Wenn Wörter Türen öffnen
Einmal im Monat nehme ich euch mit hinter die Kulissen unseres Schreibenblogs. Ich erzähle, was uns bewegt, woran wir arbeiten, und was beim Schreiben zwischen den Zeilen passiert.
Der Schreibenblog ist mein Herzensprojekt, in dem meine Schüler:innen ihre eigenen Texte veröffentlichen – ehrlich, mutig und kreativ. Er gibt Einblick in ihre Gedanken, Träume und Sicht auf die Welt.
Im März habe ich in meinem Blogbeitrag Der Schreibenblog und die Kraft der Worte darüber geschrieben, wie Jugendliche durch das Schreiben ihre Stimmen finden und ihre Gedanken mit der Welt teilen.
Der April brachte nun ein ganz besonderes Highlight. Wir durften die drei Wörter für die ABC-Etüden beisteuern. Eine kleine Anfrage und gleichzeitig ein grosses Geschenk. Denn plötzlich arbeiteten wir nicht mehr nur mit Vorgaben anderer, sondern wurden selbst Teil der Impulsgeber:innen.
Und genau davon möchte ich euch heute erzählen: Von dieser Erfahrung, von der Wortsuche und von dem, was zwischen Zeilen, Köpfen und Herzen passiert ist.
Was ist eine ABC-Etüde?
Die ABC-Etüden sind eine Schreibaktion, die regelmässig auf dem Blog „Irgendwas ist immer“ von Christiane stattfindet.
Das Konzept ist einfach, aber genial:
- Drei vorgegebene Wörter müssen im Text vorkommen
- Maximal 300 Wörter
- Keine inhaltlichen Vorgaben – Genre, Stil, Perspektive: alles ist erlaubt
Viele Blogger:innen machen regelmässig mit, verlinken ihre Beiträge unter dem aktuellen Etüden-Post und kommentieren einander. Es ist also nicht nur ein kreatives Format, sondern auch ein tolles Netzwerk aus Wortliebhaber:innen.
Was das für uns bedeutete, wurde erst so richtig spürbar, als wir selbst in die Rolle der Wortgeber:innen schlüpfen durften.
Auf der Suche nach den richtigen Wörtern
Die Schüler:innen sind grosse Fans der ABC-Etüden. Sie lieben die Mischung aus Freiheit und Herausforderung und wie aus wenigen Wörtern ganz unterschiedliche Texte entstehen können. Als wir gefragt wurden, ob wir im April die Wörter beisteuern möchten, war die Begeisterung sofort da.
Was dann geschah, hat mich ehrlich beeindruckt. Wie viel Herzblut, Feingefühl und Diskussion in die Wortwahl floss, wie ernst sie die Aufgabe nahmen. Es war einfach schön zu beobachten und mitzuerleben.
Schreiben heisst auch an andere denken
Die Wortsuche wurde zu einem kreativen Prozess voller Überraschungen. Ein Spiegel dessen, wie meine Schüler:innen ticken, denken und fühlen. Zuerst landeten ganz selbstverständlich Begriffe aus ihrer Lebenswelt auf dem Tisch: Glow up, Skin care, dissen, snacken, chillen, creepy. Wörter, die für sie ganz selbstverständlich, direkt, popkulturell und frisch sind.
Doch dann kam die Frage auf: Wer liest und schreibt eigentlich die ABC-Etüden?
Und wird Christianes Publikum mit diesen Begriffen überhaupt etwas anfangen können?
(Ihr wisst ja – aus Sicht von Jugendlichen gelten Menschen über 30 oft schon als „alt“ und weltfremd. 😉)
Wörter, die verbinden sollen
Also starteten wir eine neue Runde, mit einem neuen Anspruch. Unser Ziel war jetzt, Wörter zu finden, die alle inspirieren können, quer durch Altersgruppen, Schreibstile und Lebenserfahrungen.
Und plötzlich ging es nicht mehr nur um „coole“ Begriffe oder originelle Ideen. Es ging um mehr: um Kommunikation, um Rücksichtnahme, um Empathie.
Sie diskutierten, probierten aus, verwarfen Vorschläge, stimmten ab. Vor allem aber begannen sie, sich in andere hineinzuversetzen.
Was löst ein Wort bei jemandem aus, der ganz anders lebt als ich?
Welche Begriffe öffnen Räume, statt sie zu verschliessen?
Welche Sprache verbindet?
Aus einer Wortsuche wurde ein Dialog. Ein Austausch über Sprache, über Wirkung, über Verantwortung. Ich bin wirklich stolz auf ihr Engagement.
Das Ergebnis: Drei Wörter, viele Welten
Am Ende einigten sich meine Schüler:innen auf drei Wörter, mit denen wir sehr glücklich sind: quellen, unmenschlich und Ameise.
Drei sehr unterschiedliche Wörter, die etwas gemeinsam haben: Sie lassen Raum. Sie fordern heraus. Sie führen in neue Welten. Sie erzählen noch nichts. Aber sie laden dazu ein, Geschichten zu entdecken.
Wortwelten wachsen weiter
Natürlich möchten wir nicht nur Wörter beisteuern, sondern auch selbst mit ihnen arbeiten, spielen und schreiben. Im April entstehen auf dem Schreibenblog verschiedene Texte, alle inspiriert von quellen, unmenschlich und Ameise.
Hast du Lust bekommen, selbst eine Etüde zu schreiben? Dann nutze quellen, unmenschlich und Ameise und teile deinen Beitrag auf Christianes Blog Irgendwas ist immer. Dort werden alle Etüden gesammelt, kommentiert und verlinkt.
Wir freuen uns über jeden Beitrag, jeden Kommentar, jede Idee, die sich aus diesen drei kleinen Wörtern entfalten.
🥳 Das sind die ABC-Etüden im April 2025 🥳
👉 Alle Beiträge aus dem Schreibenblog zu diesen drei Wörtern werden hier im Beitrag nach und nach verlinkt, damit ihr sie gebündelt finden und mitverfolgen könnt.
- Elsa: Wunderschöner Sonntag mit der Familie
- Yanic: Ein Sonntag zwischen Lärm und Erinnerungen
- Liyah: Die Verwandlung (Teil 1)
- Liyah: Der Anfang vom Wahnsinn (Teil 2)
- Liyah: Die Geburt der Nachkommen (Teil 3)
- Amal: Der seltsame Wald
- Dimitri: Eine Ameise, die Wasser wollte
- Aurora: Mein Pechtag (Teil 1)
- Aurora: Mein Pechtag (Teil 2)
- Liam: Hungersnot bei den Ameisen
- Rose: Vom Quellen und Quälen
- Dario: Geschäftsausflug nach Kanada (Teil 1)
- Dario: Geschäftsausflug nach Kanada (Teil 2)
- Ajan: Die Geschichte von Abdi und seinem Affen Abu
- Janis: Was eine Ameise wohl für Stress hat
- Aylin: Ein sonniger Tag am See
- Linus: Das Nest und der Neid (Teil 2)
- Linus: Das Nest und der Neid (Teil 2)
👉 Ausserdem findet ihr Etüden anderer Schreiber:innen, die sich von unseren Wörtern inspirieren liessen, hier.
- Claudia auf Der Keks und seine Krümel: Die Hochzeit
- Claudia auf Der Keks und seine Krümel: Gesucht – Gefunden
- Heidi auf Erinnerungswerkstatt: Auszeit
- Werner auf Mit Worten Gedanken horten: Palim Palim
- Werner auf Mit Worten Gedanken horten: Morphing
- Werner auf Mit Worten Gedanken horten: Der Eierdieb
- Werner auf Mit Worten Gedanken horten: Der Kommissar geht um
- Werner auf Mit Worten Gedanken horten: Vorstandssitzung
- Sabine auf wortgeflumselkritzelkram: Ohne Titel
- Sabine auf wortgeflumselkritzelkram: Ohne Titel II
- Sabine auf wortgeflumselkritzelkram: Ohne Titel III
- Sabine auf wortgeflumselkritzelkram: Ohne Titel IV
- Sabine auf wortgeflumselkritzelkram: Ein Märchen
- Heide/Puzzleblume auf puzzle ❀: Günther hat Urlaub
- Heide/Puzzleblume auf puzzle ❀: Das
- Cynthia auf Querfühlerin: Haufenweise
- Cynthia auf Querfühlerin: Flashback
- Cynthia auf Querfühlerin: Herr Professor
- Cynthia auf Querfühlerin: Dystopischer Versuch
- Cynthia auf Querfühlerin: Traumhaft
- m.mama auf L wie … : Was wäre wenn …
- m.mama auf L wie … : Die alte Villa
- m.mama auf L wie … : 2 Ameisen mit einer Klappe oder so 😉
- m.mama auf L wie … : 2084
- m.mama auf L wie … : Wortloses Warten
- m.mama auf L wie … : Partystimmungstöter
- Gerda von GERDA KAZAKOU: Von Ameisen und Menschen
- Gerda von GERDA KAZAKOU: Von Ameisen und Menschen II
- Erik auf Blogissimo: Die Ameise im Quark
- Monika auf Allerlei Gedanken: Auf unbestimmte Zeit
- Monika auf Allerlei Gedanken: Dieses Pilzdings
- Jane auf Blood, Tears, Gold & Minds: Namenlos
- Natalie im Fundvogelnest: Geburtstagswunsch
- Natalie im Fundvogelnest: Der Tierfreund
- Natalie im Fundvogelnest: Bienendurchsicht
- Tanja auf Stachelbeermond: Frau Mollendiek badet
- Christiane auf Irgendwas ist immer: Die Ameisen, das Katzenfutter und ich
- Carina auf Coffee to stay: Ameisengleich unmenschliches leisten
- Katharina auf Katha kritzelt: Misslungenes Frühstück
Hallo Gabriella, ich habe noch nie etwas von den Abc-Etüden gehört und erinnert mich an eine Aktion von damals, einen Satzanfang auf drei Zeilen zu erweitern. Mir sind bei den Worten sofort Ideen ins Gehirn geschossen. Ich glaube, ich versuche es auch mal … Danke für die Anregung! Liebe Grüße
Kerstin
Wie schön, dass dir bei den drei Wörtern sofort Ideen in den Kopf geschossen sind. Genau das ist das Faszinierende an den Etüden, finde ich. Ich bin vor einigen Jahren zufällig über Christianes Blog und die ABC-Etüden gestolpert. Für meinen Schreibenblog ist das eine optimale Aufgabe. Maximal 300 Wörter, das ist auch für schwächere Schüler:innen gut machbar. Ich selbst habe mich zweimal daran versucht, aber es scheint (noch) nicht ganz mein Ding zu sein.
Spannend, dass dich das an die frühere Aktion mit den drei Zeilen erinnert hat. Ich bin sehr gespannt, ob du tatsächlich mitmachst. Es würde mich freuen, etwas von dir zu lesen! Und wie schön, dass mein Beitrag dich inspiriert hat 😊
Und ich finde es toll, mit welchem Feuereifer ihr bei der Sache seid, und freue mich sehr, dass meine Einladung zur Wortspende bei euch so große Begeisterung und Diskussionen hervorgerufen hat!
Vormittagskaffeegrüße 😀