Als ich Nina Payers Aufruf zur Blogparade „Wie entspannst du dich?“ las, war mir klar, dieses Thema bringt mich wieder ins Schreiben. Ich schreibe über kleine, unscheinbare Tools, die mir Entspannung und Freude in den Alltag bringen.
Haben wir uns aktuell mehr Anforderungen zu stellen?
Ninas einleitende Worte zu ihrer Blogparade entsprechen dem, was ich oft lese und höre. Wir lebten in einer Welt, die sich immer schneller drehe und in der die Anforderungen an uns ständig wachsten. Das Bedürfnis nach Entspannung sei grösser als je zuvor. Der ständige Druck, immer erreichbar zu sein, die tägliche Flut an Informationen und unser immer komplizierter werdender Alltag führten dazu, dass viele von uns das Gefühl hätten, ständig auf Hochtouren zu laufen.
Auch wenn der Stresspegel heutzutage scheinbar gestiegen ist, bin ich nicht überzeugt, dass er wirklich höher ist als früher. Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe. Zum einen hatten Menschen schon immer mit unterschiedlichen Herausforderungen zu kämpfen. Erwerbslosigkeit, gesundheitliche Probleme, soziale Verpflichtungen und der ständige Druck, die eigenen Bedürfnisse hinter die der Gemeinschaft zu stellen, haben die Menschen bereits früher stark beansprucht.
Bereits vor Handys und Internet, also zu Zeiten meiner Eltern und Grosseltern waren die Menschen gefordert. Grossfamilien, Abhängigkeit vom Wetter und die Sorge darüber, ob genügend Geld für Kleidung, Essen und Bildung vorhanden ist, waren damals schon zentrale Themen des Alltags. Auch das Sich-Zurücknehmen für das Wohl der Familie und der Allgemeinheit sowie die Sorge um die Nachbarn und die älteren Menschen spielten eine wichtige Rolle.
Was sich jedoch verändert hat, ist der Wechsel von der Wir- zur Ich-Gesellschaft. Hatte man sich früher gegenseitig unterstützt, so kümmert sich der heutige Mensch in erster Linie um sich selbst. Sich mit Lebensmitteln auszuhelfen, für betagte Mitmenschen einkaufen oder für sie zu kochen, haben keinen Platz mehr. Nachbarschaftshilfe, wie das gemeinsame Schneeräumen im Winter oder das Teilen von Werkzeugen und Geräten, ist selten geworden.
Die Bereitschaft, aufeinander aufzupassen und einander zu unterstützen, etwa durch Kinderbetreuung oder Fahrgemeinschaften, nimmt ab. Auch der Zusammenhalt in Vereinen und Gemeinschaftsgruppen schwindet, da individuelle Freizeitgestaltung und persönliche Interessen oft Vorrang haben. Das gemeinsame Feiern von Festen und das gegenseitige Besuchen, um soziale Bindungen zu stärken, weicht immer mehr dem Rückzug ins Private.
Schliesslich wird die kollektive Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft zunehmend vernachlässigt, da das eigene Wohl und der persönliche Komfort oft im Vordergrund stehen.
Bevor ich dir aber meine Entspannungstipps verrate, erzähle ich dir, woran ich merke, dass ich angespannt bin.
Woran ich merke, dass ich Entspannung benötige
Mein Körper ist mein bester Freund und signalisiert mir sofort und unmissverständlich, wenn ich mich im Hamsterrad befinde und nicht zur Ruhe komme. Diese Signale sind wertvolle Hinweise darauf, dass ich gestresst oder angespannt bin. Dennoch muss ich zugeben, dass ich nicht immer bereit bin, auf diese Signale zu hören. Im Laufe der Zeit habe ich ausgefeilte Techniken entwickelt, um diese Hinweise zu ignorieren. Zu meinem Glück verfügt mein Körper über eine gewisse Penetranz und findet immer neue Wege, mich dazu zu bringen, auf seine Signale zu achten.
Früher versuchte mein Körper es mit Kopfschmerzen, um mir Anspannung und Stress zu signalisieren. Diese Methode war jedoch nicht zielführend, da ich sie oft ignorierte oder mit Schmerzmitteln bekämpfte. Deshalb hat mein Körper seine Interventionen auf andere Körperteile verschoben, um sicherzustellen, dass ich seine Botschaften nicht übersehe.
Frühwarnzeichen und körperliche Veränderungen
Schon lange bevor ich mich getrieben und am Limit fühle, sind körperliche Zeichen sichtbar. Diese Frühwarnzeichen sind subtiler, aber dennoch deutlich erkennbar:
- Wenn ich gestresst bin und mir die Entspannung fehlt, verändert sich meine Haltung. Mein Rücken beginnt sich leicht zu krümmen und ich nehme eine gebeugte Haltung ein, die ich als „Banane“ bezeichne. Diese Veränderung in der Körperhaltung ist ein deutliches Zeichen dafür, dass ich mich in einer angespannten Situation befinde. Da sich die Haltung langsam verändert, nehme ich es oft zu spät wahr. Glücklicherweise habe ich aber Mitmenschen, die mich im Auge behalten und mich informieren.
- „Erwische“ ich den Rücken zu spät, reagiert mein Knie. Durch die fehlende aufrechte Haltung beginnt es zu schmerzen und seine Dienste einzustellen. Dieses Anzeichen ist nicht mehr zu ignorieren.
Als ich es trotzdem versuchte, bekam ich eine eindeutige Reaktion. Ich wollte aufstehen und meinen Schüler:innen ein Arbeitsblatt verteilen. Das Knie versagte, die Blätter flogen durch die Luft und ich landete am Boden. Eine Situation, an die mich meine inzwischen ehemaligen Schüler:innen gerne erinnern 🤣 und die mir nie mehr geschehen wird! - Ein weiteres Zeichen für fehlende Entspannung sind Verdauungsprobleme. Dass sie etwas mit meiner Anspannung zu tun haben, zeigt sich daran, dass sie nur während der Woche auftreten. Sobald das Wochenende anbricht, arbeitet meine Verdauung auf Hochtouren.
- Mein Geist ist unruhig, läuft pausenlos, Tag und Nacht. Ich schlafe unruhig, bin auch in meinen wirren Träumen am Denken und Aufgaben lösen. Dieser Zustand ist belastend.
- Ich bemerke eine zunehmende Reizbarkeit und Ungeduld im Umgang mit anderen Menschen. Kleinigkeiten, die mich normalerweise nicht stören, bringen mich plötzlich aus der Fassung.
Durch diese vielfältigen Signale versucht mein Körper, mich auf meine Anspannung aufmerksam zu machen. Es ist wichtig, diese Zeichen zu erkennen und ernst zu nehmen, um rechtzeitig Massnahmen zur Entspannung und Stressbewältigung zu ergreifen. Indem ich auf meinen Körper höre und seine Hinweise wahrnehme, sorge ich für mein Wohlbefinden und meine Entspannung.
Meine 9 besten Strategien in die Entspannung
Wenn ich mir diese Themen anschaue, wird der heutige Druck oft als hausgemacht deutlich. Wenn ich erkenne, dass meine fehlende Entspannung und mein Stress von mir selbst verursacht werden, kann ich leichter Abhilfe schaffen. Ich kämpfe dann nicht gegen dunkle Mächte, sondern setze mich wertschätzend, konstruktiv und lösungsorientiert mit den Ursachen auseinander.
Aus dem Bewusstsein, dass meine Mutter und Grossmütter vielen Anforderungen gerecht werden mussten, gleichzeitig aber entspannt und zufrieden wirkten und sich nie darüber beschwerten, habe ich einige Strategien bei ihnen abgeschaut 🤗.
Kochen entspannt mich ganz besonders
Beim bewussten Zubereiten einer Mahlzeit geht es um weit mehr als nur um das blosse Kochen. Es ist ein Prozess, bei dem jede Bewegung, jeder Handgriff und jeder Moment eine tiefere Bedeutung erhält. Es beginnt mit der Vorbereitung: das sorgfältige Zusammenstellen der Zutaten, das Rüsten von Gemüse, das liebevolle Schnippeln, das behutsame Braten. Diese Tätigkeiten erfordern Zeit, Hingabe und Muse.
Am liebsten wage ich mich an neue Rezepte. Es reizt mich, ungewohnte Kombinationen auszuprobieren und mit Aromen zu experimentieren, die meine Geschmacksknospen überraschen und erfreuen. Während ich koche, gönne ich mir und dem Gericht die nötige Zeit. Ich lasse mich nicht hetzen, sondern geniesse jede Phase des Kochens in vollen Zügen.
In diesen Momenten des Kochens finde ich Ruhe und Gelassenheit. Das rhythmische Schneiden von Karotten oder Zwiebeln hat eine fast meditative Wirkung. Manchmal zähle ich unbewusst die Schnitte und merke daran, dass ich noch ein wenig mehr Zeit benötige, um vollkommen in den Fluss des Tuns zu kommen. Doch je länger ich in der Küche stehe, desto mehr verschmelze ich mit meiner Aufgabe. Meine Gedanken dürfen abschweifen, sie dürfen träumen und wandern, und doch bleibt mein Körper im Hier und Jetzt verankert.
Beim Kochen finde ich einen Weg, mich auszudrücken, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen und gleichzeitig inneren Frieden zu finden.
Kochen ist eine Form der Selbstfürsorge, die mir Entspannung schenkt und dessen Produkt ich am Ende mit anderen teilen kann.




Geteilte Freude ist doppelte Freude
Die folgenden Aktivitäten, erfordern nicht viel Zeit und Planung, bieten mir aber eine wertvolle Unterbrechung des Alltags. Sie ermöglichen es, mich zu entspannen und abzuschalten. Durch diese kleinen, aber bedeutenden Pausen schaffe ich eine Zäsur im täglichen Ablauf, die sowohl meine körperliche als auch geistige Entspannung und Erholung fördert.
- Nach einer langen Arbeitswoche kann es sehr entspannend sein, sich noch mit Kollegen hinzusetzen und einige Worte zu wechseln. Dadurch fahre ich runter, entspanne mich und lasse stressige Gedanken los.
- Ein spontaner Besuch bei einer Freundin auf dem Nachhauseweg bietet die Gelegenheit, soziale Kontakte zu pflegen und sich auszutauschen. Diese kurzen, aber bedeutungsvollen Begegnungen stärken das Gefühl der Verbundenheit und ermöglichen Entspannung. Zudem bietet das Gespräch Ablenkung von beruflichen Verpflichtungen und eine willkommene Abwechslung im Alltag.
- Ich mag Blumen und weiss, dass ich nicht die Einzige bin 🙂 . Da mein Arbeitsweg an zwei Blumenfeldern vorbeiführt, ist es ein Leichtes, einen kleinen, frischen Blumenstrauss zu pflücken.
Wenn ich die Blumen einer anderen Lehrperson schenke oder ihr eine kleine Pflanze mitbringe, so fördert diese Handlung positive Emotionen, sowohl bei ihr als auch bei mir. Dies trägt zur Schaffung eines angenehmen und unterstützenden Arbeitsumfelds bei, was wiederum das allgemeine Wohlbefinden und die Zufriedenheit erhöht.

- Das Mitbringen von Brötchen zur Arbeit ist eine einfache Möglichkeit, die Gemeinschaft und das Miteinander im Team zu fördern. Die Pause mit frischen Brötchen schafft eine entspannte Atmosphäre und bietet die Gelegenheit, informelle Gespräche zu führen.

- Die Mittagspause gemeinsam mit jemandem zu verbringen, hat viele Vorteile. Es bietet eine Pause vom Arbeitsalltag und die Chance, sich in einer entspannten Umgebung auszutauschen. Diese sozialen Interaktionen helfen, mentale Ermüdung zu reduzieren, neue Energie zu tanken und die Motivation für den restlichen Arbeitstag zu steigern.
Deshalb bereite ich zweimal die Woche ein Mittagessen für zwei bis drei Kolleg:innen vor. Gemeinsam essen, austauschen, über Gott und die Welt zu diskutieren, zu philosophieren – wie wohltuend nach einem Morgen mit pubertierenden Jugendlichen 😜. - Ein gemeinsamer Spaziergang ist eine hervorragende Möglichkeit, sich zu entspannen und frische Luft zu schnappen. Bewegung fördert die Durchblutung und kann helfen, den Kopf freizubekommen. Unternehme ich den Spaziergang mit jemandem, kombiniere ich die Vorteile der körperlichen Aktivität mit sozialer Interaktion. Dies hilft, Stress abzubauen, kreative Gedanken anzuregen und eine allgemeine Verbesserung des emotionalen Wohlbefindens zu erreichen. Ich kann anschliessend entspannt weiterarbeiten 🙂 .
Handyfreie Tage zur Entspannung
Die Entscheidung, das Handy zeitweise zu Hause zu vergessen oder es auf lautlos zu stellen, ist ebenfalls eine Strategie, um mich zu entspannen.
Ich mag es nicht, dauernd erreichbar zu sein. Das führt zu Stress und der Angst etwas zu verpassen. Ohne die dauernden Unterbrechungen und Benachrichtigungen kann ich mich auf das Hier und Jetzt sowie meine Aufgabe konzentrieren und schaffe mir ungestörte Zeitfenster. Diese Phasen der Ruhe und Unabhängigkeit verhelfen mir zu Ausgeglichenheit und Entspannung.
Die Entscheidung, das Handy zeitweise zu Hause zu lassen oder es auf lautlos zu stellen, ist eine bewusste Wahl für ein entschleunigtes und stressfreies Leben. Mein Ziel ist es, die Kontrolle über die eigene Zeit und Aufmerksamkeit zu haben und das Leben in meinem Tempo und Rhythmus zu gestalten.
Meine Grosseltern und Eltern hatten die Gewohnheit, sich über Mittag immer kurz hinzulegen, lange bevor der Begriff „Powernap“ populär wurde. Als Kind konnte ich das Konzept nicht vollständig verstehen. Aber je älter ich werde, desto sympathischer erscheint mir diese Praxis. Nach dem Mittagessen oder nach der Arbeit mich kurz hinzulegen, ist für mich zu einem bewussten Rückzug aus der Hektik und dem Gewusel des Alltags geworden. Diese Pause ermöglicht mir eine Rückbesinnung auf mich selbst, mein Befinden, meinen Körper und meinen Atem.
Eine kurze Pause von nur 15 Minuten reicht völlig aus, um meinen Kreislauf zu normalisieren und meine Muskeln zu entspannen. Während dieser kurzen Ruhephase kann der Körper den Blutdruck und die Herzfrequenz senken, was zur allgemeinen körperlichen Entspannung beiträgt. Die Muskeln, die während des Tages angespannt wurden, können sich entspannen, was Verspannungen und Stress abbaut.
Das bewusste Hinlegen bietet nicht nur physische, sondern auch mentale und emotionale Erholung. Es schafft einen Moment der Stille und des Friedens, der es ermöglicht, meinen Geist zu klären und stressige Gedanken loszulassen. Diese kurze Auszeit ermöglicht mir, meine Gedanken zu ordnen und einen klareren Fokus zu gewinnen.
Wie bereits erwähnt, ist mein Beitrag als Teil der Blogparade der Content Society entstanden. Über 100 Teilnehmer:innen haben Aufrufe gestartet. Als ich eben die verschiedenen Themen nochmals gesichtet habe, ist mir aufgefallen, dass meine Entspannungstipps auch zu zwei anderen Blogparaden passen würden. Deshalb verlinke ich sie hier ebenfalls:
- Renata Mauz fragt in ihrer Blogparade nach, welche klaren Warnzeichen mir mein Körper schickt und wie ich Stress abbaue und loswerde.
- Birgit Buchmayers interessiert sich in ihrer Blogparade ebenfalls für physische und psychische Reaktionen bei Stress und Methoden, die beim Abbau helfen.
- Nach der Veröffentlichung ist Jutta Gründler auf meinen Artikel gestossen. Das Thema ihrer Blogparade lautet Schluss mit Stress – souverän im Alltag. Natürlich verlinke ich diesen Artikel sehr gerne mit ihrer Parade.
Liebe Gabriella,
deine Entspannungstipps sprechen mich sofort an. Denn unser Körper spricht 5-mal mehr mit uns als unser Verstand. Aber auf wen hören wir meist? Auf den Verstand! Doch unser Körper hat wichtige Botschaften für uns, besonders wenn es um Stress geht.
Vielleicht möchtest du auch an meiner Blogparade teilnehmen und deinen Blogartikel verlinken?
https://yuttayoga.de/blog/blogparade-schluss-mit-stress-souveraen-im-alltag/
Ganz liebe und atementspannte Grüße
Jutta
Liebe Gabriella,
gleich zwei auf einen Streich! Vielen Dank für deine Teilnahme auch an meiner Blogparade.
Und natürlich ist das Erkennen und Wahrnehmen der körperlichen Signale eine Methode oder Strategie, Stress abzubauen. Unser Körper zeigt uns doch ganz genau, wenn es zu viel ist und dringend ein Gang runtergeschaltet werden soll. Pausen sind soooo wichtig. Ich selber bin auch eine große Freundin von einem kurzen Mittagsschlaf.
Herzliche Grüße, Birgit