liebe Felix. Er war ein Spitzenkoch und liebte das Abenteuerleben genauso wie sie auch. Sie passen wie Puzzlestücke zusammen. Felix wurde eine neue Stelle in einem anderen Restaurant angeboten, und zwar in Argentinien. Am Vorstellungsgespräch sagten sie ihm, sie würden ihn einstellen, wenn er verheiratet wäre. So kam es zur kleinen Hochzeit von Milena und Felix.

Wenige Wochen später wurden sie nach Spanien versetzt. Weil die politische Lage in Argentinien kritisch war, mussten sie für ein paar Monate in Spanien bleiben. So konnten sie sich ein wenig ausruhen und da sie gerade frisch verheiratet waren, passte das gut. Felix und Milena lernen sehr gut und schnell Sprachen. So fiel es ihnen leicht, in Spanien bereits die Grundlagen des Spanischen zu erlernen.

Argentinien

Auf dem Weg nach Argentinien erfuhren sie, dass ein drittes Familienmitglied unterwegs war. Für Milena war so ein Umzug sehr spannend. Mit 21 Jahren in ein anderes Land und einen anderen Kontinent zu ziehen, war sehr aufregend. Sie schrieb oft mit ihrer Schwester und telefonierte manchmal mit ihrer Mutter. Sie war ein wenig traurig, denn sie wusste, dass ihre Mutter bei der Geburt ihres ersten Kindes und des ersten Enkels der Familie nicht dabei sein konnte.

Doch das konnte sie ihrer Mutter natürlich nicht sagen, denn das hätte ihre Mutter sehr traurig gemacht, erklärte sie mir. Als „gute“ Tochter hätte sie eigentlich in Jugoslawien bleiben müssen und dort einen ausgewählten Mann heiraten sollen, doch ihre Mutter hatte ihr erlaubt, zu studieren. Allerdings war die Mutter davon ausgegangen, dass Milena wieder nach Jugoslawien zurückkehren würde. Das geschah nie, denn Milena buchte nie eine Rückreise.

Einleben in Argentinien

Als sie dann endlich in Argentinien ankamen, wurden sie von Wärme umarmt. Daran erinnert sich Milena noch sehr stark, wie nett und offen alle Menschen waren. Felix musste sofort an die Arbeit, da sie auf der Arbeit bereits Monate im Verzug waren. Milena freundete sich mit anderen Frauen an und lernte schnell das argentinische Spanisch. Sie hatten einen riesigen Garten und feierten dort oft am Wochenende “Grillfeste”. Es war eine schöne Zeit, sagen beide.

Milena war sehr oft alleine, ihr wurde langweilig und so fing sie wieder an zu lernen. Sie wollte ihr Spanisch perfektionieren. Als sie ihr Ziel erreicht hatte, wollte sie sich besser in Buenos Aires auskennen. So ging sie jeden Tag laufen und kannte schon nach einigen Wochen die grosse Stadt in- und auswendig. Das war ein Vorteil, denn bald wäre das Baby zur Welt gekommen und es war ein Vorteil, wenn man einige Spielplätze kannte, sagte sie mir.

Familienzuwachs

Als ihr Baby da war, war es ihr nicht mehr langweilig. Sie war fasziniert davon, wie das Baby jeden Tag wuchs und neue Sachen lernte. Felix hingegen musste sehr hart arbeiten und genoss daher umso mehr das Wochenende mit seinem Sohn und seiner Frau. Er erklärte mir, dass es ihm jeden Tag sehr schwerfiel, zwölf Stunden zu arbeiten und nicht seinem Kind zusehen zu können, wie es wuchs. Doch Felix wusste, mit harter Arbeit konnte er seinem Sohn eine bessere Schule bezahlen und so auch eine bessere Zukunft bieten.

So gründeten sie eine kleine Familie, die zwei Jahre später mit der Geburt eines kleinen Mädchens vollständig war. Milena langweilte sich nach der Geburt ihrer Tochter keine einzige Sekunde. Sie lernte von den Erfahrungen anderer Mütter und liebte es, mit ihren Kindern unterwegs zu sein. In Buenos Aires hatten sie sehr viele Freunde und ein wirklich schönes Leben.

Felix wollte aber mehr aus seiner Karriere herausholen. Nach 15 Jahren in Argentinien hatte er es geschafft, als Abteilungsleiter zu arbeiten. So bekam er immer mehr Stellenangebote.

China

Nach dem Leben in Argentinien (das nun schon 15 Jahre zurückliegt), Marokko, England, Schweiz und Spanien erwartete die beiden China. Felix bekam eine Jobofferte in China als Chef einer Hotelreihe. Die beiden liessen ihre Kinder, die damals junge Erwachsene waren, in der Schweiz zurück, um ein neues Abenteuer zu erleben. Milena war sehr aufgeregt, weil sie eine total neue Erfahrung machen würden. Sie konnte die chinesische Sprache weder lesen, noch verstehen oder sprechen im Gegensatz zu den Sprachen zuvor.

Als sie in China ankamen, wurden sie direkt in ihrer neuen Wohnung untergebracht. Felix beschrieb die Aussicht aus dem 32. Stock als unglaublich, denn alle grossen Gebäude sahen wie Schuh-Kartons aus. Milena war ganz auf sich gestellt, denn Felix musste sehr viel arbeiten und hatte eine Übersetzerin, die alle Gespräche mit den Mitarbeitern übersetzte.

Neue Herausforderungen

Milena jedoch musste alles selber machen. Einkaufen war eine der grössten Herausforderungen für sie. Sie wusste weder, was auf der Packung stand, noch was drin war. Die Verkäuferinnen konnten ihr auch nicht helfen. Da traf sie eines Morgens auf eine deutschsprechende Frauengruppe. Sie ging zu ihnen und stellte sich vor. Sofort wurde sie in die Gruppe aufgenommen. So erfuhr sie, dass es so eine Art Vereine für nicht chinesisch sprechende Hausfrauen gab. Natürlich meldete sie sich sofort an und kam mit allen Frauen, die aus aller Welt stammten, bestens aus.

Zu diesem Zeitpunkt sprach und verstand Milena bereits sieben Sprachen perfekt. Das waren Serbisch, Russisch, Bosnisch, Englisch, Spanisch, Deutsch und Französisch. Sie hatte sehr viel profitiert in den vergangenen Jahren. Doch irgendetwas in ihr trieb sie an, Chinesisch zu lernen. Sie wollte diese Kultur verstehen und somit auch die Sprache. Also fing sie mit Kinderstoff an. Sie steigerte sich sehr schnell, bis sie einigermassen Chinesisch konnte. Sie konnte es schreiben und lesen, aber nicht gut sprechen. Also meldete sie sich zu einem Chinesisch-Sprachkurs an.

Nach einigen Wochen beherrschte sie die Grundlagen sehr gut und gehörte bereits zu den Fortgeschrittenen. Milena bewies sich einmal mehr, dass man zum Lernen nie zu alt ist. Das fand ich überwältigend: Sie lernte Chinesisch, obwohl sie bereits über 50 Jahre alt war.

Eine völlig neue Kultur

Doch die neue Kultur zu lernen, fiel ihr schwerer als die Sprache. Eines Morgens ging sie wie üblich auf den Markt, um Fisch zu kaufen. Sie zeigte dem Fischer, welchen sie gerne hätte. Er nahm den Fisch und fragte sie, ob sie ihn filetiert haben wollte oder nicht. Sie sagte ihm, sie hätte gerne sechs Stück. Als er zu schneiden anfing, bemerkte sie, dass der Fisch noch lebte.

Sie konnte nicht mehr hinsehen, da das Tier lebendig filetiert wurde und das sehr langsam. Milena ass den Fisch nur, weil sie ihn nicht umsonst hatte leiden lassen wollen. Dieses Erlebnis konnte sie nie mehr vergessen. Sie isst deshalb bis heute keinen Fisch mehr.

Beide störten sich ein wenig am Umgang der Chinesen mit den Tieren. In dieser Kultur wurden sie, aus der Sicht von Europäern, gefoltert und nicht respektvoll behandelt.

Felix war fasziniert davon, wie die Chinesen grosse Menschenmassen in kurzer Zeit transportieren können. In nur drei Minuten steigen mehr als 100 Personen in die U-Bahn ein oder aus. Das ist möglich, weil die Züge genau dort halten, wo sich die Menschenreihe befinden. Auch die Beladung eines Schiffes ist in zwei Stunden fertig und hier in Europa braucht es mehrere Stunden.

Milena und Felix verbrachten zehn Jahre ihres Lebens in China und lernten eine Menge.

Wohin die Reise noch geht

Milena und Felix antworteten sehr schnell auf diese Frage. Beide würde wieder nach China ziehen. Es waren die schönsten 10 Jahre ihres Lebens. Die Kultur, Personen, Architektur und das Essen sagten den beiden sehr zu. Sie fühlten sich einfach wohl und zu Hause. Doch weil es bisher keine Gelegenheit gab, bleiben sie vor erst mal in der Schweiz. Auch in der Schweiz fühlen sie sich gut.

Natürlich ärgert sie ein wenig das Wetter, doch das ist eine Nebensache, sagt Milena. Das Reisen ist ihre Flucht vor dem Winter. So verbringen sie regelmässig Zeit im Ausland. Meist handelt es sich dabei um spontane Ferien, erklärt Felix.

Vor kurzem waren sie in der Südschweiz. Wegen der Pandemie achten sie trotz ihrer Spontaneität darauf, dass sie nur an Orte gehen, wo es am wenigsten Fälle gibt. So schützen sie sich und ihre Nächsten. In zwei Jahren wollen sie aber wieder richtig reisen. Die Destinationen stehen bereits fest: China und Argentinien. Sie hoffen, dass sich bis dahin die Situation mit dem Corona-Virus beruhigt hat.

Ich habe sie gebeten, viele Fotos zu machen, damit ich einen Eindruck bekommen, wie das Leben in China hinter der Fassade aussieht.

Was ich mitnehme

Was mir Milena und Felix während des Gesprächs beigebracht haben, ist, dass man sehr freundlich sein soll. Mit allen Menschen aus aller Welt. Um sich in einem neuen Land einleben zu können, muss man sehr anständig und freundlich sein. Dieses Verhalten ermöglicht viele Begegnungen, Kontakte und Optionen.

Auch verlangt das Einleben Geduld. Eine neue Sprache zu lernen oder sich an einen Ort zu gewöhnen, brauchen Zeit. Milena und Felix hatten diese Geduld ihr Leben lang. Offenheit ist ein weiterer, wichtiger Punkt. Für alle Kulturen oder Wohnsituationen offen sein und sich nicht abschrecken lassen. Wer sich gut in einem neuen Land einleben will, soll aktiv sein. Nicht einfach zu Hause bleiben, sondern das Land, die Personen und die Kultur kennenlernen.

Das Wichtigste ist aber, dankbar zu sein. Dankbar für jeden Tag und für alles, was man hat. Nicht alle Menschen haben das Privileg, in ein anderes Land reisen zu können.

Durch dieses Interview konnte ich sehr viel über das Leben und die Haltung gegenüber dem Leben nachdenken und lernen. Mir ist auch aufgefallen, wie wichtig es ist zu reisen, um sein eigenes Wissen zu vermehren und zu erweitern.

Ich nehme von diesem Gespräch sehr viele wichtige Erkenntnisse für mein Leben mit.

12 von 12 im Dezember 2021

Bereits steht das letzte „12 von 12“ in diesem Jahr an. Da ich mich nicht aus dem Haus bewegte, steht dieser Rückblick ganz unter einem einzigen Thema, der Adventszeit. Ich verbinde diese Zeit mit vielen Erinnerungen und Traditionen. Und wenn wir am Abend alle Kerzen und Teelichter anzünden, dann verbreiten diese eine heimelige und warme Stimmung.

Diesen Monat werde ich zu jedem Bild die dazugehörige Geschichte erzählen. Die Adventszeit ist für mich die Zeit der Anekdoten 🙂 .

Danke an Caro von Draussennurkännchen, welche die 12 von 12 der Bloger:innen-Szene sammelt und uns so auch im Dezember Einblicke in die unterschiedlichen Lebensweisen ermöglicht.

Divali und Martininacht

Ende Jahr werden in vielen Kulturen auf der ganzen Welt Lichterfest gefeiert. Meine Schüler:innen haben sich mit diesen Traditionen auseinandergesetzt und uns als Gruppe viel Wissenswertes vermittelt.

Während der Woche der Religionen besuchten wir einen Workshop „Basteln von Laternen zum Diwalifest und Martinifest“. In der Ausschreibung stand allerdings nicht, dass der Fokus der Bastelarbeit auf kleinere Kinder bis ca. 10 Jahren lag. Das hinderte meine coolen 15-Jährigen jedoch in keinster Weise, eine Zeitreise in ihre Kindheit zu machen und voller Enthusiasmus leere Gläser zu bekleben und zu dekorieren.

Eines der entstandenen Produkte wurde mir geschenkt 🙂

Christrosen

Die Christrose ist eine Pflanze, die mich schon immer faszinierte. Sie blüht in der kältesten Jahreszeit, trotzt Schnee, Wind und Regen und ist genügsam. Mit ihren weissen Blüten wirkt sie edel und rein.

Durch ihren Namen ist sie eindeutig mit der Adventszeit verbunden. Er soll auf folgende Geschichte zurückgehen: Die Hirten waren auf dem Weg nach Bethlehem und freuten sich darauf, dem zukünftigen König ihre Geschenke zu überbringen. Einer von ihnen war jedoch sehr traurig, da er nichts besass, dass er dem Jesuskind hätte schenken können. Er weinte still vor sich hin. Als die Tränen zu Boden fielen, wuchsen daraus wunderschöne, weisse Blumen, schön wie Rosen.

Das Adventsgesicht

Ein sternförmiger Türschmuck unterstreicht die Magie der Adventszeit. Vor einigen Jahren haben wir diesen besonderen an einer Weihnachtsausstellung in unserem Lieblingsblumengeschäft entdeckt. Seitdem begleitet uns das gutmütige Adventsgesicht durch die besinnlichen Tage.

Mr. Moose

Es gibt eine ganz spezielle Adventsgeschichte, die ich mir alljährlich anhöre. Inzwischen wurde sie auch verfilmt, aber ich mag es, mir die Geschichte anzuhören und mir meine eigenen Bilder dazu vorzustellen.

Andreas Steinhöfel erzählt in seinem Kinderbuch „Es ist ein Elch entsprungen“ die Abenteuer des kleinen Bertil Wagner. Während des Adventssingens mit seiner besserwisserischen Schwester Kiki und seiner Mutter kracht ein Elch durchs Dach, landet auf dem Esszimmertisch (Sören aus der IKEA) und pulverisiert Grossmutters Weihnachtsplätzchen. Aber das ist nur der Anfang der unglaublichen Geschichte. Denn wer würde schon an sprechende Elche, Testfahrten für den Weihnachtsmann und Santaclaus in der Klapse glauben?

Da meine Familie natürlich nicht von meinen Vorlieben verschont blieb, schenkten sie mir zum Geburtstag einen Türschmuck – mit Mr. Moose und in den Farben orange-rot gehalten.

Apropos Geburtstagsgeschenk

Auf der Suche nach geeigneten Fotosujets in der Wohnung fiel mein Blick in ein Regal meines Mannes. Und was sah ich da? Ein kleines, hübsches Päckchen <3 . Wer weiss, vielleicht mag ich die Adventszeit auch, weil in diese Zeit mein Geburtstag fällt? Ich bin jedenfalls gespannt wie ein Flitzebogen, ob es am Dienstag auf meinem Gabentisch liegen wird.

Weihnachtsstern

Meine Tochter hasst ihn, meine Mutter findet ihn mühsam, weil er nicht freiwillig aus dem Leben scheiden will und ich … Na ja, der Weihnachtsstern erinnert mich an meine Grossmutter. Ich kann nicht sagen, ob er mir gefällt oder nicht. Er löst angenehme Gefühle und Erinnerungen aus. Und aus diesem Grunde hat diese ursprünglich aus Süd- und Mittelamerika stammende Pflanze ihren festen Platz in meiner Adventszeit.

Weihnachtsmann

Mir ist die Figur des Weihnachtsmanns fremd (ausser Santaclaus bei Mr. Moose). Ich kann wirklich nichts mit ihm und seinen Geschichten anfangen. Aber dieser Weihnachtsmann auf dem Foto besuchte uns regelmässig vor Weihnachten. Ursprünglich war er eine Dekoration auf einem Weihnachtsgeschenk, das unsere Tochter erhalten hatte. Und sie entschied als kleines Mädchen, dass er bei uns bleiben müsse, weil er sich sonst so einsam fühle.

Maria mit dem Jesuskind

Zu unseren Adventsdekorationen gehört auch die Krippe. Meine Mutter hat sämtliche Krippenfiguren selbst gemacht und sie wurde regelmässig in meinem Elternhaus aufgestellt. Maria hält das Jesuskind mit den schönen, dichten, schwarzen Haaren ganz fürsorglich in ihren Armen.

Unsere Katze hielt die Krippenfiguren jedoch für spezielles Spielzeug, das wir nur zu ihrem Vergnügen hingestellt hatten. Die armen Schafe wurden herumgestossen, in andere Zimmer geschleppt und dort liegen gelassen. Am meisten hatte es ihr jedoch das Jesuskind, beziehungsweise dessen schöne Haarpracht angetan. Jahr für Jahr wurde das arme Baby skalpiert und erhielt im neuen Jahr wieder eine neue Perücke.

Weihnachtsbaum

Weihnachten wird bei uns mindestens dreimal zelebriert. Bei meinen Eltern, bei meinen Schwiegereltern und dann natürlich auch noch bei uns zu Hause. Einen eigenen Weihnachtsbaum hatten wir jedoch nie. Wobei das stimmt nicht ganz. Anfänglich kaufte ich jeweils einen kleinen Weihnachtsbaum, der nach Weihnachten in den Garten meiner Eltern gepflanzt wurde. Allerdings fanden sie irgendwann, dass sie auch Freude an anderen Pflanzen hätten …

Damit unsere Tochter trotzdem nicht auf ihren Weihnachtsbaum verzichten musste, kaufte mein Vater ihr vor knapp 20 Jahren einen kleinen, künstlichen. Seitdem wird er jedes Jahr aufgestellt und von ihr geschmückt. Die Kugel hat sie sich über die Jahre zusammengespart und -gekauft.

Adventskranz

Seit ich mich erinnern kann, machen wir am Samstag vor dem 1. Advent zusammen mit meiner Mutter Adventskränze. In den letzten Jahren bestand der feste Kern dieser kreativen Tätigkeit aus meiner Mutter, meiner Tochter und mir, manchmal stiessen auch noch Freundinnen dazu. Ich liebe diese Tradition. Die Adventskränze spiegeln die Persönlichkeiten ihrer Gestalterinnen wider.

Ich arbeite mit dem Material, das mir gerade in die Finger kommt, stopfe Löcher, lasse es wild und ungestüm wachsen. Ich verwende weder Kugeln noch weiteres Dekomaterial. Meine Tochter hingegen startet mit einem klaren Konzept. Sie weiss genau, welche Kugeln in welcher Kombination wohin gesteckt werden und füllt die Löcher mit Naturmaterialien. Meine Mutter wiederum deckt erst den Innenraum, dann wird um die Kerzen herum dekoriert und am Ende der Rest aufgefüllt.

Und das darf natürlich auch nicht fehlen

Sogar mein Mann hat sich über die Jahre von der Adventsstimmung anstecken lassen. Vor zwei Jahren erstand er die Lichterkette, die er fachmännisch mit Kabelbindern festbindet und am Ende der Saison sorgfältig wieder zusammenpackt. Er übernimmt auch das Anzünden aller Teelichter in der Wohnung.

Arbeiten und eigenes Geld verdienen (Migrationsportrait)

Gastautorin: Erona Abazi (Wahlfach Schreiben)

Einleitung

Für mein Migrationsportrait habe ich Maria, meine Nachbarin, als Interviewpartnerin gewählt. Ich wollte mehr über sie erfahren. Wir haben uns zwar immer miteinander unterhalten, aber ich habe sie nie nach ihrem Leben gefragt. Dank des Migrationsportraits lernte ich Maria richtig kennen.

Es hat mich sehr gefreut, dieses Interview mit Maria zu führen. Viele neue Dinge habe ich über sie erfahren. Ich habe viel über die Insel Madeira gelernt, beispielsweise, dass es dort sehr bunt ist und man viel Spass haben kann. Früher wusste ich praktisch nichts über Madeira, jetzt bin ich schon fast eine Expertin. In Zukunft will ich auch mal nach Madeira und die schöne Atmosphäre spüren.

Das Migrationsportrait ist eine Aufgabe des Projektunterrichts. fAm Anfang hielt ich es für keine gute Idee und dachte mir, dass ich es nie schaffen würde, fertig zu werden. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass es doch eine gute Idee ist, weil es uns für die Zukunft weiterhilft. In der Lehre müssen wir auch viele Arbeiten schreiben und das ist eine gute Vorbereitung. Mir hat es auch geholfen, dass ich in der Schule Zeit bekommen habe, daran zu arbeiten. Ich hatte manchmal ein bisschen Stress mit den Kapiteln, aber sonst ist es gut gelaufen.

Herkunft

Maria ist in Portugal auf einer Insel namens Madeira aufgewachsen. Madeira ist eine Insel im Atlantik, hat viele schöne Strände und die Menschen dort sind offen. Es ist auch eine beliebte Ferieninsel. Es gehen viele Touristen dorthin.

Madeira ist eine farbenfrohe Insel. Es gibt dort viele bunte Häuser mit Grafiken und Malereien. Dort herrscht meist mildes Wetter. Auf der Insel ist es sehr grün. Von Zürich bis nach Madeira sind es 2639 km. Mit dem Flugzeug dauert es vier Stunden.

Maria und ihre Familie haben in normalen Verhältnisse gelebt. Sie hatten genug Essen, Strom, Wasser und ein Haus zum Leben. Das hatten nicht alle Menschen in Madeira, manche hatten mehr Geld, die anderen weniger. Ihre Hobbys in Madeira waren Basketball, Volleyball und Handball spielen und auch schwimmen.

In Madeira hatte Maria keinen Job, weil sie keine Ausbildung hatte. Sie hat immer Geld von ihren Eltern bekommen. Das ist etwas, das ihr an Madeira nicht gefallen hat: Es gab praktisch keine Möglichkeiten, eine Ausbildung zu machen oder sich weiterzubilden und somit konnte man auch kein eigenes Geld verdienen.

Auf der Insel kann man viel Spass haben und dort herrscht eine schöne Atmosphäre. An Madeira gefiel ihr der Strand und der Duft des Strands. Am Strand fühlte sie sich immer sehr ruhig und ihr ganzer Stress war weg. Sie hat ihr Leben dort sehr genossen. Sie war mit Freunden feiern und hat auch viel mit ihnen unternommen, wie zum Beispiel Volleyball am Strand spielen oder picknicken.

Auch das Essen in Madeira mochte sie. Am liebsten ass sie Tomatensuppe mit Zwiebeln und Ei. Andere köstliche Gerichte wie zum Beispiel Espetada und Bolo de caco mochte sie ebenfalls.

Grund für die Auswanderung und Abreise

Maria wollte selbstständig sein und einen Job finden. In Madeira hat ihre Mutter meist für sie gekocht und den Haushalt gemacht, das wollte Maria selber machen. Sie wollte einen Neuanfang machen.

Maria wünschte sich, einen Job zu haben, ihr eigenes Geld verdienen, sie wollte eine Wohnung und genug zu essen haben. Zuerst wollte sie nach Jersey auswandern, aber dann wurde es doch die Schweiz. Nach Jersey wollte sie gehen, weil ihr Cousin dort lebte. Sie hat sich nicht entschieden in die Schweiz zu kommen, sondern es war ein Zufall.

Sie hat mir erzählt, dass sie mit ihrer besten Freundin unterwegs war und sie ein Plakat sahen. Darauf stand, dass eine Arbeit im Ausland angeboten würde. Es stand nicht, wo im Ausland, das hat sie erst bei ihrem Telefonat erfahren.

Maria und ihre Freundin haben sich angemeldet und mussten einen Test machen. Leider hat nur sie den Test bestanden und ihre beste Freundin nicht. Nach etwa einem Monat bekam sie ein Telefonat und sie konnte als Hotelfachfrau in den Kanton Uri reisen.

Als sie diese Nachricht erfahren hat, hat sie sich gefreut, aber sie hat es ihren Eltern nicht erzählt. Als es die Eltern dann erfahren haben, waren sie nicht begeistert. Die Freunde haben sich gefreut für sie, waren aber auch traurig. Sie hat sich trotzdem entschieden zu gehen. Es hat sie gestört, dass sie immer ihre Eltern nach Geld fragen musste. Sie wollte selbstständig leben, also wanderte sie aus.

Die letzten Tage vor der Abreise waren stressig. Sie musste noch fertig packen und wollte auch gleichzeitig die Tage mit ihrer Familie geniessen. Maria hat Kleider, Bilder von der Familie und ihre Toilettensachen eingepackt, mehr nicht.

Die Verabschiedung war traurig. In diesem Moment war sie auch traurig, dass sie die Menschen verlassen musste, die sie liebte. Aber sie war auch glücklich darüber, weil sie ein endlich eine Arbeit gefunden hatte.

Ankunft in der neuen Heimat

Maria flog mit dem Flugzeug nach Zürich. Sie ist im Sommer hierhergereist. Als sie in Zürich angekommen war, war sie ein bisschen geschockt, denn es war sauberer und kälter als in ihrer Heimat. Maria ist aus einer Stadt hierhergekommen und war sich gewohnt, bunte und grosse Häuser, viele Läden und Palmen zu sehen. Hier hat sie Bäume gesehen, die sie an Madeira erinnerten, weil es dort auch viel Grün gibt.

Sie lebte eine Zeit lang im Kanton Uri in einer dörflichen Umgebung. Das war sie nicht so gewohnt. Es war viel ruhiger als in Madeira. Es gab weniger Verkehr und nicht so viele Partys. Auch ist ihr aufgefallen, dass es hier mehr Regeln gibt, aber sie fühlte sich wohl. Etwas Neues für sie war beispielsweise die Krankenkasse.

Anfänglich fehlte ihr das Meer und die Menschen. Leider ist sie alleine hierhergekommen. Am Anfang machte ihr diese Tatsache ein bisschen Angst,  alleine in einem fremden Land und sie konnte nicht mal die Sprache. Sie hatte hier niemanden, keine Verwandte oder Freunde. Es war schon ein bisschen schwierig hier, alleine zu sein. Hätte sie Familie oder Freunde hier gehabt, hätte sie kommunizieren und nachfragen können, wenn sie etwas nicht verstanden hatte.

Integration in der Schweiz

Für Maria war es schwierig, die Sprache zu lernen. Während den ersten fünf Jahren hat sie in Uri in einem italienischen Hotel gearbeitet und dort hat sie dann Italienisch gelernt. Als sie dann in den Kanton Schwyz gezogen ist, arbeitete sie auch in einem Hotel.

Dort wurde aber vor allem Deutsch gesprochen und so hat sie mit der Zeit die Sprache gelernt. Auch Schweizerdeutsch verstand und sprach sie nach und nach dank ihren Arbeitskollegen und Kolleginnen.

Am Anfang hatte Maria Schwierigkeiten, so lange zu arbeiten, weil sie noch nie einen Job gehabt hatte und das ungewohnt für sie war. Jeden Tag vom Morgen bis am Abend arbeiten, das war hart. In der Schweiz geht es mehr um Business und Geld als in Portugal, dort geht es mehr darum, Spass zu haben und das Leben zu geniessen.

Sie hat viele Freunde gefunden, aber es hat am Ende dann meistens doch nicht gepasst. Mit zwei Freundinnen ist sie aber noch heute befreundet. In der Schweiz fühlt sie sich wohl. Sie hat sich an die Kultur der Schweiz gewöhnt, dass beispielsweise die Preise hier höher als in Portugal sind.

Bei der Integration hat ihr sicher auch geholfen, dass sie gut mit Menschen umgehen kann. Maria denkt auch immer mehr wie die Menschen in der Schweiz und hat ähnliche Meinungen wie sie. Was sie schlecht findet ist, dass hier die Läden früh schliessen. Positiv findet sie hier vieles, es sehr sauber hier und jeder hat die Chance zu erreichen, was er will.

Marias aktuelles Leben und Zukunftspläne

Maria kann sich nicht vorstellen, wieder nach Portugal zu ziehen. Sie hat sich zu sehr an das System der Schweiz gewöhnt. In die Ferien geht sie gerne nach Portugal, auch mit ihren Kindern, aber zum Leben nicht. Sie findet das Leben hier in der Schweiz besser. Dort in Portugal hat man praktisch keine Chancen, etwas Grosses zu erreichen, aber hier schon. Das System vom Leben ist hier viel einfacher als in Portugal und sie hat hier schon alles, ihr Leben ist hier.

In ein anderes Land zu ziehen, kann sich Maria hingegen schon vorstellen. Wenn ihr das Land gefällt und das System gut funktioniert, dann ja. Das Land, das sie sich am ehesten vorstellen könnte, ist die USA, genauer gesagt Florida. Wenn sie in Florida leben würde, wäre sie wieder am Meer und davon träumte sie schon als Kind. ,

Ihre Zukunftspläne sind es zu reisen. Sie will mehr von der Welt entdecken und andere Kulturen kennenlernen. Maria liebt es, neue Orte zu besuchen. Ihr Wunsch ist, es nach Paris, London, Ägypten und nach Amerika zu gehen. Ihr Wunsch ist aber auch, dass ihre Kinder eine gute Zukunft haben, dass sie hier in der Schweiz einen guten Job finden und ein selbstständiges und angenehmes Leben führen können.

Start in eine bessere Zukunft (Migrationsportrait)

Gastautorin: Lorika Reci (Wahlfach Schreiben)

Einleitung

Ich arbeite an dem Migrationsportrait, weil es ein Projekt der Schule ist, das mich sehr interessiert. Für das Interview musste ich eine Person finden, die über 20 Jahre ist und mit 20 (oder älter) in ein anderes Land migriert ist.

Regina ist die Mutter einer guten Freundin. Ich habe mich für sie entschieden, weil ich mich für sie und ihre Vergangenheit interessiere. Auch wollte ich mehr über das Land Portugal erfahren. Ich wusste bisher nur, wie es dort aussieht, aber nichts über die Menschen, die dort leben.

Damit ich die fünf Kapitel mit Inhalt füllen konnte, musste ich Fragen formulieren. Ich habe 25 Fragen für mein Interview vorbereitet. Während des Interviews habe ich viel mehr über Regina  erfahren, als ich erwartete hatte.

Bevor ich mit dem Schreiben des Migrationsportraits angefangen habe, dachte ich, dass es sehr schwierig und stressig werden würde und ich diese Aufgabe nicht befriedigend machen könnte. Ich habe mir auch Gedanken über meine Note gemacht, dass ich vielleicht eine schlechte Note bekomme oder dass ich die Arbeit nicht rechtzeitig abgeben kann.

Herkunft

Meine interviewte Person heisst Regina, sie lebte in einer kleinen Stadt (23,77 km²) namens Lisboa Amadora. Die Stadt liegt im Südwesten von Portugal. Die Bewohner spielen sehr gerne Fussball. Die Profi-Fussballmannschaft CF Estrela Amadora war und ist der bekannteste Sportverein der Stadt.

Sie hat sieben Geschwister und lebte mit ihnen und den Eltern. Ihr gefiel es, Teil einer grossen Familie zu sein, weil sie nie alleine war. Hatten ihre Freunde keine Zeit, konnte sie etwas mit ihren Geschwistern unternehmen.

Die Familie hat in einem alten Gebäude gelebt unter normalen Verhältnissen. Damit meine ich, dass sie weder arm und noch reich waren. Das Innere des Hauses war aus Holz. Sie hatten zwar keinen Garten, aber das war egal, denn neben ihrem Haus gab es einen Park. Nicht weit entfernt war das Meer und man konnte auch den Strand besuchen.

Ihr gefiel der Ort, in dem sie lebte, weil sie dort Freunde und Familie hatte, mit denen sie sehr viele schöne Momente erlebte.

Regina mochte das Stadtleben, weil sie viel mehr Orte hatte, wo sie mit ihren Freunden Zeit verbringen konnte. Auch war es in der Stadt einfacher, eine Arbeit zu finden. Sie hatte eine Freundin und Familie, die auf dem Land lebten und nahm wahr, wie schwierig es war,  dort eine Stelle zu finden. Auch hatte die Freundin nicht viele Orte, an denen sie mit ihren Freunden Zeit verbringen konnte.

Reginas Hobby war schon seit Kindheit, bei anderen Leuten Frisuren auszuprobieren. Dieses Hobby wurde zur Leidenschaft und sie übte es auch als Beruf aus. Eine Lehre machte sie nicht, da ihre Grossmutter ihr alles beigebracht hatte.

Grund für die Auswanderung und Abreise

Regina wollte eine bessere Zukunft haben und ein besseres Leben führen, weil sie in Portugal nicht genug Geld verdiente. Das Leben in Portugal war sehr anstrengend, da der Lohn als Kellnerin in einem Café sehr tief war. Sie wusste, dass man in der Schweiz als Kellnerin oder Coiffeuse mehr Geld verdienen konnte.

Wenn sie mal Kinder hätte, wollte sie ihnen das Studium bezahlen können. Ihr Bruder wohnte schon in der Schweiz, er hatte ihr vorgeschlagen, dass sie in die Schweiz ziehen solle und er ihr auch helfen könne, eine Arbeit zu finden. Da sie ihrem Bruder vertraute, der übrigens Vicki heisst, entschied sie sich für die Schweiz.

Sie musste eine Aufenthaltsbewilligung in der Wohngemeinde beantragen, damit sie sich nicht illegal in der Schweiz aufhielt. Dafür musste Regina ungefähr 150 CHF bezahlen. Es dauerte beinahe sechs Monate, bis sie die Bewilligung endlich gekriegt hat.

Die Familie reagierte grossartig auf ihre Pläne.  Sie haben sich darüber gefreut, dass Regina ein neues Leben anfangen konnte. Sie hat sich verabschiedet, in dem sie ihre Familie und Freunde besucht und ihnen auch ein Geschenk gebracht hat.

Der Abschied fiel ihr schwer, aber gleichzeitig hat sie sich auf ihr neues Leben gefreut. Regina war schon einmal in der Schweiz und wusste deshalb, was sie mitnehmen musste. Allerdings war sie sich nicht ganz sicher, weil sie nur zu Besuch hier gewesen war, deswegen fragte sie noch bei ihrem Bruder nach.

Ankunft in der Schweiz

Regina ist mit dem Flugzeug in die Schweiz gekommen. Der Flug dauerte zwei Stunden.

Der erste Eindruck von ihr war, dass es sehr sauber war, es gab keinen Müll oder Plastik auf den Strassen. Die Leute waren nett und höflich, sie haben ihr die Tür aufgehalten, haben sie angelächelt und sich immer bedankt. Alle begrüssten sich gegenseitig mit dem Wort ,,Grüezi”. Das erste Mal, als jemand sie so begrüsste, hörte es sich komisch an. Regina wusste nicht, was das bedeutete, also lächelte sie einfach höflich zurück.

Regina war sehr aufgeregt, weil sie nicht wusste, wie es ist, wenn man in der Schweiz lebt und sie kannte auch die Sprache nicht.

Der Unterschied zwischen Portugal und der Schweiz war sehr gross. In den Dörfern Portugals waren die Strassen eher kaputt und in der Schweiz waren alle Strassen neu und sauber. In Portugal gab es viele Hunde, die keine Besitzer hatten und einfach herumliefen, meistens hatten sie auch eine Krankheit (z.B. Tollwut, vielleicht hatten sie auch Zecken oder Flöhe). Deshalb durfte man sie nicht anfassen, weil die Krankheit vielleicht hätte übertragen werden können. Das gab es in der Schweiz nicht. Auch die Gebäude sahen neu und sauber aus, in Portugal sahen sie etwas älter aus.

Das Erste, was Regina nach ihrer Ankunft machte, war ihre Mutter anzurufen. Sie informierte sie, dass sie heil und gesund angekommen war. Danach ass sie etwas. Sie hat eine Pizza bestellt, die kostete 15 CHF und das Getränk 4.50 CHF. In Portugal kostete eine Pizza 5 Euro und ein Getränk vielleicht zwei Euro. Sie hat schnell festgestellt, dass die Schweiz sehr teuer war und auch immer noch ist, aber daran gewöhnte sie sich.

Einleben und Integration in der neuen Heimat

Regina war begeistert vom Essen. Sie liebt das Essen in der Schweiz, am meisten mag sie Raclette. Auch die Kultur gefiel ihr. Sie war begeistert von dem Alphorn, das sie zuvor nur auf Bildern im Internet gesehen hatte.

Es gab wirklich höfliche Leute, aber leider gab es auch einige, die arrogant und gemein waren, was Regina nervös gemacht hat. Sie haben sie komisch angeguckt oder haben sie ausgelacht, weil sie ein Wort nicht richtig aussprechen konnte. Regina war es gewohnt, hilfsbereit zu sein. Wenn jemand etwas runtergefallen ist, hat sie es aufgehoben oder sie hat den Leuten die Türe aufgehalten. Dafür bedankte sich hier niemand.

Die ersten Wochen in der Schweiz waren sehr langweilig für Regina. Sie war nur zu Hause, da sie noch keinen Job hatte. An den Wochenenden konnte sie etwas mit ihrem Bruder und seinen Freunden unternehmen, ins Hallenbad gehen, in den Zoo oder auch Clubs besuchen. Sie ging auch unter der Woche laufen oder joggen und die Landschaft sagte ihr sehr zu.

Da Regina schon vor ihrer Auswanderung einige Male in der Schweiz war, wusste sie schon, wie es in der Schweiz aussah. Aber es war trotzdem ein wenig anders als in ihrer Erinnerung, da einige Gebäude umgebaut worden waren, es gab neue Gebäude, neue Einkaufsläden und einige andere Orte sahen anders aus.

Regina hat eine App installiert, um Deutsch zu lernen. Ihr hat es wirklich geholfen, weil sie am Anfang nur ,,Danke’’ und ,,Bitte” sagen konnte. Jetzt lernte sie, ganze Sätze zu sagen. Auf dieser App gab es unterschiedliche Übungen. Es hatte beispielsweise ein Bild und sie musste das Verb darunter schreiben. Ihr Bruder hat ihr auch ein wenig geholfen, um Deutsch zu lernen, er hat Voci-Tests mit ihr gemacht.

Leben heute und Zukunftspläne

Regina fühlt sich wohl hier, weil sie einen guten Job hat, der ihr auch Spass macht. Sie arbeitet als Coiffeuse. Ihre Wohnung ist so eingerichtet, wie sie es möchte, sie wohnt ganz oben und hat eine 3-Zimmer-Wohnung. Der Balkon ist nicht offen, es hat Fenster, aber die kann sie natürlich aufmachen.

Regina hat eigentlich keine Schwierigkeiten hier ausser mit der Sprache, denn sie kann nicht fliessend Deutsch sprechen. Sie beherrscht die Sprache recht gut. Dennoch hat sie Schwierigkeiten bei der Aussprache einiger Wörter, wie zum Beispiel Eichhörnchen. Trotzdem kann sie sich gut mit anderen Menschen verständigen und unterhalten.

Regina hat immer noch die gleichen Hobbys wie in Portugal. Sie mag es weiterhin die Haare von Anderen zu schneiden, zu stylen (damit ist gemeint, dass sie Frisuren z.B. für eine Hochzeit macht) und zu färben. Sie hat sogar einen Salon eröffnet und arbeitet zusammen mit ihren Freunden, die sie in der Schweiz getroffen hat.

Regina hat auch Freunde und Familie hier, was mit ein Grund ist, weshalb sie sich wohl fühlt. Sie würde momentan nicht nach Portugal zurückziehen, weil sie sich an das Leben in der Schweiz gewöhnt hat.

Wenn sie in Rente ist, kann sie sich es aber vorstellen zurückzukehren. Regina sucht gerade nach einem Haus in Portugal, das sie kaufen möchte, um später dort zu leben. Sie besitzt bereits eine Wohnung, aber sie wollte schon immer ein Haus besitzen. Es wäre durchaus möglich, dass sie in Portugal einen Coiffeur-Salon oder ein Café eröffnet und mit ihrer Familie dort arbeitet.

Fazit

Mich hat es beeindruckt, dass Regina so offen über ihr Leben und ihre Erfahrungen erzählt hat. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht so einfach war, in ein anderes Land zu ziehen und in der Heimat alles zurückzulassen.

Mir imponierte, dass sie ihren Traumberuf auch in der Schweiz weiterführen und auch ihren eigenen Salon eröffnen konnte. Ebenfalls machte es mir Eindruck, dass sie die Sprache schon nach einem Jahr so gut beherrschte und sprechen konnte.

Meine Interviewvorbereitung hat sich gelohnt. Ich habe meinen Fragenkatalog ausgedruckt und habe die Fragen unterstrichen, bei denen ich noch genauer nachfragen musste, wie und warum es so ist oder für sie so ist. So konnte ich mehr Informationen kriegen.

Es braucht viel Geduld, um eine solche Arbeit zu schreiben. Man will unbedingt so schnell wie möglich fertig werden, aber dann muss man den Text noch coachen lassen und hat Fehler oder Lücken. Das bedeutet, man muss den Text überarbeiten. Das war manchmal nervend. Durch diese Arbeit habe ich aber gelernt, dass ich die Sätze genauer formuliere, damit ich die Kapitel nicht mehrmals überarbeiten muss.

Es kommen auch immer wieder Zweifel, ob man das überhaupt schafft und rechtzeitig mit dem Migrationsportrait fertig wird. Frau Rauber hat uns eine Woche vor dem Abgabetermin noch motiviert. Sie hat uns auch gesagt, wie wir die Kapitel einplanen und wann wir welche Kapitel schreiben sollten.

In der Einleitung beschrieb ich meine Befürchtungen und Ängste. Das Schreiben des Migrationsportraits war aber tatsächlich einfacher, als ich gedacht hatte. Natürlich ist es nicht sehr einfach, aber ich hatte es mir viel schwieriger vorgestellt. Ich habe mir wirklich zu viele Sorgen gemacht.

Ich bin stolz auf meine Arbeit, weil ich so ein grosses Projekt alleine geschrieben und gestaltet habe. Den Fragenkatalog und den Termin für das Interview habe ich selbständig vorbereitet und organisiert. Auch arbeitete ich immer motiviert an meinem Migrationsportrait. Jedes Kapitel habe ich zigmal durchgelesen, um möglichst keine Fehler zu haben.

Danken möchte ich Regina, weil sie sich immer Zeit genommen hat meine Fragen ausführlich zu beantworten und wenn ich mal was nicht verstanden habe, hat sie mir es genau erklärt.

 

Ungeplante Ereignisse (Migrationsportrait)

Gastautorin: Mariana Jimenez (Wahlfach Schreiben)

Einleitung

Ich schreibe dieses Migrationsportrait, um mich für die Berufswelt vorzubereiten. Am Ende meiner Lehre werde ich selbständig eine Vertiefungsarbeit schreiben müssen. Damit ich dann nicht in Panik ausbreche, weil ich nicht weiss, wie ich vorgehen soll, sammle ich jetzt bereits Erfahrungen, wie man bei einer solchen Arbeit vorgehen könnte.

Ich habe mich entschieden, für dieses Migrationsportrait meine Tante Marisol zu interviewen, weil ich nicht viel über sie weiss. Marisol habe ich das letzte Mal vor vier Jahren gesehen, als ich nach Norwegen ging, um sie und meinen Onkel Fermin zu besuchen. Ich wusste bereits, dass sie von Kolumbien nach Spanien ausgewandert war und schliesslich in Norwegen landete.

Als es in der Schule hiess, dass wir eine Person, die ausgewandert ist, interviewen müssen, fiel sie mir als erstes ein. Ich hatte noch nie mit ihr über ihre Auswanderung gesprochen und es interessierte mich, welche Gründe sie gehabt und was sie alles erlebt hatte.

Ich hatte das Glück, dass sie diesem Projekt zugesagt hat, denn ich war ganz gespannt, was ich alles über sie und ihr Leben erfahren würde.

Herkunft

Marisol ist Kolumbianerin, genauer gesagt stammt sie aus Barranquilla, einer Stadt, die an der karibischen Küste Kolumbiens liegt. Ihre Heimatstadt ist vom Atlantischen Ozean und auch vom Karibischen Ozean umgeben. Marisol hat sich jetzt an die Kälte gewöhnt und hat bemerkt, dass Barranquilla eine sehr warme Stadt ist, dort ist es immer Sommer wie auch in anderen Städten der Küste.

Barranquilla ist auch eine sehr touristische Stadt Kolumbiens und etwa eine Stunde im Auto von Cartagena entfernt. Von Barranquilla bis zu Cartagena fährt man an sehr vielen Stränden vorbei. Sie haben dort atemberaubende Strände und Flüsse, wie zum Beispiel den Magdalena Fluss.

Dort ist Marisol auf die Welt gekommen und auch mit ihrer Familie aufgewachsen, also mit ihren Eltern und ihren vier Brüdern. Sie waren zu fünft, vier Jungs und Marisol, das einzige Mädchen und dazu noch die jüngste. Sie muss sagen, dass sie in einem sehr liebevollen Haus aufgewachsen ist. Die Eltern von Marisol wollten, wie alle Eltern, nur das Beste für sie und ihre Brüder.

Als kleines Mädchen war sie sehr fleissig in der Schule und liebte es, Sport in ihrer Freizeit zu machen. Marisol spielte gerne Volleyball mit Freunden, ab und zu spielte sie mit ihren Brüdern Basketball und sie war in einem Pingpong-Verein in einer anderen Stadt. Viele Sportarten konnte Marisol in der Schule ausüben, weil sie für diese Sportarten eigene Felder hatten.

Die Stadt Barranquilla liegt ihr sehr am Herzen. Sie liebt die Kultur von dort und das Ausbildungssystem. Barranquilla ist sehr bekannt für seine Karnevale, sie sind sehr aufregend und erinnern sie an ihre Jugend. Vor 20 Jahren war Marisol das letzte Mal an einem Karneval. Sie wird immer emotional, wenn sie Videos oder Bilder davon sieht.

Das kolumbianische Essen liebt sie über alles. Der frittierte Fisch mit Yucca, die Arepas, Empanadas, das alles erinnert sie an ihre Kindheit. Könnte Marisol das jetzt essen, wäre es wie ein Festessen.

Die Leute aus Barranquilla, allgemein die Kolumbianer/innen sind sehr sozial, nett und hilfsbereit. Sie lieben es, wenn Touristen kommen und sie ansprechen. Du kannst jemand fragen, wo etwas ist, und sie würden dir, ohne zweifellos mit einer guten Antwort und einem Lächeln im Gesicht antworten. Natürlich gibt es, wie an allen Orten, auch weniger nette Personen, aber die Mehrheit der Leute sind sehr nett.

Natürlich hat jede Stadt ihre Vor- und Nachteile, dort gibt es sehr viele Verbrechen und eine hohe Kriminalitätsrate. Marisol hat Angst, ein Auto in Kolumbien zu fahren, da sehr viele Leute die Regeln nicht einhalten. Vor allem im Zentrum hat sie Angst, ausgeraubt zu werden.

Sie hat studiert und machte den Masterabschluss für Ausbildung. Danach hat Marisol mehrere Jahre als Direktorin in einer Schule gearbeitet. Später war sie für die Regierung tätig und leitete bis 2000 edukative Programme.

Grund für die Auswanderung

Marisol ging es sehr gut in Barranquilla. Sie hatte das Glück, gleich an zwei Universitäten Erfahrungen sammeln zu können. Es war jeweils nur am Samstag mit einem semi-präsentialen Programm. Von Montag bis Freitag arbeitete sie für die Regierung im Bildungssekretariat und am Abend einige Stunden an einer privaten Institution. Während 15 Jahren hat Marisol dort gearbeitet.

In dieser Zeit gab es ein Austauschprogramm unterstützt vom Spanischen Bildungsministerium, das drei Monate dauerte. Ausgebildete Erwachsenbildnerinnen hatten die Möglichkeit, in Spanien zu arbeiten. Um an diesem Programm teilzunehmen, musste man seinen Lebenslauf ans Ministerium von Kolumbien senden.

Marisol hat ihren Lebenslauf zusammen mit demjenigen ihres heutigen Mannes geschickt, der ihr sehr viel geholfen hat. Es sind mehr als 400 Bewerbungen für die zwei Stellen beim Ministerium eingegangen. Gottseidank wurde Marisol ausgewählt, um Kolumbien in der Ausbildung von Erwachsenen in Spanien zu repräsentieren.

Die Eltern von Marisol waren traurig, dass sie gehen wollte, aber auch sehr stolz auf sie, dass sie etwas so Grosses in ihrem Leben erreicht hatte. Ihre Freunde standen unter Schock und waren auch traurig, als sie erfuhren, dass Marisol nicht mehr in Kolumbien leben würde. Marisol tröstete sie und sagte, dass sie in drei bis vier Monaten wieder zurück sein werde, doch als Marisol schwanger wurde, änderte sich alles.

Es war hart für sie Kolumbien zu verlassen, da sie ihr ganzes Leben dort verbracht hatte und nichts anderes als dieses Land kannte. Sie wollte ihre Familie nahe bei sich haben. Sie wechselte ja nicht nur das Land, sondern auch den Kontinent. Zum Glück hatte Marisol Verwandte, die bereits in Spanien lebten: einen Cousin, eine Nichte mit ihrem Ehemann und ihren Bruder, der mit seiner Frau in Madrid war.

Das Austauschprogram übernahm alle Kosten, zum Beispiel die Flugtickets, die Versorgung und vieles mehr. Selbstverständlich war sie überrascht, dass sie wirklich alle Kosten übernahmen und sie wirklich gar nichts bezahlen musste, nicht einmal die Wohnung, in der sie für diese drei Monate wohnen würde.

Ankunft in Spanien und erneute Abreise

Marisol ging zusammen mit ihrem Ehemann nach Spanien. Sie hätten gerne ein Kind gehabt, aber Marisol konnte nicht schwanger werden. In Kolumbien war sie mehrere Monate in ärztlicher Behandlung, aber sie wurde einfach nicht schwanger.

Doch als Marisol in Spanien lebte und die verschiedenen Städte kennen lernte, wurde sie von einem Moment auf den anderen schwanger. Ihr Gynäkologe in Kolumbien sagte, dass sie nicht reisen durfte, weil sie eine Risikoschwangerschaft hatte. Marisol hat den Austausch abgeschlossen, musste jedoch wegen ihrer Schwangerschaft in Spanien bleiben.

Ihr Sohn ist in Valencia, Spanien, auf die Welt gekommen und heute 19 Jahre alt. Während dem ersten Jahr fiel ihr auf, dass Spanien sicherer war, eine bessere Lebensqualität hatte und ihrem Sohn eine bessere Zukunft bieten konnte, als es in Kolumbien möglich war. Deshalb beschlossen Marisol und Fermin nicht mehr nach Kolumbien zurückzukehren.

Als Einwanderer hat man eine schwere Zeit und man muss sehr viel arbeiten. Zum Beispiel muss man eine neue Arbeit finden, den neuen Wohnort kennenlernen, verstehen, wie der Öffentliche Verkehr funktioniert und eventuell noch die neue Sprache lernen, falls man in ein fremdsprachiges Land einwandert. Doch wenn man etwas wirklich will, kann man es auch schaffen.

Nach fünf Jahre in Spanien führte Marisol mit ihrem Mann während sieben Jahren zwei eigene Geschäfte. Sie ermöglichte den Kunden, Geld ins Ausland zu senden und das andere, das ihr Mann führte, hatte etwas mit Informatik zu tun, doch Marisol erinnert sich nicht mehr genau daran. Sie haben Einheimische und Immigranten in den Geschäften bedient.

Zwischen 2006-2008 gab es eine Wirtschaftskrise in Spanien. Gerade noch rechtzeitig konnten sie Geschäfte verkaufen. Dann begannen sie, neue Möglichkeiten zu suchen. Es bot sich ihnen die Gelegenheit, nach Norwegen zu ziehen.

Kolumbianische Freunde, die auch in Spanien gewohnt hatten, waren bereits nach Norwegen ausgewandert, da es in Norwegen keine Krise dafür aber viele Arbeitsstellen gab. Norwegen ist es ein sehr geordnetes Land. Während einem Jahr waren Marisol und ihr Ehemann getrennt. Marisol lebte noch in Valencia und er in Oslo. Doch als er eine Arbeit in Norwegen gefunden hatte, zog sie zu ihm.

Ankunft in der definitiven Heimat

Als Marisol in Norwegen ankam, konnte sie kein bisschen Norwegisch, doch Fermin nahm an Kursen teil, um die Sprache zu lernen. Er lernte am Morgen und ging dann am Abend arbeiten.

Es ist ein Problem, wenn man die Sprache nicht beherrscht, die in dem Land gesprochen wird, in dem man wohnt. Es ist wirklich ein Problem, wenn man nicht fragen kann, wohin ein Tram fährt oder im Supermarkt nicht fragen kann, wie viel etwas kostet oder wo was ist.

Marisols erster Eindruck von Norwegen war, dass es in diesem Land sehr kalt ist. Klar, sie ist an die Wärme gewöhnt, weil sie aus Kolumbien stammt und in Valencia wohnte, wo es auch warm ist. In Valencia hat es nie geschneit, doch in Norwegen schon. Die Änderung war gewaltig, doch mit der Zeit gewöhnte sich Marisol daran. Das Klima war ihr erstes Problem in Norwegen und ist immer noch ein Problem für sie.

Als sie frisch angekommen waren, gab es ein Programm für Kleinkinder, die nicht Norwegisch als Muttersprache hatten. Sie gingen nicht in eine normale Schule, sondern in eine spezielle, um die Sprache und die Kultur zu lernen. Es war für die Kinder obligatorisch, daran teilzunehmen.

Als Marisols Sohn Samuel vier Jahre alt war, konnte er bereits in den Kindergarten gehen. Ein Jahr, nachdem er dem Kindergarten beigetreten war, konnte Samuel schon recht gut auf Norwegisch kommunizieren.

Die zweite Sprache, die in Norwegen gesprochen wird, ist Englisch. Marisol beherrschte Englisch, deswegen hatte sie keine Schwierigkeiten mit den Leuten dort zu sprechen und zu kommunizieren. Sie hat das Norwegisch auf der Seite gelassen und hatte es nicht eilig, diese Sprache zu lernen. Das war rückblickend nicht sehr schlau von ihr, sie hätte gleich mit den Norwegisch-Kursen anfangen sollen.

Das Essen war ein grosses Thema für Marisol, es gab sehr gutes Essen in Spanien, aber die Unterschiede zwischen dem Essen in Kolumbien und Spanien zu Norwegen waren riesengross. In Norwegen fand sie kein einziges lateinamerikanisches Restaurant und nur wenige spanische Restaurants, was ein Schock für sie war.

Einleben und Integration in Norwegen

Marisol hat sich daran gewöhnt, zuhause so oft wie möglich kolumbianisches Essen zu kochen, um ein Stück Heimat nahe bei ihr zu haben. Es war nicht wirklich einfach, kolumbianische Produkte in Norwegen zu finden, deshalb bekam sie das meiste von ihrer Familie in Kolumbien geschickt oder sie bestellte die Lebensmittel per Amazon.

Es ist wichtig, sich als Immigrant zu integrieren und die Änderungen zu akzeptieren und sie auch zu respektieren. Marisol brauchte eine Weile, um die Gesetze und Regeln einzuhalten. Zum Beispiel musste sie sich bereits früh am Abend ruhig verhalten, weil die anderen schlafen wollten. In Kolumbien war es völlig egal, wann Nachtruhe herrschte, die Leute waren so lange laut, bis sie schlafen gingen.

Marisol half Fermin mit der Arbeit. Er hatte sehr viel Arbeit, vor allem beim technischen Teil von Häusern und Büros. Er tauschte die Kabel aus, wenn es nötig war und Marisol reinigte dann das Gebäude.

Sie fing mit einer Arbeit an, bei der sie Schülern der Unter- und Oberstufe Spanisch beibrachte. Die Kinder können Spanisch als Wahlfach in der Schule wählen. Das ist ein beliebtes Wahlfach, weil die Norweger gerne in den Ferien nach Spanien reisen. Vor der Quarantäne hatte Marisol fast zehn Schüler und Schülerinnen und als die Pandemie angefangen hat, machte sie Fernunterricht. Aber sie weiss nicht, wann wieder normaler Unterricht stattfinden wird.

Marisol hatte Schwierigkeiten mit dem norwegischen Geld umzugehen. Anfangs rechnete sie immer in Euros um, doch mit der Zeit hielt sie das nicht mehr für nötig. 200 Kronen entsprechen etwa 20 Euro. Marisol hatte keine grossen Schwierigkeiten, sich einzuleben und fühlte sich in kurzer Zeit wohl in Norwegen.

Das Leben heute und Zukunftspläne

Marisol ist jetzt keine Jugendliche mehr, sondern eine etwas ältere Frau. Sie spielt in ihrer Freizeit nicht mehr Volleyball oder Basketball, sondern macht Zumba mit einer Freundin, die das auch unterrichtet. Marisol läuft auch sehr viel, sie geht gerne auf Spaziergänge.

Sie hat nicht viele Freundinnen in Norwegen, Marisol ist meistens mit Fermin unterwegs und trifft sich selten mit anderen Menschen. Eine Freundin wohnt in Dramen, das ist eine Stunde von Oslo entfernt. Die beiden kennen sich seit etwa 20 Jahren und früher besuchten sie sich regelmässig. Wegen Corona ist das leider nicht mehr möglich, sie sehen sich nur noch etwa alle sieben Monate. In Norwegen ist Marisol also eigentlich allein. In Spanien hatte sie genügend Freundinnen, die auch mit ihr zusammenarbeiteten. Das vermisst Marisol sehr.

Marisol mag Oslo sehr, sie wohnt in einem ruhigen Viertel. Wenn sie in das Zentrum der Stadt geht, sieht sie viele Menschen und das schenkt der Stadt Leben. Marisol geht mit ihrem Sohn und ihr Ehemann gern in die Stadt, um in Restaurants zu essen. Meist sucht Samuel die Restaurants aus, da er viel öfters in der Stadt essen geht als seine Eltern. Normalerweise rufen sie sich an und treffen sich dann in der Nähe des ausgesuchten Restaurants.

Sonst ist Marisol in ihrer Freizeit zuhause. Sie mag es nicht draussen zu sein, wenn es kalt ist. Sie geht raus, erledigt ihre Sachen und kehrt dann so schnell wie möglich nachhause zurück, wo es schön warm ist.

Als Marisol in Kolumbien wohnte, mochte sie Dekorationen, doch jetzt mag sie sie noch viel mehr. In Norwegen wird es schnell dunkel, um 16 Uhr ist es schon Abend und das während mehreren Monaten. Wenn Marisol die Gelegenheit hat, kauft sie Dekorationen für ihr Haus. Sie liebt es, unterschiedliche Gegenstände für die verschiedenen Jahreszeiten zu haben und verbringt gerne Zeit damit, Zeitschriften zu durchforsten und Neues zu markieren.

Marisol fühlt sich wohl, wenn sie nach Kolumbien reist. Natürlich, weil sie Zeit mit ihrer Familie und Freunde verbringen kann. Das Essen wird frisch zubereitet und sie kann essen, was sie will. Doch es ist nicht mehr das Gleiche.

Ihre beste Freundin, die sie vor 20 Jahren in Kolumbien zurückgelassen hat, ist jetzt verheiratet und hat ihre eigene Familie gegründet. Sie teilen nicht mehr die gleichen Hobbys wie früher. Die Freunde, die Marisol zurückgelassen hat, haben sich verändert und würden wohl nicht mehr ihre Freunde werden. Auch die eigene Familie ist anders. Sie sind beschäftigt und haben nicht mehr wirklich Zeit für die Besucherin. Manchmal fühlt sie sich in ihrem eigenen Heimatland wie eine Ausländerin.

Marisol ist sich nicht mehr an das Leben in Kolumbien gewöhnt. In Norwegen kann sie ohne Angst mit jemanden auf der Strasse telefonieren und Geld in der Tasche haben, ohne Angst haben zu müssen, dass sie überfallen wird. Doch in Kolumbien ist das nicht möglich.

Marisol sieht sich jedoch in fünf Jahren in Spanien, nochmals in Valencia mit Fermin, um dort ihre letzten Jahre zu geniessen.

Fazit

Ich dachte, dass mir das Schreiben dieser Arbeit schwerer fallen würde, als es tatsächlich war.

Das Schreiben ist mir am Anfang nicht leichtgefallen, da ich keine Idee hatte, was und wie ich schreiben sollte. Ich dachte, dass das Migrationsportrait eine reinste Katastrophe wird, da ich das Interview auf Spanisch führte und dann die einzelnen Sätze auf Deutsch übersetzen musste. Obwohl Spanisch meine Muttersprache ist, musste ich mehrere Wörter mit Hilfe meiner Mutter und verschiedenen Online-Übersetzer nachschlagen. Das war ein grosser Aufwand, nächstes Mal würde ich eine Person suchen, die Deutsch spricht.

Mit der Zeit kam ich dann in den Rhythmus und schrieb von alleine viel mehr als gedacht. Ich bin wirklich froh, dass wir eine Anleitung bekommen haben, um einen besseren Überblick über den Auftrag zu haben. Ohne dieser Anleitung wäre ich in den Stress gekommen und hätte die Kapitel nicht mit Sorgfalt geschrieben.

Wenn ich nächstes Mal eine schriftliche Arbeit abgeben muss, werde ich meine Abschnitte oder in diesem Falle Kapitel direkt nach dem Schreiben coachen lassen und nicht so lange abwarten, wie ich es jetzt tat.

Es hat mich beeindruckt, dass Marisol ein Jahr warten musste, um nach Norwegen zu gehen. Es war sicher hart für sie, so lange mit dieser grossen Distanz von ihrem Ehemann getrennt zu sein. Ich hätte das nicht aushalten können.

Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich drangeblieben bin und nicht schnell aufgegeben habe, denn so einen Bericht zu schreiben, ist nicht einfach. Mit dem Resultat bin ich absolut zufrieden.