Was macht guten Unterricht wirklich aus und was steht ihm dabei im Weg?
Diese Frage begleitet mich. Im Klassenzimmer, in Gesprächen mit Kolleg:innen, in Momenten des Zweifelns genauso wie des Gelingens. Immer wieder stosse ich dabei auf feste Vorstellungen, scheinbar unumstössliche Wahrheiten darüber, wie Schule „sein muss“. Manche stammen noch aus unserer eigenen Schulzeit, andere sind tief in der Bildungskultur verankert. Sie prägen unser Denken, manchmal, ohne dass wir es bemerken.
Doch was passiert, wenn wir anfangen, diese Mythen zu hinterfragen?
Denn guter Unterricht lässt sich nicht in Regeln, Methoden oder Wahrheiten pressen. Er entsteht im Zwischenraum. Zwischen Planung und Spontaneität, zwischen Struktur und Beziehung. Die Realität im Klassenzimmer ist oft vielschichtiger, widersprüchlicher und überraschender als einfache Antworten es vermuten lassen.
In den folgenden Kapiteln werfe ich einen Blick auf zehn verbreitete Mythen über Unterricht und was passiert, wenn wir sie loslassen. Nicht, um alles anders zu machen. Sondern um freier denken zu können. Ehrlicher. Lebendiger.
Das Wahrheits-Barometer gibt an, wie viel Substanz ich diesem Mythos beimessen kann – subjektiv, aus Erfahrung, mit einem Augenzwinkern.
Mythos 1 – Guter Unterricht ist immer still
Wir alle tragen tief verwurzelte Bilder von Schule in uns, nicht selten geprägt durch unsere eigenen Lernerfahrungen. Das Ideal eines stillen Klassenzimmers, in dem konzentriert gearbeitet wird, wirkt auf viele beruhigend. Es signalisiert Kontrolle, Disziplin und vermeintliche Produktivität. Lautstärke hingegen gilt schnell als Zeichen von Unruhe, mangelnder Disziplin oder gar Kontrollverlust.
Stillarbeit hat ihren Wert. Ein Raum, in dem konzentriert gearbeitet wird, fühlt sich oft angenehm an, geordnet, ruhig, kontrolliert. Auch ich ertappe mich manchmal dabei, wie ich die Stille im Klassenzimmer mit „gutem Lernen“ verknüpfe. Es scheint ein Zeichen dafür zu sein, dass alles läuft, wie es soll.
Wenn Schüler:innen sich austauschen, diskutieren, gemeinsam Lösungen finden oder einander etwas erklären, wird es automatisch lebendiger. Diese Geräusche bedeuten nicht Störung, sondern Beteiligung. Es ist ein anderes Geräusch von Lernen. Vielleicht chaotischer, vielleicht weniger vorhersehbar, aber genauso wertvoll. Die Frage ist nicht: Ist es ruhig? Sondern: Was passiert in der Unruhe?
💡 Drei Gedanken zum Mitnehmen
Lernen klingt nicht immer leise.
Unruhe kann ein Zeichen für echtes Denken sein.
Frag dich: Was passiert in der Unruhe – nicht trotz, sondern wegen ihr?
Wahrheits-Barometer: 3/10
Stille wird oft mit Lernen verwechselt. Doch ein leises Klassenzimmer ist nicht automatisch ein lernendes Klassenzimmer.
Mythos 2 – Je mehr Inhalte, desto besser der Unterricht
Ich erinnere mich gut an meine Anfangsjahre. Da wollte ich alles „durchbringen“. Kein Thema auslassen, keine Lücke entstehen lassen, aus Angst, den Schüler:innen etwas vorzuenthalten. Aber irgendwann habe ich gemerkt: Wissen ist nicht gleich Bildung. Und viel Stoff heisst nicht automatisch viel Lernen.
Es braucht Zeit, um Dinge zu verstehen. Um Fragen zu stellen, um Verbindungen zu entdecken. Wenn ich nur „durchgehe“, bleibt oft nichts hängen, ausser dem Gefühl, gestresst zu sein. Weniger Inhalt kann mehr Tiefe bedeuten. Mehr Raum fürs Denken. Mehr Platz für Aha-Erlebnisse.
Guter Unterricht hat den Mut zur Reduktion. Er vertraut darauf, dass Verstehen wichtiger ist als Abhaken. Denn Lernen geschieht nicht im Tempo des Stoffplans, sondern im Rhythmus der Jugendlichen.
💡 Drei Gedanken zum Mitnehmen
Weniger ist oft mehr – wenn es Tiefe schafft.
Lernen braucht Zeit, nicht Tempo.
Reduktion ist kein Mangel, sondern pädagogischer Mut.
Wahrheits-Barometer: 3/10
Wer alles durchbringen will, bringt am Ende oft nichts rüber. Wissensfülle ist nicht dasselbe wie Bildungstiefe.
Mythos 3 – Guter Unterricht ist immer frontal
Frontalunterricht hat einen schlechten Ruf, oft zu Unrecht. Ich erlebe ihn als wertvoll, wenn er bewusst eingesetzt wird. Wenn ich vorn stehe, kann ich Orientierung geben, Zusammenhänge aufzeigen, einen roten Faden spannen. Gerade in Momenten der Unklarheit oder Überforderung kann das für Schüler:innen eine grosse Hilfe sein. Es schafft Sicherheit und die brauchen sie.
Aber guter Unterricht bleibt nicht dort stehen. Schüler:innen wollen mehr als zuhören. Sie möchten ausprobieren, mitdenken, sich einbringen. Sie brauchen Räume, in denen sie Fragen stellen dürfen, Fehler machen, diskutieren. Wenn Unterricht nur von vorn kommt, dann geht etwas verloren, nämlich das eigene Denken. Und das ist doch das Herz von Bildung.
Für mich liegt die Kunst darin, zu spüren, was gerade dran ist. Manchmal ist das eine klare Erklärung. Manchmal eine offene Aufgabe. Manchmal auch das bewusste Aushalten von Stille. Es gibt nicht die eine Methode für alle. Gruppenarbeit ist aber nicht automatisch besser. Sie braucht genauso Struktur und Zielklarheit wie jede andere Form. Am Ende zählt nicht das Wie, sondern das Warum. Und das darf sich jeden Tag neu zeigen.
💡 Drei Gedanken zum Mitnehmen
Frontalunterricht kann sinnvoll sein, wenn bewusst eingesetzt.
Beteiligung braucht Raum, nicht nur Redezeit.
Die Methode ist nie das Ziel, entscheidend ist, was sie bewirkt.
Wahrheits-Barometer: 5/10
Zuhören reicht nicht. Unterricht, der nur von vorn kommt, bleibt oft hinter seinem Potenzial zurück.
Mythos 4 – Alle Schüler:innen müssen dasselbe machen
Gleichbehandlung klingt zunächst fair. Alle bekommen dieselbe Aufgabe, denselben Zeitrahmen, dieselben Erwartungen. Und doch habe ich im Laufe der Jahre gemerkt: Gerechtigkeit hat nichts mit Gleichheit zu tun. Sie beginnt da, wo ich hinschaue und erkenne, dass nicht alle mit den gleichen Voraussetzungen starten.
Schüler:innen bringen so viel Unterschiedliches mit, eigene Geschichten, Sprachen, Interessen, Begabungen, Ängste. Wer das ignoriert, verlangt Anpassung, nicht Teilhabe. Für mich bedeutet gutes Unterrichten, Räume zu schaffen, in denen Verschiedenheit sein darf. Das heisst nicht, dass jede:r nur „sein/ihr Ding“ macht. Es heisst, wir sind gemeinsam unterwegs, aber nicht im Gleichschritt.
Differenzierung ist kein pädagogisches Extra. Sie ist Ausdruck von Achtung. Sie zeigt: Ich nehme dich ernst, mit dem, was du brauchst, kannst, willst. Und das verändert etwas. Nicht nur bei den Lernenden. Auch bei mir als Lehrperson. Denn plötzlich sehe ich nicht mehr Abweichungen, sondern Möglichkeiten.
💡 Drei Gedanken zum Mitnehmen
Gleichheit ist nicht Gerechtigkeit.
Unterschiedlichkeit ist kein Problem, sondern Realität.
Differenzierung zeigt: Ich sehe dich.
Wahrheits-Barometer: 2/10
Gleichbehandlung ist nicht automatisch gerecht. Wer alle gleich behandelt, sieht oft nicht, was sie wirklich brauchen.
Mythos 5 – Guter Unterricht braucht keine Fehler
Fehler fühlen sich oft unangenehm an. Ich kenne diesen Impuls, sofort eingreifen zu wollen, damit der Fehler nicht „hängen bleibt“. Als müsste ich ihn schnell korrigieren, bevor er Schaden anrichtet. Aber je länger ich unterrichte, desto klarer wird mir: Fehler sind kein Problem. Sie sind ein Zeichen, dass etwas in Bewegung ist.
Denn wer Fehler macht, denkt. Probiert aus. Geht ein Risiko ein. Und genau das ist Lernen. Wenn Schüler:innen spüren, dass sie keine Fehler machen dürfen, dann hören sie auf, Fragen zu stellen. Sie bleiben in der Komfortzone, sagen lieber nichts Falsches und verlieren dabei genau das, was Bildung lebendig macht: Neugier, Mut, Echtheit.
Eine gute Fehlerkultur stellt nicht das Ergebnis in den Mittelpunkt, sondern den Prozess. Sie fragt nicht: „Ist das richtig?“, sondern: „Wie bist du darauf gekommen?“ Fehler öffnen Türen zu Denkwegen, zu Gesprächen, zu echtem Verstehen. Und ich merke immer wieder: Dort, wo Scheitern erlaubt ist, entsteht etwas ganz Wertvolles – Vertrauen. Und das ist die Grundlage für jedes Lernen.
💡 Drei Gedanken zum Mitnehmen
Fehler sind Teil des Lernens, kein Makel.
Wer Fehler machen darf, traut sich mehr.
Frag nicht nur: Ist das richtig?, sondern: Wie bist du darauf gekommen?
Wahrheits-Barometer: 2/10
Wer keine Fehler macht, lernt nichts Neues. Lernen ohne Irrtum ist ein Mythos.
Mythos 6 – Digitale Medien machen den Unterricht automatisch besser
Digitale Medien sind da. Sie sind schnell, bunt, intuitiv und oft beeindruckend. Es ist verlockend zu glauben, dass moderner Unterricht vor allem digital sein muss. Aber ein gutes Tool macht noch keinen guten Unterricht. Technik kann viel, aber sie ersetzt keine Beziehung, keine Haltung, kein Nachdenken.
Ein Whiteboard ersetzt keine kluge Frage. Ein digitales Quiz wird erst dann spannend, wenn wir danach ins Gespräch kommen. Es geht nicht darum, möglichst viel Technik einzusetzen, sondern darum, sie gezielt einzubetten. Ich frage mich immer: Dient das Medium dem Lernen? Oder lenkt es eher davon ab?
Ich erlebe, wie Technik helfen kann, Lernwege zu öffnen: beim Visualisieren, beim individuellen Fördern, beim gemeinsamen Arbeiten. Aber genauso erlebe ich, wann ein Stift, ein Blatt Papier und ein gutes Gespräch mehr Tiefe bringen. Denn guter Unterricht ist kein Wettlauf um Tools, sondern ein Raum, in dem Denken wachsen darf.
💡 Drei Gedanken zum Mitnehmen
Technik ist ein Werkzeug, kein Ersatz für Beziehung.
Ein gutes Tool ersetzt kein gutes Gespräch.
Entscheidend ist: Dient es dem Lernen?
Wahrheits-Barometer: 5/10
Ein Tablet allein macht noch keinen guten Unterricht. Technik ersetzt keine pädagogische Haltung.
Mythos 7 – Noten zeigen, wie gut jemand gelernt hat
Noten wirken objektiv. Sie sollen klar zeigen, ob Lernziele erreicht wurden, oft gestützt durch Kriterien wie „löst Aufgaben mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad“ oder „erreicht grundlegende Lernziele“. Doch sie zeigen nur einen Teil des Ganzen.
Lernen ist mehr als ein Test. Es ist ein Prozess, in dem Denkwege, Anstrengung und Entwicklung eine Rolle spielen. Eine Zahl auf dem Zeugnis sagt wenig darüber, wie jemand gedacht, gefragt, sich bemüht oder etwas verstanden hat.
Wichtig ist: Nicht nur summative Tests zählen. Auch performative Leistungen – das, was im Unterricht sichtbar wird, wie Schüler:innen arbeiten, mitdenken, sich einbringen – fliesst in die Beurteilung ein. Guter Unterricht bewertet nicht nur das Ergebnis, sondern auch den Weg dorthin.
💡 Drei Gedanken zum Mitnehmen
Noten zeigen Ergebnisse, aber nicht den Weg dorthin.
Auch das, was im Unterricht sichtbar wird, zählt – nicht nur Tests.
Gute Beurteilung erkennt Entwicklung, nicht nur Leistung auf Knopfdruck.
Wahrheits-Barometer: 6/10
Eine Note ist keine ganze Geschichte. Sie zeigt ein Ergebnis, nicht den Weg dorthin.
Mythos 8 – Guter Unterricht folgt immer dem Lehrbuch
Ein gutes Lehrbuch kann sehr hilfreich sein. Es bietet Struktur, gibt Orientierung, entlastet. Ich nutze es gern als roter Faden, als Ideengeber. Aber mit der Zeit habe ich gemerkt: Unterricht ist mehr als das nächste Kapitel. Wenn ich zu sehr am Buch klebe, verliere ich schnell aus dem Blick, was im Raum wirklich passiert.
Denn manchmal taucht eine Frage auf, mit der niemand gerechnet hat. Oder ein Thema wird plötzlich lebendig, weil es gerade im Leben der Schüler:innen eine Rolle spielt. Dann braucht es Flexibilität. Die Bereitschaft, den geplanten Weg zu verlassen und gemeinsam eine neue Richtung einzuschlagen. Das ist kein Kontrollverlust, das ist pädagogischer Mut.
Für mich ist Flexibilität kein Gegensatz zu Professionalität. Im Gegenteil: Sie zeigt, dass ich wahrnehme, was wirklich dran ist. Dass ich bereit bin, mich auf das Leben im Klassenzimmer einzulassen, mit all seinen Abzweigungen, Haltestellen und Umwegen. Denn Lernen ist nicht linear. Es ist lebendig. Und manchmal geschieht das Wertvollste genau dort, wo kein Lehrbuch je hinschauen würde.
💡 Drei Gedanken zum Mitnehmen
Lehrbücher bieten Struktur – nicht Richtung.
Flexibilität ist kein Kontrollverlust, sondern Professionalität.
Unterricht darf lebendig bleiben – auch jenseits des Plans.
Wahrheits-Barometer: 4/10
Lehrbücher strukturieren, aber sie spüren nicht, was im Raum passiert. Lernen beginnt oft dort, wo der Plan endet.
Mythos 9 – Gute Lehrkräfte haben alles im Griff
Das Bild der souveränen, kontrollierten Lehrperson hält sich hartnäckig. Eine, die alles im Blick hat, nichts durchgehen lässt, immer die volle Kontrolle hat. Unterricht ist kein Uhrwerk. Er ist lebendig, unvorhersehbar und gerade darin liegt seine Kraft.
Gute Lehrer:innen setzen nicht auf Macht, sondern auf Beziehung. Ein klarer Rahmen ist wichtig, aber er braucht Wärme, Vertrauen, Verbindung. Schüler:innen folgen nicht der Lehrperson mit dem strengsten Ton, sondern der, bei der sie sich gesehen fühlen. Wer Verantwortung teilt, statt sie zu horten, schafft Räume, in denen Lernen wirklich möglich wird. Nicht durch Druck, sondern durch Vertrauen.
Ich glaube: Stärke zeigt sich nicht darin, alles zu kontrollieren. Sondern darin, gelassen zu bleiben, wenn etwas anders läuft als geplant. In der Bereitschaft, nicht alles zu steuern, sondern zuzuhören, zu begleiten, da zu sein. Kontrolle kann kurzfristig Ruhe schaffen. Aber echte Entwicklung entsteht, wenn Schüler:innen spüren: Hier darf ich sein. Nicht perfekt. Aber echt.
💡 Drei Gedanken zum Mitnehmen
Kontrolle schafft Ruhe, aber keine Beziehung.
Gelassenheit ist oft wirksamer als Strenge.
Stärke zeigt sich im Zuhören, nicht im Durchgreifen.
Wahrheits-Barometer: 4/10
Kontrolle ist keine Garantie für gutes Lernen. Vertrauen schon eher.
Mythos 10 – Routine verhindert guten Unterricht
Routine klingt für viele erst einmal langweilig. Nach Trott, nach Einengung. Doch in Wirklichkeit ist sie für viele Schüler:innen ein Anker im Alltag. Vertraute Abläufe geben Halt, reduzieren Unsicherheiten und schaffen Raum für das Wesentliche. Gerade in einer Welt, die sich ständig verändert, ist Orientierung etwas Kostbares.
Routinen schaffen Freiheit. Weil nicht alles ständig neu verhandelt werden muss, entsteht Raum für Spontanität, Kreativität und echtes Lernen. In der Sicherheit des Bekannten dürfen Schüler:innen sich ausprobieren, Fragen stellen, mutig denken.
Ich glaube: Guter Unterricht braucht Rhythmus, Rituale und klare Abmachungen. Nicht, um die Jugendlichen zu lenken, sondern um ihnen Raum zu geben. Denn wer sich sicher fühlt, kann sich öffnen. Wenn Vertrauen da ist und der Boden stabil genug ist, um zu wachsen, beginnt Lernen.
💡 Drei Gedanken zum Mitnehmen
Routinen geben Halt, nicht Langeweile.
Verlässlichkeit schafft Freiheit für Kreativität.
Wer sich sicher fühlt, kann sich trauen.
Wahrheits-Barometer: 3/10
Wer Routine meistert, schafft Freiraum. Struktur ist kein Käfig, sie ist ein Sprungbrett.
Und nun?
Guter Unterricht lässt sich nicht in Regeln, Methoden oder Wahrheiten pressen. Er entsteht im Zwischenraum. Zwischen Planung und Spontaneität, zwischen Struktur und Offenheit, zwischen Klarheit und Beziehung. Die Mythen, die wir über Schule und Lernen mit uns tragen, sind nicht nur persönliche Überzeugungen, sie formen auch unseren pädagogischen Alltag. Umso wichtiger ist es, sie zu hinterfragen.
Was bleibt? Vielleicht dies: Es gibt nicht den einen Weg, aber viele gute Fragen. Was brauchen meine Schüler:innen gerade wirklich? Was dient dem Lernen und was steht ihm im Weg? Und was bedeutet Bildung in einer Welt, die sich stetig verändert?
Wer bereit ist, zuzuhören, umzudenken und neu zu schauen, findet immer wieder frische Antworten. Nicht die endgültigen. Aber die echten.
Gibt es einen Mythos, der dich besonders beschäftigt? Oder einen, zu dem du gern mehr erfahren würdest?
Dann schreib es mir in die Kommentare. Vielleicht entsteht daraus der nächste Beitrag. Ich freue mich auf deinen Impuls!
Ein Artikel, der mir ausgesprochen gut gefällt. Bildung ist Beziehungsarbeit, das konnte ich auch aus deinen Worten sehr herauslesen. Und mit dieser Sichtweise wird Schweres viel leichter (und dort, wo wir uns es zu leicht machen, bringt es uns zum Nachdenken). Ich mag, wie du den Artikel gestaltet hast. Du weißt eben, wie man Informationen gut an den Mann und an die Frau bringt.
Liebe Frances
Dein Kommentar hat mich sehr gefreut, besonders weil ich das Gefühl habe: Wir ticken ganz ähnlich. Du hast in meinem Artikel das gespürt, was mir wesentlich ist – Beziehung als Herzstück von Bildung.
Ich war auf deiner Homepage und habe mich dort richtig wohlgefühlt. Schade, dass ihr nicht gleich um die Ecke wohnt, sonst hätte ich dich (und euch) sehr gern mal auf einen Tee oder Kaffee eingeladen zum gemeinsamen Nachdenken, Austauschen und Weiterdenken.
Hallo Gabriella, vielen Dank für diesen super aufbereiteten Artikel mit soviel Information und Denkanstößen. Was ich richtig gut finde, ist dein Wahrheitsbarometer. Es relativiert, was man immer glaubt und bringt auf den Weg, noch einmal gründlicher nachzudenken.
Viele Grüße
Jutta
Dass dir ausgerechnet das Wahrheitsbarometer gefallen hat, finde ich spannend. Ich war mir nämlich gar nicht so sicher, ob ich das tatsächlich einbauen will/soll. Es war so ein „Hm, kann ich das bringen?“–Moment.
Das ist sehr schön geschrieben. Ich habe alles mit Freude so gelesen. Wie groß sind deine Lerngruppen als Lehrperson? Wie viele anderssprachige Schüler*innen darfst du integrieren? Was hast du wie verändert? Wir in Berlin haben diese schöne Welt von Neugier, Prozess und Vertrauen nicht mehr. Wir erleben viel Resignation. Herzliche Grüße Claudia
Liebe Claudia
Herzlichen Dank für deinen lieben Kommentar. Es freut mich sehr, dass du meine Zeilen mit Freude gelesen hast!
Aktuell unterrichte ich zwei Klassen mit 20 bzw. 21 Schüler:innen. In jeder Klasse sind drei ISR-Schüler:innen integriert – das sind Jugendliche mit einem hohen besonderen Bildungsbedarf, die aber gut in der Regelklasse mitlernen können und zusätzlich von einem Heilpädagogen unterstützt werden können. Zusätzlich besuchen fünf Schüler:innen noch den DaZ-Unterricht, sie kommen aus der Türkei, Afghanistan, Italien, Portugal und Kolumbien. Die Vielfalt bringt viele schöne, aber natürlich auch herausfordernde Momente mit sich.
Meine Klassen sind sogenannte BC-Klassen. In der Sekundarschule im Kanton Zürich gibt es verschiedene Abteilungen (A, B und C), die sich nach schulischer Leistung, Arbeits- und Lernverhalten sowie dem Sozialverhalten richten. Das B-Profil ist etwas weniger anspruchsvoll als das A-Profil und bereitet meist auf eine Berufsausbildung vor. Die C-Abteilung ist stärker individualisiert und unterstützt gezielt mit angepasster Förderung.
Ich verstehe sehr gut, was du über die Resignation schreibst. Vor einigen Jahren ging es mir ähnlich. Ich war frustriert, weil ich das Gefühl hatte, keinen Schritt vorwärtszukommen, nichts blieb hängen, und sichtbare Erfolge blieben aus. In einem Gespräch mit einer Kollegin fragte sie mich, ob es denn wirklich keine Fortschritte gegeben habe. Ich sagte: „Doch, aber nur kleine.“ Und da hatte ich diesen Geistesblitz: Ich werde nicht mehr die Schritte messen, sondern die Millimeter. Ich nenne das „Millimeterle“.
Seitdem plane ich meinen Unterricht so, dass die Schüler:innen ganz kleine, aber spürbare Fortschritte machen können, Millimeter für Millimeter. Ich nehme diese wahr und sie auch. Das motiviert uns alle. Die Stimmung ist positiver, die Beziehungsebene wächst, und ich bin viel zufriedener mit meiner Arbeit.
Herzliche Grüsse aus Zürich
Gabriella