12 von 12 im Dezember 2021

Bereits steht das letzte „12 von 12“ in diesem Jahr an. Da ich mich nicht aus dem Haus bewegte, steht dieser Rückblick ganz unter einem einzigen Thema, der Adventszeit. Ich verbinde diese Zeit mit vielen Erinnerungen und Traditionen. Und wenn wir am Abend alle Kerzen und Teelichter anzünden, dann verbreiten diese eine heimelige und warme Stimmung.

Diesen Monat werde ich zu jedem Bild die dazugehörige Geschichte erzählen. Die Adventszeit ist für mich die Zeit der Anekdoten 🙂 .

Danke an Caro von Draussennurkännchen, welche die 12 von 12 der Bloger:innen-Szene sammelt und uns so auch im Dezember Einblicke in die unterschiedlichen Lebensweisen ermöglicht.

Divali und Martininacht

Ende Jahr werden in vielen Kulturen auf der ganzen Welt Lichterfest gefeiert. Meine Schüler:innen haben sich mit diesen Traditionen auseinandergesetzt und uns als Gruppe viel Wissenswertes vermittelt.

Während der Woche der Religionen besuchten wir einen Workshop „Basteln von Laternen zum Diwalifest und Martinifest“. In der Ausschreibung stand allerdings nicht, dass der Fokus der Bastelarbeit auf kleinere Kinder bis ca. 10 Jahren lag. Das hinderte meine coolen 15-Jährigen jedoch in keinster Weise, eine Zeitreise in ihre Kindheit zu machen und voller Enthusiasmus leere Gläser zu bekleben und zu dekorieren.

Eines der entstandenen Produkte wurde mir geschenkt 🙂

Christrosen

Die Christrose ist eine Pflanze, die mich schon immer faszinierte. Sie blüht in der kältesten Jahreszeit, trotzt Schnee, Wind und Regen und ist genügsam. Mit ihren weissen Blüten wirkt sie edel und rein.

Durch ihren Namen ist sie eindeutig mit der Adventszeit verbunden. Er soll auf folgende Geschichte zurückgehen: Die Hirten waren auf dem Weg nach Bethlehem und freuten sich darauf, dem zukünftigen König ihre Geschenke zu überbringen. Einer von ihnen war jedoch sehr traurig, da er nichts besass, dass er dem Jesuskind hätte schenken können. Er weinte still vor sich hin. Als die Tränen zu Boden fielen, wuchsen daraus wunderschöne, weisse Blumen, schön wie Rosen.

Das Adventsgesicht

Ein sternförmiger Türschmuck unterstreicht die Magie der Adventszeit. Vor einigen Jahren haben wir diesen besonderen an einer Weihnachtsausstellung in unserem Lieblingsblumengeschäft entdeckt. Seitdem begleitet uns das gutmütige Adventsgesicht durch die besinnlichen Tage.

Mr. Moose

Es gibt eine ganz spezielle Adventsgeschichte, die ich mir alljährlich anhöre. Inzwischen wurde sie auch verfilmt, aber ich mag es, mir die Geschichte anzuhören und mir meine eigenen Bilder dazu vorzustellen.

Andreas Steinhöfel erzählt in seinem Kinderbuch „Es ist ein Elch entsprungen“ die Abenteuer des kleinen Bertil Wagner. Während des Adventssingens mit seiner besserwisserischen Schwester Kiki und seiner Mutter kracht ein Elch durchs Dach, landet auf dem Esszimmertisch (Sören aus der IKEA) und pulverisiert Grossmutters Weihnachtsplätzchen. Aber das ist nur der Anfang der unglaublichen Geschichte. Denn wer würde schon an sprechende Elche, Testfahrten für den Weihnachtsmann und Santaclaus in der Klapse glauben?

Da meine Familie natürlich nicht von meinen Vorlieben verschont blieb, schenkten sie mir zum Geburtstag einen Türschmuck – mit Mr. Moose und in den Farben orange-rot gehalten.

Apropos Geburtstagsgeschenk

Auf der Suche nach geeigneten Fotosujets in der Wohnung fiel mein Blick in ein Regal meines Mannes. Und was sah ich da? Ein kleines, hübsches Päckchen <3 . Wer weiss, vielleicht mag ich die Adventszeit auch, weil in diese Zeit mein Geburtstag fällt? Ich bin jedenfalls gespannt wie ein Flitzebogen, ob es am Dienstag auf meinem Gabentisch liegen wird.

Weihnachtsstern

Meine Tochter hasst ihn, meine Mutter findet ihn mühsam, weil er nicht freiwillig aus dem Leben scheiden will und ich … Na ja, der Weihnachtsstern erinnert mich an meine Grossmutter. Ich kann nicht sagen, ob er mir gefällt oder nicht. Er löst angenehme Gefühle und Erinnerungen aus. Und aus diesem Grunde hat diese ursprünglich aus Süd- und Mittelamerika stammende Pflanze ihren festen Platz in meiner Adventszeit.

Weihnachtsmann

Mir ist die Figur des Weihnachtsmanns fremd (ausser Santaclaus bei Mr. Moose). Ich kann wirklich nichts mit ihm und seinen Geschichten anfangen. Aber dieser Weihnachtsmann auf dem Foto besuchte uns regelmässig vor Weihnachten. Ursprünglich war er eine Dekoration auf einem Weihnachtsgeschenk, das unsere Tochter erhalten hatte. Und sie entschied als kleines Mädchen, dass er bei uns bleiben müsse, weil er sich sonst so einsam fühle.

Maria mit dem Jesuskind

Zu unseren Adventsdekorationen gehört auch die Krippe. Meine Mutter hat sämtliche Krippenfiguren selbst gemacht und sie wurde regelmässig in meinem Elternhaus aufgestellt. Maria hält das Jesuskind mit den schönen, dichten, schwarzen Haaren ganz fürsorglich in ihren Armen.

Unsere Katze hielt die Krippenfiguren jedoch für spezielles Spielzeug, das wir nur zu ihrem Vergnügen hingestellt hatten. Die armen Schafe wurden herumgestossen, in andere Zimmer geschleppt und dort liegen gelassen. Am meisten hatte es ihr jedoch das Jesuskind, beziehungsweise dessen schöne Haarpracht angetan. Jahr für Jahr wurde das arme Baby skalpiert und erhielt im neuen Jahr wieder eine neue Perücke.

Weihnachtsbaum

Weihnachten wird bei uns mindestens dreimal zelebriert. Bei meinen Eltern, bei meinen Schwiegereltern und dann natürlich auch noch bei uns zu Hause. Einen eigenen Weihnachtsbaum hatten wir jedoch nie. Wobei das stimmt nicht ganz. Anfänglich kaufte ich jeweils einen kleinen Weihnachtsbaum, der nach Weihnachten in den Garten meiner Eltern gepflanzt wurde. Allerdings fanden sie irgendwann, dass sie auch Freude an anderen Pflanzen hätten …

Damit unsere Tochter trotzdem nicht auf ihren Weihnachtsbaum verzichten musste, kaufte mein Vater ihr vor knapp 20 Jahren einen kleinen, künstlichen. Seitdem wird er jedes Jahr aufgestellt und von ihr geschmückt. Die Kugel hat sie sich über die Jahre zusammengespart und -gekauft.

Adventskranz

Seit ich mich erinnern kann, machen wir am Samstag vor dem 1. Advent zusammen mit meiner Mutter Adventskränze. In den letzten Jahren bestand der feste Kern dieser kreativen Tätigkeit aus meiner Mutter, meiner Tochter und mir, manchmal stiessen auch noch Freundinnen dazu. Ich liebe diese Tradition. Die Adventskränze spiegeln die Persönlichkeiten ihrer Gestalterinnen wider.

Ich arbeite mit dem Material, das mir gerade in die Finger kommt, stopfe Löcher, lasse es wild und ungestüm wachsen. Ich verwende weder Kugeln noch weiteres Dekomaterial. Meine Tochter hingegen startet mit einem klaren Konzept. Sie weiss genau, welche Kugeln in welcher Kombination wohin gesteckt werden und füllt die Löcher mit Naturmaterialien. Meine Mutter wiederum deckt erst den Innenraum, dann wird um die Kerzen herum dekoriert und am Ende der Rest aufgefüllt.

Und das darf natürlich auch nicht fehlen

Sogar mein Mann hat sich über die Jahre von der Adventsstimmung anstecken lassen. Vor zwei Jahren erstand er die Lichterkette, die er fachmännisch mit Kabelbindern festbindet und am Ende der Saison sorgfältig wieder zusammenpackt. Er übernimmt auch das Anzünden aller Teelichter in der Wohnung.

Arbeiten und eigenes Geld verdienen (Migrationsportrait)

Gastautorin: Erona Abazi (Wahlfach Schreiben)

Einleitung

Für mein Migrationsportrait habe ich Maria, meine Nachbarin, als Interviewpartnerin gewählt. Ich wollte mehr über sie erfahren. Wir haben uns zwar immer miteinander unterhalten, aber ich habe sie nie nach ihrem Leben gefragt. Dank des Migrationsportraits lernte ich Maria richtig kennen.

Es hat mich sehr gefreut, dieses Interview mit Maria zu führen. Viele neue Dinge habe ich über sie erfahren. Ich habe viel über die Insel Madeira gelernt, beispielsweise, dass es dort sehr bunt ist und man viel Spass haben kann. Früher wusste ich praktisch nichts über Madeira, jetzt bin ich schon fast eine Expertin. In Zukunft will ich auch mal nach Madeira und die schöne Atmosphäre spüren.

Das Migrationsportrait ist eine Aufgabe des Projektunterrichts. fAm Anfang hielt ich es für keine gute Idee und dachte mir, dass ich es nie schaffen würde, fertig zu werden. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass es doch eine gute Idee ist, weil es uns für die Zukunft weiterhilft. In der Lehre müssen wir auch viele Arbeiten schreiben und das ist eine gute Vorbereitung. Mir hat es auch geholfen, dass ich in der Schule Zeit bekommen habe, daran zu arbeiten. Ich hatte manchmal ein bisschen Stress mit den Kapiteln, aber sonst ist es gut gelaufen.

Herkunft

Maria ist in Portugal auf einer Insel namens Madeira aufgewachsen. Madeira ist eine Insel im Atlantik, hat viele schöne Strände und die Menschen dort sind offen. Es ist auch eine beliebte Ferieninsel. Es gehen viele Touristen dorthin.

Madeira ist eine farbenfrohe Insel. Es gibt dort viele bunte Häuser mit Grafiken und Malereien. Dort herrscht meist mildes Wetter. Auf der Insel ist es sehr grün. Von Zürich bis nach Madeira sind es 2639 km. Mit dem Flugzeug dauert es vier Stunden.

Maria und ihre Familie haben in normalen Verhältnisse gelebt. Sie hatten genug Essen, Strom, Wasser und ein Haus zum Leben. Das hatten nicht alle Menschen in Madeira, manche hatten mehr Geld, die anderen weniger. Ihre Hobbys in Madeira waren Basketball, Volleyball und Handball spielen und auch schwimmen.

In Madeira hatte Maria keinen Job, weil sie keine Ausbildung hatte. Sie hat immer Geld von ihren Eltern bekommen. Das ist etwas, das ihr an Madeira nicht gefallen hat: Es gab praktisch keine Möglichkeiten, eine Ausbildung zu machen oder sich weiterzubilden und somit konnte man auch kein eigenes Geld verdienen.

Auf der Insel kann man viel Spass haben und dort herrscht eine schöne Atmosphäre. An Madeira gefiel ihr der Strand und der Duft des Strands. Am Strand fühlte sie sich immer sehr ruhig und ihr ganzer Stress war weg. Sie hat ihr Leben dort sehr genossen. Sie war mit Freunden feiern und hat auch viel mit ihnen unternommen, wie zum Beispiel Volleyball am Strand spielen oder picknicken.

Auch das Essen in Madeira mochte sie. Am liebsten ass sie Tomatensuppe mit Zwiebeln und Ei. Andere köstliche Gerichte wie zum Beispiel Espetada und Bolo de caco mochte sie ebenfalls.

Grund für die Auswanderung und Abreise

Maria wollte selbstständig sein und einen Job finden. In Madeira hat ihre Mutter meist für sie gekocht und den Haushalt gemacht, das wollte Maria selber machen. Sie wollte einen Neuanfang machen.

Maria wünschte sich, einen Job zu haben, ihr eigenes Geld verdienen, sie wollte eine Wohnung und genug zu essen haben. Zuerst wollte sie nach Jersey auswandern, aber dann wurde es doch die Schweiz. Nach Jersey wollte sie gehen, weil ihr Cousin dort lebte. Sie hat sich nicht entschieden in die Schweiz zu kommen, sondern es war ein Zufall.

Sie hat mir erzählt, dass sie mit ihrer besten Freundin unterwegs war und sie ein Plakat sahen. Darauf stand, dass eine Arbeit im Ausland angeboten würde. Es stand nicht, wo im Ausland, das hat sie erst bei ihrem Telefonat erfahren.

Maria und ihre Freundin haben sich angemeldet und mussten einen Test machen. Leider hat nur sie den Test bestanden und ihre beste Freundin nicht. Nach etwa einem Monat bekam sie ein Telefonat und sie konnte als Hotelfachfrau in den Kanton Uri reisen.

Als sie diese Nachricht erfahren hat, hat sie sich gefreut, aber sie hat es ihren Eltern nicht erzählt. Als es die Eltern dann erfahren haben, waren sie nicht begeistert. Die Freunde haben sich gefreut für sie, waren aber auch traurig. Sie hat sich trotzdem entschieden zu gehen. Es hat sie gestört, dass sie immer ihre Eltern nach Geld fragen musste. Sie wollte selbstständig leben, also wanderte sie aus.

Die letzten Tage vor der Abreise waren stressig. Sie musste noch fertig packen und wollte auch gleichzeitig die Tage mit ihrer Familie geniessen. Maria hat Kleider, Bilder von der Familie und ihre Toilettensachen eingepackt, mehr nicht.

Die Verabschiedung war traurig. In diesem Moment war sie auch traurig, dass sie die Menschen verlassen musste, die sie liebte. Aber sie war auch glücklich darüber, weil sie ein endlich eine Arbeit gefunden hatte.

Ankunft in der neuen Heimat

Maria flog mit dem Flugzeug nach Zürich. Sie ist im Sommer hierhergereist. Als sie in Zürich angekommen war, war sie ein bisschen geschockt, denn es war sauberer und kälter als in ihrer Heimat. Maria ist aus einer Stadt hierhergekommen und war sich gewohnt, bunte und grosse Häuser, viele Läden und Palmen zu sehen. Hier hat sie Bäume gesehen, die sie an Madeira erinnerten, weil es dort auch viel Grün gibt.

Sie lebte eine Zeit lang im Kanton Uri in einer dörflichen Umgebung. Das war sie nicht so gewohnt. Es war viel ruhiger als in Madeira. Es gab weniger Verkehr und nicht so viele Partys. Auch ist ihr aufgefallen, dass es hier mehr Regeln gibt, aber sie fühlte sich wohl. Etwas Neues für sie war beispielsweise die Krankenkasse.

Anfänglich fehlte ihr das Meer und die Menschen. Leider ist sie alleine hierhergekommen. Am Anfang machte ihr diese Tatsache ein bisschen Angst,  alleine in einem fremden Land und sie konnte nicht mal die Sprache. Sie hatte hier niemanden, keine Verwandte oder Freunde. Es war schon ein bisschen schwierig hier, alleine zu sein. Hätte sie Familie oder Freunde hier gehabt, hätte sie kommunizieren und nachfragen können, wenn sie etwas nicht verstanden hatte.

Integration in der Schweiz

Für Maria war es schwierig, die Sprache zu lernen. Während den ersten fünf Jahren hat sie in Uri in einem italienischen Hotel gearbeitet und dort hat sie dann Italienisch gelernt. Als sie dann in den Kanton Schwyz gezogen ist, arbeitete sie auch in einem Hotel.

Dort wurde aber vor allem Deutsch gesprochen und so hat sie mit der Zeit die Sprache gelernt. Auch Schweizerdeutsch verstand und sprach sie nach und nach dank ihren Arbeitskollegen und Kolleginnen.

Am Anfang hatte Maria Schwierigkeiten, so lange zu arbeiten, weil sie noch nie einen Job gehabt hatte und das ungewohnt für sie war. Jeden Tag vom Morgen bis am Abend arbeiten, das war hart. In der Schweiz geht es mehr um Business und Geld als in Portugal, dort geht es mehr darum, Spass zu haben und das Leben zu geniessen.

Sie hat viele Freunde gefunden, aber es hat am Ende dann meistens doch nicht gepasst. Mit zwei Freundinnen ist sie aber noch heute befreundet. In der Schweiz fühlt sie sich wohl. Sie hat sich an die Kultur der Schweiz gewöhnt, dass beispielsweise die Preise hier höher als in Portugal sind.

Bei der Integration hat ihr sicher auch geholfen, dass sie gut mit Menschen umgehen kann. Maria denkt auch immer mehr wie die Menschen in der Schweiz und hat ähnliche Meinungen wie sie. Was sie schlecht findet ist, dass hier die Läden früh schliessen. Positiv findet sie hier vieles, es sehr sauber hier und jeder hat die Chance zu erreichen, was er will.

Marias aktuelles Leben und Zukunftspläne

Maria kann sich nicht vorstellen, wieder nach Portugal zu ziehen. Sie hat sich zu sehr an das System der Schweiz gewöhnt. In die Ferien geht sie gerne nach Portugal, auch mit ihren Kindern, aber zum Leben nicht. Sie findet das Leben hier in der Schweiz besser. Dort in Portugal hat man praktisch keine Chancen, etwas Grosses zu erreichen, aber hier schon. Das System vom Leben ist hier viel einfacher als in Portugal und sie hat hier schon alles, ihr Leben ist hier.

In ein anderes Land zu ziehen, kann sich Maria hingegen schon vorstellen. Wenn ihr das Land gefällt und das System gut funktioniert, dann ja. Das Land, das sie sich am ehesten vorstellen könnte, ist die USA, genauer gesagt Florida. Wenn sie in Florida leben würde, wäre sie wieder am Meer und davon träumte sie schon als Kind. ,

Ihre Zukunftspläne sind es zu reisen. Sie will mehr von der Welt entdecken und andere Kulturen kennenlernen. Maria liebt es, neue Orte zu besuchen. Ihr Wunsch ist, es nach Paris, London, Ägypten und nach Amerika zu gehen. Ihr Wunsch ist aber auch, dass ihre Kinder eine gute Zukunft haben, dass sie hier in der Schweiz einen guten Job finden und ein selbstständiges und angenehmes Leben führen können.

Start in eine bessere Zukunft (Migrationsportrait)

Gastautorin: Lorika Reci (Wahlfach Schreiben)

Einleitung

Ich arbeite an dem Migrationsportrait, weil es ein Projekt der Schule ist, das mich sehr interessiert. Für das Interview musste ich eine Person finden, die über 20 Jahre ist und mit 20 (oder älter) in ein anderes Land migriert ist.

Regina ist die Mutter einer guten Freundin. Ich habe mich für sie entschieden, weil ich mich für sie und ihre Vergangenheit interessiere. Auch wollte ich mehr über das Land Portugal erfahren. Ich wusste bisher nur, wie es dort aussieht, aber nichts über die Menschen, die dort leben.

Damit ich die fünf Kapitel mit Inhalt füllen konnte, musste ich Fragen formulieren. Ich habe 25 Fragen für mein Interview vorbereitet. Während des Interviews habe ich viel mehr über Regina  erfahren, als ich erwartete hatte.

Bevor ich mit dem Schreiben des Migrationsportraits angefangen habe, dachte ich, dass es sehr schwierig und stressig werden würde und ich diese Aufgabe nicht befriedigend machen könnte. Ich habe mir auch Gedanken über meine Note gemacht, dass ich vielleicht eine schlechte Note bekomme oder dass ich die Arbeit nicht rechtzeitig abgeben kann.

Herkunft

Meine interviewte Person heisst Regina, sie lebte in einer kleinen Stadt (23,77 km²) namens Lisboa Amadora. Die Stadt liegt im Südwesten von Portugal. Die Bewohner spielen sehr gerne Fussball. Die Profi-Fussballmannschaft CF Estrela Amadora war und ist der bekannteste Sportverein der Stadt.

Sie hat sieben Geschwister und lebte mit ihnen und den Eltern. Ihr gefiel es, Teil einer grossen Familie zu sein, weil sie nie alleine war. Hatten ihre Freunde keine Zeit, konnte sie etwas mit ihren Geschwistern unternehmen.

Die Familie hat in einem alten Gebäude gelebt unter normalen Verhältnissen. Damit meine ich, dass sie weder arm und noch reich waren. Das Innere des Hauses war aus Holz. Sie hatten zwar keinen Garten, aber das war egal, denn neben ihrem Haus gab es einen Park. Nicht weit entfernt war das Meer und man konnte auch den Strand besuchen.

Ihr gefiel der Ort, in dem sie lebte, weil sie dort Freunde und Familie hatte, mit denen sie sehr viele schöne Momente erlebte.

Regina mochte das Stadtleben, weil sie viel mehr Orte hatte, wo sie mit ihren Freunden Zeit verbringen konnte. Auch war es in der Stadt einfacher, eine Arbeit zu finden. Sie hatte eine Freundin und Familie, die auf dem Land lebten und nahm wahr, wie schwierig es war,  dort eine Stelle zu finden. Auch hatte die Freundin nicht viele Orte, an denen sie mit ihren Freunden Zeit verbringen konnte.

Reginas Hobby war schon seit Kindheit, bei anderen Leuten Frisuren auszuprobieren. Dieses Hobby wurde zur Leidenschaft und sie übte es auch als Beruf aus. Eine Lehre machte sie nicht, da ihre Grossmutter ihr alles beigebracht hatte.

Grund für die Auswanderung und Abreise

Regina wollte eine bessere Zukunft haben und ein besseres Leben führen, weil sie in Portugal nicht genug Geld verdiente. Das Leben in Portugal war sehr anstrengend, da der Lohn als Kellnerin in einem Café sehr tief war. Sie wusste, dass man in der Schweiz als Kellnerin oder Coiffeuse mehr Geld verdienen konnte.

Wenn sie mal Kinder hätte, wollte sie ihnen das Studium bezahlen können. Ihr Bruder wohnte schon in der Schweiz, er hatte ihr vorgeschlagen, dass sie in die Schweiz ziehen solle und er ihr auch helfen könne, eine Arbeit zu finden. Da sie ihrem Bruder vertraute, der übrigens Vicki heisst, entschied sie sich für die Schweiz.

Sie musste eine Aufenthaltsbewilligung in der Wohngemeinde beantragen, damit sie sich nicht illegal in der Schweiz aufhielt. Dafür musste Regina ungefähr 150 CHF bezahlen. Es dauerte beinahe sechs Monate, bis sie die Bewilligung endlich gekriegt hat.

Die Familie reagierte grossartig auf ihre Pläne.  Sie haben sich darüber gefreut, dass Regina ein neues Leben anfangen konnte. Sie hat sich verabschiedet, in dem sie ihre Familie und Freunde besucht und ihnen auch ein Geschenk gebracht hat.

Der Abschied fiel ihr schwer, aber gleichzeitig hat sie sich auf ihr neues Leben gefreut. Regina war schon einmal in der Schweiz und wusste deshalb, was sie mitnehmen musste. Allerdings war sie sich nicht ganz sicher, weil sie nur zu Besuch hier gewesen war, deswegen fragte sie noch bei ihrem Bruder nach.

Ankunft in der Schweiz

Regina ist mit dem Flugzeug in die Schweiz gekommen. Der Flug dauerte zwei Stunden.

Der erste Eindruck von ihr war, dass es sehr sauber war, es gab keinen Müll oder Plastik auf den Strassen. Die Leute waren nett und höflich, sie haben ihr die Tür aufgehalten, haben sie angelächelt und sich immer bedankt. Alle begrüssten sich gegenseitig mit dem Wort ,,Grüezi”. Das erste Mal, als jemand sie so begrüsste, hörte es sich komisch an. Regina wusste nicht, was das bedeutete, also lächelte sie einfach höflich zurück.

Regina war sehr aufgeregt, weil sie nicht wusste, wie es ist, wenn man in der Schweiz lebt und sie kannte auch die Sprache nicht.

Der Unterschied zwischen Portugal und der Schweiz war sehr gross. In den Dörfern Portugals waren die Strassen eher kaputt und in der Schweiz waren alle Strassen neu und sauber. In Portugal gab es viele Hunde, die keine Besitzer hatten und einfach herumliefen, meistens hatten sie auch eine Krankheit (z.B. Tollwut, vielleicht hatten sie auch Zecken oder Flöhe). Deshalb durfte man sie nicht anfassen, weil die Krankheit vielleicht hätte übertragen werden können. Das gab es in der Schweiz nicht. Auch die Gebäude sahen neu und sauber aus, in Portugal sahen sie etwas älter aus.

Das Erste, was Regina nach ihrer Ankunft machte, war ihre Mutter anzurufen. Sie informierte sie, dass sie heil und gesund angekommen war. Danach ass sie etwas. Sie hat eine Pizza bestellt, die kostete 15 CHF und das Getränk 4.50 CHF. In Portugal kostete eine Pizza 5 Euro und ein Getränk vielleicht zwei Euro. Sie hat schnell festgestellt, dass die Schweiz sehr teuer war und auch immer noch ist, aber daran gewöhnte sie sich.

Einleben und Integration in der neuen Heimat

Regina war begeistert vom Essen. Sie liebt das Essen in der Schweiz, am meisten mag sie Raclette. Auch die Kultur gefiel ihr. Sie war begeistert von dem Alphorn, das sie zuvor nur auf Bildern im Internet gesehen hatte.

Es gab wirklich höfliche Leute, aber leider gab es auch einige, die arrogant und gemein waren, was Regina nervös gemacht hat. Sie haben sie komisch angeguckt oder haben sie ausgelacht, weil sie ein Wort nicht richtig aussprechen konnte. Regina war es gewohnt, hilfsbereit zu sein. Wenn jemand etwas runtergefallen ist, hat sie es aufgehoben oder sie hat den Leuten die Türe aufgehalten. Dafür bedankte sich hier niemand.

Die ersten Wochen in der Schweiz waren sehr langweilig für Regina. Sie war nur zu Hause, da sie noch keinen Job hatte. An den Wochenenden konnte sie etwas mit ihrem Bruder und seinen Freunden unternehmen, ins Hallenbad gehen, in den Zoo oder auch Clubs besuchen. Sie ging auch unter der Woche laufen oder joggen und die Landschaft sagte ihr sehr zu.

Da Regina schon vor ihrer Auswanderung einige Male in der Schweiz war, wusste sie schon, wie es in der Schweiz aussah. Aber es war trotzdem ein wenig anders als in ihrer Erinnerung, da einige Gebäude umgebaut worden waren, es gab neue Gebäude, neue Einkaufsläden und einige andere Orte sahen anders aus.

Regina hat eine App installiert, um Deutsch zu lernen. Ihr hat es wirklich geholfen, weil sie am Anfang nur ,,Danke’’ und ,,Bitte” sagen konnte. Jetzt lernte sie, ganze Sätze zu sagen. Auf dieser App gab es unterschiedliche Übungen. Es hatte beispielsweise ein Bild und sie musste das Verb darunter schreiben. Ihr Bruder hat ihr auch ein wenig geholfen, um Deutsch zu lernen, er hat Voci-Tests mit ihr gemacht.

Leben heute und Zukunftspläne

Regina fühlt sich wohl hier, weil sie einen guten Job hat, der ihr auch Spass macht. Sie arbeitet als Coiffeuse. Ihre Wohnung ist so eingerichtet, wie sie es möchte, sie wohnt ganz oben und hat eine 3-Zimmer-Wohnung. Der Balkon ist nicht offen, es hat Fenster, aber die kann sie natürlich aufmachen.

Regina hat eigentlich keine Schwierigkeiten hier ausser mit der Sprache, denn sie kann nicht fliessend Deutsch sprechen. Sie beherrscht die Sprache recht gut. Dennoch hat sie Schwierigkeiten bei der Aussprache einiger Wörter, wie zum Beispiel Eichhörnchen. Trotzdem kann sie sich gut mit anderen Menschen verständigen und unterhalten.

Regina hat immer noch die gleichen Hobbys wie in Portugal. Sie mag es weiterhin die Haare von Anderen zu schneiden, zu stylen (damit ist gemeint, dass sie Frisuren z.B. für eine Hochzeit macht) und zu färben. Sie hat sogar einen Salon eröffnet und arbeitet zusammen mit ihren Freunden, die sie in der Schweiz getroffen hat.

Regina hat auch Freunde und Familie hier, was mit ein Grund ist, weshalb sie sich wohl fühlt. Sie würde momentan nicht nach Portugal zurückziehen, weil sie sich an das Leben in der Schweiz gewöhnt hat.

Wenn sie in Rente ist, kann sie sich es aber vorstellen zurückzukehren. Regina sucht gerade nach einem Haus in Portugal, das sie kaufen möchte, um später dort zu leben. Sie besitzt bereits eine Wohnung, aber sie wollte schon immer ein Haus besitzen. Es wäre durchaus möglich, dass sie in Portugal einen Coiffeur-Salon oder ein Café eröffnet und mit ihrer Familie dort arbeitet.

Fazit

Mich hat es beeindruckt, dass Regina so offen über ihr Leben und ihre Erfahrungen erzählt hat. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht so einfach war, in ein anderes Land zu ziehen und in der Heimat alles zurückzulassen.

Mir imponierte, dass sie ihren Traumberuf auch in der Schweiz weiterführen und auch ihren eigenen Salon eröffnen konnte. Ebenfalls machte es mir Eindruck, dass sie die Sprache schon nach einem Jahr so gut beherrschte und sprechen konnte.

Meine Interviewvorbereitung hat sich gelohnt. Ich habe meinen Fragenkatalog ausgedruckt und habe die Fragen unterstrichen, bei denen ich noch genauer nachfragen musste, wie und warum es so ist oder für sie so ist. So konnte ich mehr Informationen kriegen.

Es braucht viel Geduld, um eine solche Arbeit zu schreiben. Man will unbedingt so schnell wie möglich fertig werden, aber dann muss man den Text noch coachen lassen und hat Fehler oder Lücken. Das bedeutet, man muss den Text überarbeiten. Das war manchmal nervend. Durch diese Arbeit habe ich aber gelernt, dass ich die Sätze genauer formuliere, damit ich die Kapitel nicht mehrmals überarbeiten muss.

Es kommen auch immer wieder Zweifel, ob man das überhaupt schafft und rechtzeitig mit dem Migrationsportrait fertig wird. Frau Rauber hat uns eine Woche vor dem Abgabetermin noch motiviert. Sie hat uns auch gesagt, wie wir die Kapitel einplanen und wann wir welche Kapitel schreiben sollten.

In der Einleitung beschrieb ich meine Befürchtungen und Ängste. Das Schreiben des Migrationsportraits war aber tatsächlich einfacher, als ich gedacht hatte. Natürlich ist es nicht sehr einfach, aber ich hatte es mir viel schwieriger vorgestellt. Ich habe mir wirklich zu viele Sorgen gemacht.

Ich bin stolz auf meine Arbeit, weil ich so ein grosses Projekt alleine geschrieben und gestaltet habe. Den Fragenkatalog und den Termin für das Interview habe ich selbständig vorbereitet und organisiert. Auch arbeitete ich immer motiviert an meinem Migrationsportrait. Jedes Kapitel habe ich zigmal durchgelesen, um möglichst keine Fehler zu haben.

Danken möchte ich Regina, weil sie sich immer Zeit genommen hat meine Fragen ausführlich zu beantworten und wenn ich mal was nicht verstanden habe, hat sie mir es genau erklärt.

 

Ungeplante Ereignisse (Migrationsportrait)

Gastautorin: Mariana Jimenez (Wahlfach Schreiben)

Einleitung

Ich schreibe dieses Migrationsportrait, um mich für die Berufswelt vorzubereiten. Am Ende meiner Lehre werde ich selbständig eine Vertiefungsarbeit schreiben müssen. Damit ich dann nicht in Panik ausbreche, weil ich nicht weiss, wie ich vorgehen soll, sammle ich jetzt bereits Erfahrungen, wie man bei einer solchen Arbeit vorgehen könnte.

Ich habe mich entschieden, für dieses Migrationsportrait meine Tante Marisol zu interviewen, weil ich nicht viel über sie weiss. Marisol habe ich das letzte Mal vor vier Jahren gesehen, als ich nach Norwegen ging, um sie und meinen Onkel Fermin zu besuchen. Ich wusste bereits, dass sie von Kolumbien nach Spanien ausgewandert war und schliesslich in Norwegen landete.

Als es in der Schule hiess, dass wir eine Person, die ausgewandert ist, interviewen müssen, fiel sie mir als erstes ein. Ich hatte noch nie mit ihr über ihre Auswanderung gesprochen und es interessierte mich, welche Gründe sie gehabt und was sie alles erlebt hatte.

Ich hatte das Glück, dass sie diesem Projekt zugesagt hat, denn ich war ganz gespannt, was ich alles über sie und ihr Leben erfahren würde.

Herkunft

Marisol ist Kolumbianerin, genauer gesagt stammt sie aus Barranquilla, einer Stadt, die an der karibischen Küste Kolumbiens liegt. Ihre Heimatstadt ist vom Atlantischen Ozean und auch vom Karibischen Ozean umgeben. Marisol hat sich jetzt an die Kälte gewöhnt und hat bemerkt, dass Barranquilla eine sehr warme Stadt ist, dort ist es immer Sommer wie auch in anderen Städten der Küste.

Barranquilla ist auch eine sehr touristische Stadt Kolumbiens und etwa eine Stunde im Auto von Cartagena entfernt. Von Barranquilla bis zu Cartagena fährt man an sehr vielen Stränden vorbei. Sie haben dort atemberaubende Strände und Flüsse, wie zum Beispiel den Magdalena Fluss.

Dort ist Marisol auf die Welt gekommen und auch mit ihrer Familie aufgewachsen, also mit ihren Eltern und ihren vier Brüdern. Sie waren zu fünft, vier Jungs und Marisol, das einzige Mädchen und dazu noch die jüngste. Sie muss sagen, dass sie in einem sehr liebevollen Haus aufgewachsen ist. Die Eltern von Marisol wollten, wie alle Eltern, nur das Beste für sie und ihre Brüder.

Als kleines Mädchen war sie sehr fleissig in der Schule und liebte es, Sport in ihrer Freizeit zu machen. Marisol spielte gerne Volleyball mit Freunden, ab und zu spielte sie mit ihren Brüdern Basketball und sie war in einem Pingpong-Verein in einer anderen Stadt. Viele Sportarten konnte Marisol in der Schule ausüben, weil sie für diese Sportarten eigene Felder hatten.

Die Stadt Barranquilla liegt ihr sehr am Herzen. Sie liebt die Kultur von dort und das Ausbildungssystem. Barranquilla ist sehr bekannt für seine Karnevale, sie sind sehr aufregend und erinnern sie an ihre Jugend. Vor 20 Jahren war Marisol das letzte Mal an einem Karneval. Sie wird immer emotional, wenn sie Videos oder Bilder davon sieht.

Das kolumbianische Essen liebt sie über alles. Der frittierte Fisch mit Yucca, die Arepas, Empanadas, das alles erinnert sie an ihre Kindheit. Könnte Marisol das jetzt essen, wäre es wie ein Festessen.

Die Leute aus Barranquilla, allgemein die Kolumbianer/innen sind sehr sozial, nett und hilfsbereit. Sie lieben es, wenn Touristen kommen und sie ansprechen. Du kannst jemand fragen, wo etwas ist, und sie würden dir, ohne zweifellos mit einer guten Antwort und einem Lächeln im Gesicht antworten. Natürlich gibt es, wie an allen Orten, auch weniger nette Personen, aber die Mehrheit der Leute sind sehr nett.

Natürlich hat jede Stadt ihre Vor- und Nachteile, dort gibt es sehr viele Verbrechen und eine hohe Kriminalitätsrate. Marisol hat Angst, ein Auto in Kolumbien zu fahren, da sehr viele Leute die Regeln nicht einhalten. Vor allem im Zentrum hat sie Angst, ausgeraubt zu werden.

Sie hat studiert und machte den Masterabschluss für Ausbildung. Danach hat Marisol mehrere Jahre als Direktorin in einer Schule gearbeitet. Später war sie für die Regierung tätig und leitete bis 2000 edukative Programme.

Grund für die Auswanderung

Marisol ging es sehr gut in Barranquilla. Sie hatte das Glück, gleich an zwei Universitäten Erfahrungen sammeln zu können. Es war jeweils nur am Samstag mit einem semi-präsentialen Programm. Von Montag bis Freitag arbeitete sie für die Regierung im Bildungssekretariat und am Abend einige Stunden an einer privaten Institution. Während 15 Jahren hat Marisol dort gearbeitet.

In dieser Zeit gab es ein Austauschprogramm unterstützt vom Spanischen Bildungsministerium, das drei Monate dauerte. Ausgebildete Erwachsenbildnerinnen hatten die Möglichkeit, in Spanien zu arbeiten. Um an diesem Programm teilzunehmen, musste man seinen Lebenslauf ans Ministerium von Kolumbien senden.

Marisol hat ihren Lebenslauf zusammen mit demjenigen ihres heutigen Mannes geschickt, der ihr sehr viel geholfen hat. Es sind mehr als 400 Bewerbungen für die zwei Stellen beim Ministerium eingegangen. Gottseidank wurde Marisol ausgewählt, um Kolumbien in der Ausbildung von Erwachsenen in Spanien zu repräsentieren.

Die Eltern von Marisol waren traurig, dass sie gehen wollte, aber auch sehr stolz auf sie, dass sie etwas so Grosses in ihrem Leben erreicht hatte. Ihre Freunde standen unter Schock und waren auch traurig, als sie erfuhren, dass Marisol nicht mehr in Kolumbien leben würde. Marisol tröstete sie und sagte, dass sie in drei bis vier Monaten wieder zurück sein werde, doch als Marisol schwanger wurde, änderte sich alles.

Es war hart für sie Kolumbien zu verlassen, da sie ihr ganzes Leben dort verbracht hatte und nichts anderes als dieses Land kannte. Sie wollte ihre Familie nahe bei sich haben. Sie wechselte ja nicht nur das Land, sondern auch den Kontinent. Zum Glück hatte Marisol Verwandte, die bereits in Spanien lebten: einen Cousin, eine Nichte mit ihrem Ehemann und ihren Bruder, der mit seiner Frau in Madrid war.

Das Austauschprogram übernahm alle Kosten, zum Beispiel die Flugtickets, die Versorgung und vieles mehr. Selbstverständlich war sie überrascht, dass sie wirklich alle Kosten übernahmen und sie wirklich gar nichts bezahlen musste, nicht einmal die Wohnung, in der sie für diese drei Monate wohnen würde.

Ankunft in Spanien und erneute Abreise

Marisol ging zusammen mit ihrem Ehemann nach Spanien. Sie hätten gerne ein Kind gehabt, aber Marisol konnte nicht schwanger werden. In Kolumbien war sie mehrere Monate in ärztlicher Behandlung, aber sie wurde einfach nicht schwanger.

Doch als Marisol in Spanien lebte und die verschiedenen Städte kennen lernte, wurde sie von einem Moment auf den anderen schwanger. Ihr Gynäkologe in Kolumbien sagte, dass sie nicht reisen durfte, weil sie eine Risikoschwangerschaft hatte. Marisol hat den Austausch abgeschlossen, musste jedoch wegen ihrer Schwangerschaft in Spanien bleiben.

Ihr Sohn ist in Valencia, Spanien, auf die Welt gekommen und heute 19 Jahre alt. Während dem ersten Jahr fiel ihr auf, dass Spanien sicherer war, eine bessere Lebensqualität hatte und ihrem Sohn eine bessere Zukunft bieten konnte, als es in Kolumbien möglich war. Deshalb beschlossen Marisol und Fermin nicht mehr nach Kolumbien zurückzukehren.

Als Einwanderer hat man eine schwere Zeit und man muss sehr viel arbeiten. Zum Beispiel muss man eine neue Arbeit finden, den neuen Wohnort kennenlernen, verstehen, wie der Öffentliche Verkehr funktioniert und eventuell noch die neue Sprache lernen, falls man in ein fremdsprachiges Land einwandert. Doch wenn man etwas wirklich will, kann man es auch schaffen.

Nach fünf Jahre in Spanien führte Marisol mit ihrem Mann während sieben Jahren zwei eigene Geschäfte. Sie ermöglichte den Kunden, Geld ins Ausland zu senden und das andere, das ihr Mann führte, hatte etwas mit Informatik zu tun, doch Marisol erinnert sich nicht mehr genau daran. Sie haben Einheimische und Immigranten in den Geschäften bedient.

Zwischen 2006-2008 gab es eine Wirtschaftskrise in Spanien. Gerade noch rechtzeitig konnten sie Geschäfte verkaufen. Dann begannen sie, neue Möglichkeiten zu suchen. Es bot sich ihnen die Gelegenheit, nach Norwegen zu ziehen.

Kolumbianische Freunde, die auch in Spanien gewohnt hatten, waren bereits nach Norwegen ausgewandert, da es in Norwegen keine Krise dafür aber viele Arbeitsstellen gab. Norwegen ist es ein sehr geordnetes Land. Während einem Jahr waren Marisol und ihr Ehemann getrennt. Marisol lebte noch in Valencia und er in Oslo. Doch als er eine Arbeit in Norwegen gefunden hatte, zog sie zu ihm.

Ankunft in der definitiven Heimat

Als Marisol in Norwegen ankam, konnte sie kein bisschen Norwegisch, doch Fermin nahm an Kursen teil, um die Sprache zu lernen. Er lernte am Morgen und ging dann am Abend arbeiten.

Es ist ein Problem, wenn man die Sprache nicht beherrscht, die in dem Land gesprochen wird, in dem man wohnt. Es ist wirklich ein Problem, wenn man nicht fragen kann, wohin ein Tram fährt oder im Supermarkt nicht fragen kann, wie viel etwas kostet oder wo was ist.

Marisols erster Eindruck von Norwegen war, dass es in diesem Land sehr kalt ist. Klar, sie ist an die Wärme gewöhnt, weil sie aus Kolumbien stammt und in Valencia wohnte, wo es auch warm ist. In Valencia hat es nie geschneit, doch in Norwegen schon. Die Änderung war gewaltig, doch mit der Zeit gewöhnte sich Marisol daran. Das Klima war ihr erstes Problem in Norwegen und ist immer noch ein Problem für sie.

Als sie frisch angekommen waren, gab es ein Programm für Kleinkinder, die nicht Norwegisch als Muttersprache hatten. Sie gingen nicht in eine normale Schule, sondern in eine spezielle, um die Sprache und die Kultur zu lernen. Es war für die Kinder obligatorisch, daran teilzunehmen.

Als Marisols Sohn Samuel vier Jahre alt war, konnte er bereits in den Kindergarten gehen. Ein Jahr, nachdem er dem Kindergarten beigetreten war, konnte Samuel schon recht gut auf Norwegisch kommunizieren.

Die zweite Sprache, die in Norwegen gesprochen wird, ist Englisch. Marisol beherrschte Englisch, deswegen hatte sie keine Schwierigkeiten mit den Leuten dort zu sprechen und zu kommunizieren. Sie hat das Norwegisch auf der Seite gelassen und hatte es nicht eilig, diese Sprache zu lernen. Das war rückblickend nicht sehr schlau von ihr, sie hätte gleich mit den Norwegisch-Kursen anfangen sollen.

Das Essen war ein grosses Thema für Marisol, es gab sehr gutes Essen in Spanien, aber die Unterschiede zwischen dem Essen in Kolumbien und Spanien zu Norwegen waren riesengross. In Norwegen fand sie kein einziges lateinamerikanisches Restaurant und nur wenige spanische Restaurants, was ein Schock für sie war.

Einleben und Integration in Norwegen

Marisol hat sich daran gewöhnt, zuhause so oft wie möglich kolumbianisches Essen zu kochen, um ein Stück Heimat nahe bei ihr zu haben. Es war nicht wirklich einfach, kolumbianische Produkte in Norwegen zu finden, deshalb bekam sie das meiste von ihrer Familie in Kolumbien geschickt oder sie bestellte die Lebensmittel per Amazon.

Es ist wichtig, sich als Immigrant zu integrieren und die Änderungen zu akzeptieren und sie auch zu respektieren. Marisol brauchte eine Weile, um die Gesetze und Regeln einzuhalten. Zum Beispiel musste sie sich bereits früh am Abend ruhig verhalten, weil die anderen schlafen wollten. In Kolumbien war es völlig egal, wann Nachtruhe herrschte, die Leute waren so lange laut, bis sie schlafen gingen.

Marisol half Fermin mit der Arbeit. Er hatte sehr viel Arbeit, vor allem beim technischen Teil von Häusern und Büros. Er tauschte die Kabel aus, wenn es nötig war und Marisol reinigte dann das Gebäude.

Sie fing mit einer Arbeit an, bei der sie Schülern der Unter- und Oberstufe Spanisch beibrachte. Die Kinder können Spanisch als Wahlfach in der Schule wählen. Das ist ein beliebtes Wahlfach, weil die Norweger gerne in den Ferien nach Spanien reisen. Vor der Quarantäne hatte Marisol fast zehn Schüler und Schülerinnen und als die Pandemie angefangen hat, machte sie Fernunterricht. Aber sie weiss nicht, wann wieder normaler Unterricht stattfinden wird.

Marisol hatte Schwierigkeiten mit dem norwegischen Geld umzugehen. Anfangs rechnete sie immer in Euros um, doch mit der Zeit hielt sie das nicht mehr für nötig. 200 Kronen entsprechen etwa 20 Euro. Marisol hatte keine grossen Schwierigkeiten, sich einzuleben und fühlte sich in kurzer Zeit wohl in Norwegen.

Das Leben heute und Zukunftspläne

Marisol ist jetzt keine Jugendliche mehr, sondern eine etwas ältere Frau. Sie spielt in ihrer Freizeit nicht mehr Volleyball oder Basketball, sondern macht Zumba mit einer Freundin, die das auch unterrichtet. Marisol läuft auch sehr viel, sie geht gerne auf Spaziergänge.

Sie hat nicht viele Freundinnen in Norwegen, Marisol ist meistens mit Fermin unterwegs und trifft sich selten mit anderen Menschen. Eine Freundin wohnt in Dramen, das ist eine Stunde von Oslo entfernt. Die beiden kennen sich seit etwa 20 Jahren und früher besuchten sie sich regelmässig. Wegen Corona ist das leider nicht mehr möglich, sie sehen sich nur noch etwa alle sieben Monate. In Norwegen ist Marisol also eigentlich allein. In Spanien hatte sie genügend Freundinnen, die auch mit ihr zusammenarbeiteten. Das vermisst Marisol sehr.

Marisol mag Oslo sehr, sie wohnt in einem ruhigen Viertel. Wenn sie in das Zentrum der Stadt geht, sieht sie viele Menschen und das schenkt der Stadt Leben. Marisol geht mit ihrem Sohn und ihr Ehemann gern in die Stadt, um in Restaurants zu essen. Meist sucht Samuel die Restaurants aus, da er viel öfters in der Stadt essen geht als seine Eltern. Normalerweise rufen sie sich an und treffen sich dann in der Nähe des ausgesuchten Restaurants.

Sonst ist Marisol in ihrer Freizeit zuhause. Sie mag es nicht draussen zu sein, wenn es kalt ist. Sie geht raus, erledigt ihre Sachen und kehrt dann so schnell wie möglich nachhause zurück, wo es schön warm ist.

Als Marisol in Kolumbien wohnte, mochte sie Dekorationen, doch jetzt mag sie sie noch viel mehr. In Norwegen wird es schnell dunkel, um 16 Uhr ist es schon Abend und das während mehreren Monaten. Wenn Marisol die Gelegenheit hat, kauft sie Dekorationen für ihr Haus. Sie liebt es, unterschiedliche Gegenstände für die verschiedenen Jahreszeiten zu haben und verbringt gerne Zeit damit, Zeitschriften zu durchforsten und Neues zu markieren.

Marisol fühlt sich wohl, wenn sie nach Kolumbien reist. Natürlich, weil sie Zeit mit ihrer Familie und Freunde verbringen kann. Das Essen wird frisch zubereitet und sie kann essen, was sie will. Doch es ist nicht mehr das Gleiche.

Ihre beste Freundin, die sie vor 20 Jahren in Kolumbien zurückgelassen hat, ist jetzt verheiratet und hat ihre eigene Familie gegründet. Sie teilen nicht mehr die gleichen Hobbys wie früher. Die Freunde, die Marisol zurückgelassen hat, haben sich verändert und würden wohl nicht mehr ihre Freunde werden. Auch die eigene Familie ist anders. Sie sind beschäftigt und haben nicht mehr wirklich Zeit für die Besucherin. Manchmal fühlt sie sich in ihrem eigenen Heimatland wie eine Ausländerin.

Marisol ist sich nicht mehr an das Leben in Kolumbien gewöhnt. In Norwegen kann sie ohne Angst mit jemanden auf der Strasse telefonieren und Geld in der Tasche haben, ohne Angst haben zu müssen, dass sie überfallen wird. Doch in Kolumbien ist das nicht möglich.

Marisol sieht sich jedoch in fünf Jahren in Spanien, nochmals in Valencia mit Fermin, um dort ihre letzten Jahre zu geniessen.

Fazit

Ich dachte, dass mir das Schreiben dieser Arbeit schwerer fallen würde, als es tatsächlich war.

Das Schreiben ist mir am Anfang nicht leichtgefallen, da ich keine Idee hatte, was und wie ich schreiben sollte. Ich dachte, dass das Migrationsportrait eine reinste Katastrophe wird, da ich das Interview auf Spanisch führte und dann die einzelnen Sätze auf Deutsch übersetzen musste. Obwohl Spanisch meine Muttersprache ist, musste ich mehrere Wörter mit Hilfe meiner Mutter und verschiedenen Online-Übersetzer nachschlagen. Das war ein grosser Aufwand, nächstes Mal würde ich eine Person suchen, die Deutsch spricht.

Mit der Zeit kam ich dann in den Rhythmus und schrieb von alleine viel mehr als gedacht. Ich bin wirklich froh, dass wir eine Anleitung bekommen haben, um einen besseren Überblick über den Auftrag zu haben. Ohne dieser Anleitung wäre ich in den Stress gekommen und hätte die Kapitel nicht mit Sorgfalt geschrieben.

Wenn ich nächstes Mal eine schriftliche Arbeit abgeben muss, werde ich meine Abschnitte oder in diesem Falle Kapitel direkt nach dem Schreiben coachen lassen und nicht so lange abwarten, wie ich es jetzt tat.

Es hat mich beeindruckt, dass Marisol ein Jahr warten musste, um nach Norwegen zu gehen. Es war sicher hart für sie, so lange mit dieser grossen Distanz von ihrem Ehemann getrennt zu sein. Ich hätte das nicht aushalten können.

Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich drangeblieben bin und nicht schnell aufgegeben habe, denn so einen Bericht zu schreiben, ist nicht einfach. Mit dem Resultat bin ich absolut zufrieden.

 

12 von 12 im November

Der Tag beginnt grau und ich frage mich, welche Bilder heute zu machen sind. Wie attraktiv können 12 Variationen von Nebel wohl sein? Aber wie so oft kam alles anders und viel besser. 

Danke an Caro von Draussennurkännchen, welche die 12 von 12 der Bloger:innen-Szene sammelt und diese schöne Tradition am Leben erhält. 

Sonne?
Auf dem Weg zur Schule.
Es muss ja ein guter Tag werden, wenn man so nett begrüsst wird.
Wenn 15-Jährige sich wieder wie Kindergärtner:innen fühlen dürfen.
Und dann begann es mit der Farbenpracht …
Hauswurz
Wer dachte, dass der Herbst so vielfältig ist?
Spricht für sich, oder?
Auch er kennt den Weg zu unserem Schulzimmer und besucht uns regelmässig.
Wie viele Farben lassen sich zählen?
Eine weitere Bewohnerin unseres Gartens.
Mein heutiges Lieblingsbild.

Die unglaubliche Lebensgeschichte von Valbona (Migrationsportrait)

Gastautor: Lorik Kryeziu (Wahlfach Schreiben)

Einleitung

Im Moment bin ich in der 3. Sek. Seit diesem Schuljahr haben wir ein neues Fach namens Projektunterricht, abgekürzt PU. Im PU-Unterricht müssen wir an mehreren Projekten arbeiten. Aktuell arbeite ich am Migrationsportrait, für das ich insgesamt 13 Wochen Zeit habe.

Im Migrationsportrait geht um die Migrationsgeschichte einer von mir gewählten Person. Es hiess, wir sollten nicht über unsere Verwandten schreiben, also fragte ich meine Mutter, ob sie jemanden kennen würde, der dafür passend wäre. Sie schlug mir ihre Freundin Valbona Yzo vor, weil sie eine spannende, aber auch eine sehr traurige Hintergrundgeschichte hat. Ich dachte, sie sei wegen einer neuen Arbeit ausgewandert, aber es war ein komplett anderer Grund, wieso sie es getan hatte.

Die Geschichte von Valbona ist sehr berührend und sie selbst ist eine starke Frau. Ich möchte euch nicht viel verraten, also viel Spass beim Lesen meines Projektes.

Herkunft und Kindheit Valbonas

Valbona Yzo ist am 01.07.1966 geboren. Vor ihrer Auswanderung lebte sie in Korç, Albanien. Sie wuchs in einer grossen Familie auf und war die jüngste von sechs Kindern. Ihre Familie lebte in guten Verhältnissen, weil alle ihrer Geschwister arbeiteten. Finanziell fehlte ihr nichts, ausser die Nestwärme ihrer Familie, die sie vermisste.

Nachdem sie die erste Klasse abgeschlossen hatte, erkrankte ihre verheiratete Schwester mit drei Kindern und war an beiden Beinen vollständig gelähmt. Mit acht Jahren war Valbona gezwungen, ihre Familie zu verlassen und sich um die Kinder ihrer Schwester zu kümmern. Sie zog von Korç aus und lebte vom Jahr 1974 bei der Familie ihrer Schwester. Ihre Kindheit verbrachte sie 120 Kilometer weg von ihrer Familie in Elbasan.

Sie konnte zwar weiterhin die Schule besuchen, aber ihr Leben veränderte sich drastisch. Bevor sie selbst in die Schule ging, musste sie zwei von drei Kindern für die Schule vorbereiten und zur Schule bringen. Neben den Hausaufgaben musste sie das Haus putzen und auf das einjährige Kind ihrer Schwester aufpassen.

Es gab nicht viele schöne Momente in Valbonas Leben, aber einer davon war jeweils Weihnachten. Sie freute sich sehr auf Weihnachten und konnte es kaum erwarten, den Weihnachtsbaum zu schmücken. Mit 25 Jahren heiratete sie einen Mann, der zehn Jahre älter war und bekam mit ihm im Jahr 1996 einen Sohn. Ihr Sinn des Lebens änderte sich ab dem Moment.

Grund für die Auswanderung und Abreise

Einige Jahre nach ihrer Heirat bekam ihr Ehemann viele Probleme. Er trank sehr viel und gab sein Geld für Glücksspiele aus. Die Schulung seines Sohnes war ihm egal und er interessierte sich nicht für seine Familie. Als er 2010 an einer Alkoholvergiftung starb, wusste Valbona, dass sie nun ebenfalls riesige Probleme hatte.

Über den Tod ihres Ehemannes war sie nicht nur sehr traurig, sondern hatte auch grosse Angst. Der Ehemann von Valbona hatte sehr hohe Spielschulden bei der albanischen Mafia. Jeden Tag wurde sie von der Mafia terrorisiert und man drohte ihr, ihren Sohn umzubringen, wenn sie nicht die Schulden ihres Mannes abbezahlen würde.

Die Schwiegermutter von Valbona riet ihr, sie solle mit ihrem Sohn aus Elbasan verschwinden. Im Jahr 2011 zog sie von Elbasan nach Tirana und baute sich ein neues Leben auf. Eine Arbeit bekam sie dort sehr schnell und sie arbeitete in einem Restaurant. Eine Dauerlösung war das nicht, denn sie hatte einen tiefen Lohn und ihr Sohn bekam dort keine gute Ausbildung. Über eine Migration dachte sie nach, wusste aber nicht, wie sie umzusetzen.

Ein halbes Jahr später lernte sie ihren zweiten Ehemann kennen. Er war zu Besuch in Albanien, lebte aber in der Schweiz. Er fragte sie, ob sie zu ihm ziehen würde und sie war damit einverstanden. Der Hauptgrund, für ihre Auswanderung, war ihr Sohn. Er sollte eine bessere Ausbildung bekommen und nicht so viel leiden, wie sie es in der Vergangenheit musste. Valbona nahm nichts mit in die Schweiz, sie liess alles zurück. Sie war aber nicht traurig, weil sie alles hatte, was sie brauchte, nämlich ihren Sohn.

Ankunft in der neuen Heimat

Valbona Yzo reiste im Jahr 2013 von Albanien in die Schweiz. Zum ersten Mal mit 47 Jahren flog sie mit dem Flugzeug und hatte grosse Angst. Sie war voll mit Emotionen, als sie in der Schweiz ankam. Erleichterung spürte sie als sie lebend aus dem Flugzeug aussteigen konnte.

Sie hatte alles hinter sich gelassen, um sich ein besseres Leben aufzubauen. Mit ihrem Sohn zog sie nach Seebach und lebt heute noch in diesem Quartier.

Die ersten Eindrücke, die Valbona von der Schweiz hatte, waren eher positiv. Sie meinte, die Menschen in der Schweiz seien sehr hilfsbereit, pünktlich und sehr diszipliniert im Vergleich zu der Bevölkerung Albaniens. Die Sicherheit in der Schweiz gefiel ihr sehr, weil sie es nicht gewohnt war, allein in der Nacht herumzulaufen. Die Kriminalität in Albanien ist verbreiterter als in der Schweiz und man muss dort aufmerksam sein. In der Schule merkte sie, dass sie hier in der Schweiz andere Lernmethoden benutzen als in ihrem Heimatland, somit zeigte ihr Sohn sehr viel Interesse an der Schule.

Einleben und Integration in der neuen Heimat

Das Einleben und Integration in der Schweiz verlief schwierig für Valbona. Sie hatte Angst, dass sie in ihr Land zurückgewiesen werden könnte. Einen Streit mit ihrem Ehemann konnte sie sich nicht leisten, denn eine eigene Aufenthaltsbewilligung hatte sie nicht und war abhängig von ihrem Mann.

Eine Arbeit für Valbona zu finden, war sehr schwer. Die Sprache in der Schweiz konnte sie nicht sprechen und sie machte sich viele Gedanken, als was sie hier arbeiten könnte. Viel Auswahl hatte sie nicht. Als 50-Jährige, die keine Ausbildung in den gewünschten Berufen hatte, blieb eigentlich nur noch die Tätigkeit als Reinigungskraft.

Neue Freundschaften in der Schweiz zu schliessen, war für Valbona eine Herausforderung. Sie wollte mehr Kontakt mit anderen Menschen ausserhalb ihrer Familie haben, weil sie sich allein fühlte. Erst auf der Arbeit fand sie Freunde, aber nur mit der gleichen Nationalität.

Auch heute hat sie keine Freunde mit der Schweizer Nationalität. Valbonas Meinung nach sind die Schweizer eher vorsichtiger und distanzierter als andere.

Das Leben heute und Zukunftspläne

Valbona Yzo fühlt sich nach wie vor sehr wohl in der Schweiz. Das grosse Glück, das sie in der Schweiz fand, kann sie nicht in Worten zusammenfassen.

Ihr Sohn ist heute ein sehr gebildeter Mann und besitzt ein Altersheim in Seebach. Für sie ist es ein sehr schöner Anblick, wenn sie merkt, wie weit es ihr Sohn im Leben brachte. Acht Jahre nach ihrer Migration bezeichnet sie die Schweiz als ihr Zuhause und nicht Albanien.

Sie arbeitet in einem Hotel in Seebach als Putzkraft. Geld hat sie heute genug und ist nicht auf ihren Mann angewiesen. Ihre Beziehung mit ihrer Familie in Albanien ist noch intakt. Sie geht sehr oft in den Ferien nach Albanien und besucht ihre Familie regelmässig. Valbona sagte in einem sehr stolzen Ton: «Wenn ich eine frühere Chance gehabt hätte, von Albanien wegzuziehen, hätte ich sie genutzt.»

In der Schweiz fand sie ihr das konstante, glückliche Leben, dass sie sich immer vorgestellt und gewünscht hatte. Nach ihrer Meinung sei die Schweiz der Himmel auf Erden. Viele Zukunftspläne hat sie heute nicht, sie wünscht sich nur die Gesundheit für ihre Familie.

Fazit

Das Schreiben des Migrationsportraits hat mir sehr viel Spass gemacht. Ich fand es spannend, etwas Neues über die Freundin meiner Mutter zu erfahren.

Ich habe ehrlich gesagt nicht nach dem vorgegebenen Zeitplan gearbeitet, sondern nach meinem eigenen. Es dauerte lange, bis ich die Motivation aufbrachte, das Migrationsportrait zu beginnen. Als ich dann zu schreiben anfing, konnte ich nicht mehr aufhören, weil ich es sehr interessant fand.

Valbona Yzo kann kein Deutsch sprechen, deswegen musste ich alle Fragen auf Albanisch übersetzen und wiederum alles auf Deutsch aufschreiben. Das war das Schwierigste am Migrationsportrait, weil ich lange brauchte, bis ich alles übersetzt hatte.

Würde ich Valbona nicht persönlich kennen, hätte ich ihre Geschichte nicht geglaubt. Mit acht Jahren die eigene Familie verlassen zu müssen, das ist eine unglaubliche Geschichte.

Ich bin stolz auf mich, dass ich diese Arbeit selbstständig geschrieben habe. Danken möchte ich Valbona für ihr Einverständnis, ihre Geschichte öffentlich zu zeigen.

Mit nur 10 Minuten täglichem Einsatz zu einer/einem garantiert erfolgreichen Blogger:in werden

Vielleicht glaubst du nicht, dass du mit nur 10 Minuten täglichem Einsatz zu einer/einem garantiert erfolgreichen Blogger:in wirst. Ich werde dir das Gegenteil beweisen. Tausende meiner Kund:innen sind meiner Schreibformel schon erfolgreich gefolgt. Trust me und lass dir diese einmalige Chance nicht entgehen!

Ganz ehrlich, es wird ein Riesentheater um das Schreiben von Blog-Artikeln gemacht. Es werden sogar Kurse angeboten, in denen du angeblich lernst, wie man gute Artikel schreibt. Ich sage dir, das ist reine Geldmacherei. Wichtig ist, dass du möglichst viel Content hochlädst. Stell dich und deine Wichtigkeit in den Vordergrund. Ziel ist es, möglichst viel Applaus zu erhalten.

Tust du das nicht, könnte jemand auf die Idee kommen, dass du am Imposter-Syndrom leidest. Und das willst du bestimmt nicht. Du bist doch nicht krank!!

Es ist mir ein echtes Anliegen, dass du wie ich zu einer der renommiertesten und erfolgreichsten Blogger:innen im DACH-Raum wirst. Daher verrate ich dir im Folgenden 7 Tipps, wie du ohne Aufwand in maximal 10 Minuten zu deinem täglichen Blog-Artikel kommst.

Nun liegt es an dir, wie erfolgreich du dich in der Blogosphäre etablierst. Aber dank meinen Tipps schaffst auch du das spielend.

Tipp 1 – Schmücke deinen Blog mit Zitaten, Sprüchen und weiteren fremden Federn

Hey, das Netz ist voll mit Seiten, die dir Zitate liefern. Und Sprüche findest du bereits pfannenfertig mit Bildchen. Du brauchst nicht lang nachzudenken, worüber du schreiben sollst. Bediene dich ohne Gewissensbisse, die Inhalte im Netz sind Allgemeingut!

Mein Vorschlag: Beginne mit einem Zitat, das du unter A findest und befasse dich am nächsten Tag mit dem Folgebuchstaben. Kurz, arbeite dich von A bis Z durch. Das ergibt schon mal 26 Beiträge. Und da es beinahe unendlich viele Zitate gibt, kannst du das jeden Monat wiederholen. Ein ganzes Jahr lang. Cool, nicht wahr? So erreichst du ohne grossen Aufwand 312 Blog-Artikel. Denk immer daran: Quantität kommt vor Qualität!

Ein Beispiel für den Buchstaben A:

Die Arroganz der Kleinen ist es, immer von sich, die der Grossen, nie von sich zu sprechen.

Voltaire

Viel dazu schreiben brauchst du nicht. Fordere doch einfach die Leser:innen auf, ihre Gedanken zum Zitat in den Kommentaren zu posten. Kommentare wirken gut. Falls du noch nicht die ganzen 10 Minuten investiert hast, schreib doch selbst einige möglichst kontroverse Kommentare zu deinen Artikeln. Natürlich unter anderen Namen, soll ja nicht wie Selbstbeweihräucherung aussehen.

Tipp 2 – Werde zu einer perfekten Copycat

Es gibt so viele Blogartikel, warum solltest du dir alles selber ausdenken? Nachahmen oder treffender stehlen und kopieren ist viel einfacher. Nehmen wir an, dass du das oben erwähnte Zitat verwendet hast. Nun kannst du am nächsten Tag etwas zum Thema Arroganz posten. Dazu gibst du in der Suchmaschine eben diesen Begriff „Arroganz“ ein. Du wirst über eine Million Links finden, viele davon führen direkt zu Blog-Artikeln.

Die meisten dieser Artikel sind eh viel zu lange und werden daher nicht gelesen. Also kopiere dir einfach den Text und kürze ihn. Wie du weisst, in der Kürze liegt die Würze. Somit hast du eigene Kreativität gezeigt. Achte aber unbedingt darauf, dass du im Mainstream bleibst, denn zu viel Kreativität ruiniert dein Business.

Für Fortgeschrittene: Du kannst auch mehre Artikel zusammenschneiden. Und schon erblickt ein erneuter Artikel von dir das Internet. Achte einfach darauf, dass du nicht mehr als 10 Minuten täglich investierst. Zeit ist bekanntlich Geld.

Wenn du das hochrechnest, bist du mit den ersten zwei Tipps bereits bei 624 Artikeln. Hey, knapp zwei Jahre Bloggen bei einem maximalen täglichen Einsatz von 10 Minuten.

Tipp 3 – Zelebriere dein Wissen und ritualisiere deine Blog-Artikel

Menschen lieben Rituale – Blogger:innen sind Menschen. Gib daher speziellen Tagen des Monats bestimmte Themen vor. Zwei dieser Artikel bestehen nur aus Bilder. Von denen findest du genügend im Netz. Einfach kopieren und verwenden. Mach dir bloss keine Gedanken um Copyright. Das machen alle so. Abgesehen davon: Für erfolgreiche Leute wie dich und mich gelten nun mal andere Regeln. That’s life!

Um dich zeitlich zu entlasten, hier meine Top-Tipps zu diesem Thema:

  • Am 6. des Monats stellst du einen Ort oder eine Sehenswürdigkeit mit einigen Bildern vor. Es ist völlig egal, ob du diesen Ort kennst oder nicht. Überprüft das jemand? Siehste!
  • Am 12. macht du bei dieser alten und verstaubten Tradition mit, bei der du 12 Bilder deines Tages postest. Du schüttelst berechtigterweise den Kopf, aber das scheinen Bloggerinnen zu mögen. Ob du tatsächlich eigene Bilder gemacht hast, ob die Bilder von diesem Tag stammen – who cares!

Für Fortgeschrittene: Schreib einige Worte unterhalb des Bildes (-> Beschriftung einfügen). Möglichst kryptisch. Ist nicht dein Problem, wenn Leserinnen deinem Intellekt nicht folgen können. Ausserdem macht dich diese Strategie gleich viel interessanter und du wirkst intelligent und souverän.

  • Am 18. gibst du Einblick in einen aktuellen Film oder einen Film, den man einfach gesehen haben muss. Kopiere Zusammenfassung sowie Bilder und stelle sie neu zusammen. Du wirst neue Trends setzen!
  • Am 24. brillierst du mit deinem politischen Wissen. Gib einen Rückblick mit Bildern über ausgewählte Themen des Weltgeschehens. Klingt nach mehr als 10 Minuten Einsatz? Mitnichten! Greif erneut auf bereits vorhandenes Material zurück und ordne es nach Belieben. Deine Leser:innen werden dir dankbar für diese Artikel sein. Statt dass sie sich über Aktualitäten informieren, verbraten die ja Stunden vor dem Bildschirm, um einen nichtssagenden Blog-Artikel zu verfassen. Dank dir wissen sie, was ausserhalb ihrer vier Wände geschieht.

Du wirst sehr schnell merken, die Leser:innen deines Blogs werden dich besonders für diese Artikel bewundern und schätzen. Viel gereist, belesen, immer topaktuell informiert, das bist du! Du bist einfach intelligent, das zeigt sich auch daran, dass du viele Anglizismen verwendest.

Tipp 4 – Gestalte dir deine eigene Wahrheit

Sprich deine Leser:innen mittels Übertreibungen und Lügen emotional an. Kreative Köpfe wie du und ich beherrschen die Kunst der Wahrheitsausgestaltung besonders gut. Die Wissenschaft hat durch diverse Studien belegt, dass die Fähigkeit zu flunkern, uns schlau und kreativ macht. Die Fähigkeit zu lügen, ist ausserdem eine wichtige Sozialkompetenz und hat zu Unrecht einen schlechten Ruf. Lügen und Übertreibungen tragen zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei und garantieren ein angenehmeres Zusammenleben. Also überaus positive Aspekte.

Konkret bedeutet das für dich: Um die nötige Aufmerksamkeit zu bekommen, darfst du also ungeniert lügen und übertreiben. Du bist intelligent, kreativ, einfühlsam und vertrauenswürdig. Nutze diese Gaben.

Und natürlich lässt du andere blöd aussehen. Aber das ist deren Problem. Du kannst deine Genialität ja nicht verleugnen. Je mehr sie sich über dich ärgern und aufregen, desto mehr bist du im Gespräch. Das steigert deine Reputation enorm.

Tipp 5 – Mach bei Blog-Paraden mit oder marketingmässig genial: rufe deine Blog-Parade ins Leben

Nirgends kriegst du mehr Aufmerksamkeit als bei Blog-Paraden. Günstigerweise wird dir da auch immer ein Thema vorgegeben. Mach daher bei jeder möglichen Blog-Parade mit. Und keine Angst – du musst nichts selber formulieren. Übersetze das Thema auf Englisch (Google Übersetzer), such einen englischen Blog-Artikel und … genau, du hast schon einiges gelernt 🙂 . Also Artikel kopieren, vom Google Übersetzer auf Deutsch übersetzen lassen. Fertig! Du brauchst den Artikel auch nicht mehr durchzulesen. Fehler und inhaltliche Lücken gehören zum guten Stil beim Bloggen. Lies dazu mehr im nächsten Tipp.

Für Fortgeschrittene: Als clevere Marketingstrategie rufst du eine eigene Blog-Parade ins Leben. Das Thema gibt dir dein aktuelles Zitat vor. Keine Panik vor der Formulierung. Copy-and-paste funktioniert auch hier. Anschliessend das alte Thema einfach durch dein neues ersetzen.

Das Geniale daran: Du brauchst nichts selbst zu schreiben. Die Teilnehmer:innen liefern dir ihre Artikel frei Haus, beziehungsweise frei Blog. Falls du gerade noch einige Minuten deiner 10 Minuten übrig hast, kannst du hier alle Informationen abrufen.

Tipp 6 – Du willst dennoch einen eigenen Blog-Artikel verfassen?

Davon kann ich dich ja leider nicht abhalten. Beachte dabei aber folgende Punkte. Halte dich unbedingt an die 10 Minuten Zeitbegrenzung! Konsequentes Arbeiten und das Einhalten von Regeln ist beim Bloggen von grösster Wichtigkeit! Kreativität beim Blogschreiben ist ein absolutes No-Go!

Deshalb gilt in diesem Falle:

  • Schreib eifach drauf los.
  • Lies das gelesene nicht mehr durch.
  • Die farbeigen Linien unter den Wörtern bedeuten gar nichts, das sind Enstpassnungsübungen für die augen.

Vergeude keine Zeit mit der Überarbeitung des Textes oder der Korrektur von Fehlern. Korrekturlesen und Überarbeiten beim Schreiben eines Blog-Artikels ist was für Anfänger:innen und wird total überbewertet. Leute wie du und ich lassen uns nicht durch Normen und kleinliche Regeln aufhalten.

Es ist im Übrigen bewiesen, dass das menschliche Gehirn auch sogenannt fehlerhafte Texte problemlos lesen und verstehen kann. Darum steh zu dir, zeige Charakterstärke, lass den Perfektionismus links liegen – du bist zu Höherem geboren.

Tipp 7 – Vermeide unbedingt persönliche Artikel

Das ist der wichtigste Tipp überhaupt! Vermeide jegliche Art von persönlichen Artikel.

Willst du etwa deine Leserschaft mit Monatsrückblicken langweilen (und das dann noch jeden Monat)? Warum sollten die wissen, was für ein Persönlichkeitstyp du bist? Was geht deine Leser:innen deine Bucket List an? Genau – gar nichts, überhaupt nichts! Das ist persönlich und privat und wird nicht ins Netz getragen. Dass du auch keine Bilder von dir postest, versteht sich wohl von selbst.

Du erinnerst dich sicherlich noch an das Zitat von Voltaire zu Beginn des Artikels. Von sich selber sprechen oder schreiben, ist was für Kleine. Und das bist du nicht. Du gehörst zu den Grossen! Also lass die Finger von persönlichen Artikeln.

Falls du die Ironie in diesem Beitrag erkannt hast …

und du so richtig bloggen möchtest, dann melde dich bei mir. Ich zeige dir, wie du mit der Methode der Écriture automatique auf eigene Ideen, kreativen Content und später zu einer stringenten Struktur kommst und Schreib-Blockaden überwindest.

Richtig bloggen bedeutet für mich:

  • eigene Ideen und Themen in Worte fassen
  • deinen Leser:innen Einblicke in deine Arbeit und Persönlichkeit geben
  • bereit sein, Zeit in das Schreiben und das Überarbeiten zu investieren
  • dich immer wieder überraschen lassen, welche Blog-Artikel sich dir aufdrängen.

12 von 12 im Oktober 2021

Heute ist wieder der 12. Oktober. Daher gibt es, wie es die Tradition verlangt, 12 Bilder des heutigen Tages. Und viele andere 12 von 12 lassen sich auch diesen Monat bei Draussennurkännchen ansehen.

Im Sommer war es noch bedeutend heller um 5 Uhr morgens.
„Du Mamma, schau mal, da ist ein Baum voller Corona“
Nana von Niki de Saint Phalle im Zürcher Hauptbahnhof
Endlich wieder einmal im Café Schober im Zürcher Niederdorf
Anscheinend ist der Kellner nicht gewohnt, dass zwei Leute vier Gipfeli zur Schoggi Mélange essen.
Mein Weg führte mich am Zürcher Landesmuseum vorbei.
Wirst du mein neues Schreibbuch? Ich habe mich noch nicht entscheiden können …
Da der Akku leer war, blieb mir nichts anderes übrig, als nach Hause zu gehen und zu arbeiten.
Bin geflasht über die tollen Migrationsportrait-Texte.
Kochen entspannt 🙂
Kürbis, rote Zwiebeln, Rosmarin …
… gemischt mit Babyspinat …
… mit Limonen, Sojasauce, Chiliflocken und Honig marinierte Pouletscheibchen darunterziehen.
Wie lange sie wohl noch genügend Sonne erhält um zu leuchten?

Erkenntnisse der schreibintensiven Blog-Dekade

Während 10 Tagen täglich einen Blog-Artikel schreiben und posten? Anfangs August wurde dieses Projekt von Franzi Blickle im Rahmen der Content Society lanciert. Wer mich kennt, weiss, dass ich mich gerne auf Projekte einlasse, von denen ich nicht weiss, wohin genau sie mich bringen werden. Trotzdem habe ich mich gefragt, ob die Blog-Dekade tatsächlich was für mich wäre.

Eine Verpflichtung eingehen, jeden Tag zu posten? Ich erinnerte mich an die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr. Da explodierte mein Postfach beinahe, weil die Blogger:innen anscheinend nichts anderes zu tun hatten, als einen Artikel nach dem anderen zu verfassen und zu posten. Das stresste mich als Leserin enorm, weshalb ich alle abonnierten Blogs und Newsletter löschte 🙂 .

Aber schliesslich siegte die Neugier und so machte ich an der Blog-Dekade mit.

Vorbereitung auf die Blog-Dekade

Vorgesehen war, dass man bereits im Vorfeld diese 10 Tage plant. Themen für kurze Artikel festlegen, den Entwurfsordner durchforsten und angefangene Artikel beenden, aktuelle Themen verarbeiten, aber jeden Tag veröffentlichen. Als Input und Ermutigung gab es jeden Morgen um 8:30 einen halbstündigen Austausch.

Eine Planung erstellen, worüber ich schreiben wollte? Da ich mich inzwischen einige Jahrzehnte kenne, verzichtete ich auf eine schriftliche Planung. Ich wusste genau, dass ich mich an keine Planung halten würde. Nicht, weil ich es nicht für sinnvoll halte. Aber gerade beim Schreiben lass ich mich von der Lust leiten. Worauf springt mein Geist an? Welche Texte wollen erschaffen oder beendet werden?

Auf den Austausch habe ich ebenfalls verzichtet, es waren Ferien, da schlief ich lieber aus. Ich habe jeden Tag geschrieben, aber nicht jeden Tag einen Artikel veröffentlicht. Warum nicht?

Täglich geschrieben, aber nicht täglich veröffentlicht?

Arbeite ich zur Ideenfindung eines Themas mit Écriture automatique, so habe ich am Ende viele Anregungen und Inputs in meinem Schreibbuch notiert, die dann nachwirken. Mir gefällt es, wie sich Gedankensplitter, Ideen und Worte miteinander verbinden und wachsen. Und dieser Prozess braucht Zeit. Ich liebe es, mit meinen Texten schwanger zu sein. Sie verändern sich und ich verändere mich mit ihnen. Diese Zeit generiert weitere Ideen, die vielleicht sogar früher ins Blickfeld des Netzes gestellt werden. 

Entwürfe, unfertige Texte zu veröffentlichen, ist für mich persönlich ein No-Go. Wenn ich eines hasse, dann veröffentlichte Texte nochmals zu überarbeiten. Nein, diese Aussage stimmt so nicht ganz. Ich habe absolut kein Problem, ältere Texte nochmals zu ergänzen, zu erweitern und zu verbessern. Aber ich mag keine veröffentlichten Entwürfe nochmals überarbeiten. Ergo, veröffentliche ich keine Entwürfe.

Ein Entwurf sind erste Gedanken, Leitplanken, er bildet das Skelett des Artikels. In sich noch instabil und nicht tragend, dafür kreativ, inspirierend und dynamisch. Und dann entwickelt sich der Entwurf nach und nach zu einem Text. Durch die Überarbeitungen, durch meine Aufmerksamkeit und die Zeit, die ich ihm zur Reifung gebe.

Das ist wie Brotbacken. Aus den Zutaten entsteht ein Teig, erst noch klebrig, durch das Kneten wird er glatt. Er braucht viel Zeit um aufzugehen, auch das Backen benötigt seine Zeit. Nur so entsteht ein leckeres Brot.

Ich mache einen Riesenbogen um Blogs, deren Artikel unfertig, redundant, gespickt mit inhaltlichen und Orthografiefehlern sind. Selbst wenn die Autor:innen wirklich was zu erzählen hätte. Um bei der Brot-Allegorie zu bleiben. Ich wäre auch im besten Hotel nicht zufrieden, wenn ich zum Frühstück statt einiger Scheiben Brot eine Schüssel Teig hingestellt bekäme.

Ich habe also nicht jeden Tag veröffentlicht, aber ich habe jeden Tag an meinen Blog-Artikeln geschrieben. Auch hier stellt sich die Fragen nach dem Warum?

Einerseits hatte ich, dank der Sommerferien, Zeit und Musse um zu schreiben. Im Alltag muss ich mir Nischen und Platz schaffen, um in Ruhe und ungestört schreiben zu können. In den Ferien ist dieser Raum vorhanden und kann genutzt werden. Andererseits wusste ich, dass an vielen anderen Orten ebenfalls geschrieben wurde. Die Gemeinschaft, wenn auch nicht physisch wahrnehmbar, hat die Idee getragen und mich als Schreibende motiviert.

Erkenntnisse aus der Blog-Dekade

Welche Erkenntnisse habe ich durch dieses Projekt gewonnen? Ich lasse mich gerne inspirieren, aber ich höre auf meine Intuition. Wenn sich etwas nicht gut anfühlt, dann mache ich es nicht. Oder zumindest nicht so, wie es angedacht war, sondern so wie es zu mir und meiner Haltung passt.

In diesen 10 Tagen habe ich einen vertieften Einblick in meine persönlichen Schreibprozesse erhalten. Sie sind mit der Zubereitung einer Speise vergleichbar. Neben den Zutaten, die sich alle beschaffen können, braucht es vor allem Zeit, Musse, Geduld und Hingabe. Ohne diese vier Faktoren gelingen weder Speisen noch entstehen gute Texte.

Würde ich wieder an einer Blog-Dekade mitmachen? Ein ganz klares Ja! Ich habe in diesen zehn Tagen nicht nur Artikel produziert, sondern auch Einblicke in mein Schreiben und meine Haltung zum Schreiben erhalten. Teilweise waren sie mir bereits früher bewusst, teilweise haben sie sich während der Blog-Dekade manifestiert.

Während der Blog-Dekade sind folgende Texte entstanden

  • Was ist Écriture automatique? Dieser Artikel bildet die Grundlage meiner Tätigkeit als Schreibberaterin. Es ist auch der Artikel, auf den ich in meinen Weiterbildungen immer wieder zurückgreife.
  • Der zweite Artikel befasst sich mit den Faktoren, die den Schreibfluss begünstigen.
  • Bisher habe ich noch keine Rezepte von mir veröffentlicht. Aber während der Blog-Dekade verfasste ich einen Artikel über Göttliche Speisen.
  • Der Juli-Rückblick durfte natürlich auch nicht fehlen. Endlich hatte ich viele Fotos, die ich verwerten konnte.
  • SEO, Yoast und grüne Ampeln. Aus einem Wutanfall entstanden, habe ich überraschende Erkenntnisse gewonnen.
  • Nicht während der Blog-Dekade veröffentlicht, aber in dieser Zeit entstanden: Die Anleitung zum Verfassen einer schriftlichen Arbeit. Sie entwickelte sich während des ganzen Augusts weiter, bis sie dann als 17-seitiges Dokument den Schüler:innen abgegeben werden konnte.

„Und dann bin ich erwacht, es war alles nur ein Traum“: der Satz, der tolle Geschichten killt.

In diesem Artikel gehe ich der Frage nach, warum gute Texte am Ende durch den Killer-Satz „Und dann bin ich erwacht und alles war nur ein Traum“ zur Strecke gebracht werden.

Zwei häufige Roman- / Film-Situationen, in denen Leute etwas Besonderes erleben und dann war’s doch nur ein Traum

Situation 1

Du liest ein Buch oder eine Kurzgeschichte. Wow, ist das spannend geschrieben! Die Ereignisse ziehen dich in ihren Bann, du identifizierst dich mit einem oder sogar mehreren Protagonisten, die Geschichte geht auf ihren Höhepunkt zu, die Spannung steigt …

Du hast dich bereits gefragt, wohin dich die Geschichte führen wird, wie sie endet … und dann liest du den Satz: Und dann bin ich aufgewacht, es war alles nur ein Traum.

Situation 2

Du schaust dir einen spannenden Film oder eine Serie an. Der Protagonist befindet sich in einer ausweglosen Situation, es scheint, als ob nichts mehr die Katastrophe abwenden könnte und genau in dem Moment, in dem …

Schnitt – du siehst den Protagonisten, wie er verschwitzt, verängstigt in seinem Bett liegt und weisst: Er ist gerade erwacht, es war alles nur ein Traum.

Selbst ein Eimer kaltes Wasser wäre nicht wirkungsvoller gewesen, um dich aus der Traumwelt, in der du dich befunden hast, wieder in die Realität zurückzukatapultieren. Ein billiger dramaturgische Trick, um eine (ausweglose?) Geschichte aufzulösen. Ein Trick, der mich als Leserin regelmässig frustriert zurücklässt.

Warum muss es immer ein Traum sein, aus dem man erwacht?

Als Schreibberaterin lese ich viele Sätze, viele Texte, viele Geschichten. Und immer wieder stelle ich fest, dass sich gerade junge, ungeübte Schreiber:innen dieses Schlusssatzes bedienen.

Wovor haben sie Angst, dass sie ihre Texte durch diesen Schlusssatz überflüssig machen? Warum getrauen sie sich nicht, ein offenes Ende stehenzulassen, das die Leserin zum Weiterdenken, das die Fantasie der Leserin anregt?

Drei Thesen

Meine drei Thesen für den Gebrauch des Schlusssatzes „Und dann wachte ich auf. Es war nur ein Traum“ lauten: Meine Schreibenden …

  1. bekommen Angst vor ihrer Fantasie und Kreativität.
  2. sind es sich gewohnt, dass eine Geschichte ein Ende haben muss.
  3. kennen das offene Ende noch nicht oder müssen sich erst noch an dieses Konzept gewöhnen.

Meine Teilnehmenden der Schreibkurse lernen ihren Intellekt und somit ihre Kontrolle während des Schreibens auszuschalten oder zumindest zu vermindern. Sie sollen sich dem Flow des Schreibens hingeben, Ideen zulassen und sie einfach aufs Papier bringen.

Ohne Wertung. Schreiben, was geschrieben werden will. Es ist ein ausgesprochen kreativer Prozess. Es geht nicht um Flucht vor der Realität. Vielmehr soll der Realität, die jedem von uns innewohnt, ein Ventil gegeben werden, damit sie sich manifestieren kann.

Phantasie ist nicht Ausflucht. Denn sich etwas vorstellen, heisst, eine Welt bauen, eine Welt erschaffen.
(Eugène Ionesco)

So entstehen neue Gedanken, unerwartete Wendungen werden formuliert und der Stift oder die eigenen Finger übernehmen die Kontrolle. Buchstaben purzeln aus unserem Innern, verbinden sich zu Worten, die aneinandergereiht Sätze ergeben. Sätze, mit denen eine neue Welt erbaut wird. Sätze, die Leser:innen an der Hand nehmen und sie staunen oder erschauern lassen, sie verblüffen, sie in neue Länder entführt.

Der Traum ist der beste Beweis dafür, dass wir nicht so fest in unsere Haut eingeschlossen sind, als es scheint.
(Friedrich Hebbel)

Die Autor:innen haben uns Leser:innen den Zugang und den Blick in eine andere Welt erlaubt. Sie lassen uns fühlen und manipulieren uns mit ihren Worten. Und wir Leser:innen merken, dass wir uns gerne betören lassen und folgen ihren Worten Satz für Satz.

1. Die Autor:innen kriegen Angst vor ihrer Fantasie

Und die Schreibenden? Sie erwachen plötzlich aus ihrem Prozess, ihrem Traum, stellen fest, dass sie sich haben tragen lassen. Dass sie an Orte gelangt sind und Ereignisse erzählten, von denen sie nichts wussten.

Sie kriegen Angst. Angst vor ihrer Schöpfungskraft, Angst vor ihrer Fantasie. Sie sind überwältigt von der Grossartigkeit ihres Ausdruckes und kriegen Panik.

Und der einzige Ausweg, den sie sehen, ist die Zerstörung ihrer Welt. Das Plattmachen, das Relativieren ihrer Genialität. Indem sie ihre Geschichte als Traum bezeichnen, wähnen sie sich in Sicherheit, dass sie niemand belangen oder auf ihre Worte behaften kann.

Sie verstecken sich hinter ihrem Schlusssatz „Und dann wachte ich auf. Es war nur ein Traum“ und schlagen die Tür zur erschaffenen, neuen Welt mit einem Knall und vor der Nase der Lesenden zu. Dadurch verunmöglichen sie den Lesenden, weiterhin auf Entdeckungsreise in der neuen Welt zu gehen und sie zu erforschen.

2. Eine Geschichte braucht ein Ende

Und am liebsten ein schlüssiges, logisches Ende, wo alle Handlungsstränge zusammengeführt und geklärt werden. Das lernten wir bereits in der Schule. Also muss das richtig sein. Es mag auch durchaus richtig sein in gewissen Situationen.

Aber es ist definitiv falsch, wenn man sich in einem kreativen Schreibprozess befindet. Im kreativen Schreibprozess geht es um Inhalte, um Ideen und Fantasie. Jeder einzelne Satz besitzt Daseinsberechtigung. Jede Idee darf sich entwickeln und ausbreiten. Es gibt keine Einschränkungen durch Regeln. In diesem Schreibprozess ist alles möglich und erlaubt.

Die Möglichkeit, dass Träume wahr werden können, macht das Leben erst interessant.
(Paulo Coelho)

Wer sich öffnet, den Schreibprozess zulässt, die Gedanken nicht zensiert, wird völlig neue Welten entdeckten. Noch so viel unerforschtes Land liegt vor den Schreibenden und ein Ende ist nicht in Sicht.

Selbst während der Überarbeitung ist dieser Aufbruch in neue Welten spürbar. Es wird mit Worten und der Syntax experimentiert, entdeckt, verworfen, gerungen. Aber nie, gar nie, darf dieser ganze Prozess der Lächerlichkeit Preis gegeben und der Text degradiert werden, indem ihn als Traum bezeichnet.

Auch nicht, wenn man als Schreibende das Gefühl hat, der Text müsse enden. Auch dann nicht, wenn man das bisher immer so machte und dafür gelobt wurde. Schreibende sollen nie erwachen und ihre Tätigkeit als Traum bezeichnen müssen, damit ihre Texte für andere als gelungen erscheinen.

3. Die Schreibenden kennen das offene Ende noch nicht

Unter einem offenen Ende versteht man einen Schluss, bei dem Leser:innen nicht erfahren, wie die Geschichte weitergeht.

Dadurch ergeben sich für die Leser:innen verschiedene Möglichkeiten. Sie können sich einen Schluss ausdenken, der zur Logik der gelesenen Geschichte passt. Eine weitere Möglichkeit ergibt sich im Weiterspinnen, -denken der Ursprungsgeschichte. Dieses neue, eben erst entdeckte Land weiter auszukundschaften und sich durch den Text zu eigenen Gedanken, Geschichten motivieren lassen.

Gianni Rodari hat sich in Tante storie per giocare letzteres zunutze gemacht. Er erfand 19 Geschichten, zu denen er drei mögliche Schlüsse schrieb. Allerdings schlägt er seinen Leser:innen vor, die Variante zu wählen, die ihnen am meisten zusagt oder einen eigenen Schluss zu erfinden.

Texte schreiben und sie lesen ermöglichen uns Zugang zu neuen Welten.

Sechzig Sekunden der Träumerei sind sechzig Sekunden lebendiger Ruhe für Leib und Geist
(Prentice Mulford)

 

 

Wenn du Lust auf Texte von Jugendlichen hast, die garantiert nicht aus ihren Träumen erwachen, dann bist du im Schreibenblog richtig 🙂 .