12 von 12 im Oktober 2022 – Genuss & Kultur

Nein, ich mache in der Regel keine Extrareisen oder Kapriolen, um ein möglichst spezielles, aussergewöhnliches 12 von 12 zu realisieren. Ich dokumentiere meinen All-Tag, der sich nur deshalb von den anderen abhebt, weil er der 12. des Monats ist.

Heute ist es aber tatsächlich ein wenig anders. Der 12. fällt in unsere gemeinsame Woche Ferien. Diesen Tag verbrachten wir nach dem Motto „Warum in die Ferne schweifen? Das Gute liegt so nah“. Und so wird dieses 12 von 12 informationslastiger als die bisherigen.

Der Tag beginnt mit diesem wunderschönen Herbststrauss. Den verdanke ich meiner unterrichtsfreien Zeit. Was das bedeutet? Wenn Schulferien sind und ich folglich mehr Zeit als gewöhnlich zu Hause verbringe, schenkt mir Marc einen Blumenstrauss, den ich wirklich bewundern und geniessen kann.


Das Gute an diesem Tage geht weiter und führt uns direkt ins Paradies. Ich überrasche Marc, lotse ihn nach Eden. Was gibt es Schöneres, als sich mit einer himmlischen Massage verwöhnen zu lassen?


Unser Rückweg führt am Opernhaus vorbei. Endlich habe ich die Gelegenheit, etwas über die folgende Statue zu erzählen. (Wer mich kennt, weiss, dass ich Geschichten liebe!)

„Die Schreitende“ steht auf der Treppenanlage vor dem Opernhaus in Zürich. Das Werk wird momentan gereinigt und anschliessend neu platziert. Geschaffen wurde die Plastik von Otto Charles Bänninger. Er gewann 1942 den ausgeschriebenen Wettbewerb für eine Freiplastik auf dem Sechseläutenplatz.

Modell für diese Bronzeplastik stand Giuditta Tommasi, eine für die 50er-Jahre kontroverse Frau. Sie war eine der ersten Frauen in Zürich, die ihre Homosexualität offen lebte.


Nächste Station auf unserer Tour de Zurich. An Weihnachten 2016!! bekamen wir einen Gutschein für eine Rikschafahrt von meiner Mutter geschenkt. Den lösen wir heute nun endlich ein! 90 Minuten lang durch die Stadt gefahren werden und dabei viele Geschichten über Zürich erfahren, ist echt etwas ganz Besonderes. Warum unternimmt man solche Abenteuer nur im Ausland und praktisch nie vor der eigenen Haustür? Einige Impressionen und Informationen finden ebenfalls Platz in diesem 12 von 12.


An der Bahnhofstrasse steht auf einer kleinen Wiese das Denkmal von Johann Heinrich Pestalozzi, einem Pädagogen. Er gilt als Vorläufer der Reformpädagogik. Wie viele der berühmten und bekannten Pädagog:innen hat jedoch auch er sich bei der Erziehung seines eigenen Nachwuchses nicht mit Ruhm bekleckert.

Interessant oder vielleicht bereits symbolhaft ist jedoch die Wiese, wo das besagte Denkmal steht. Auf dieser Parzelle befand sich bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Hinrichtungsstätte der Stadt Zürich. 1873 wurde an dieser Stelle ein Schulhaus gebaut. Nachdem es abgerissen wurde, entstand Ende der 60er-Jahre das Warenhaus Globus.

Diese Wiese an der Bahnhofstrasse steht heute übrigens unter Denkmalschutz und darf nicht überbaut werden. Daher wird die Pestalozzianlage auch gerne als teuerste Wiese der Schweiz bezeichnet.


Und was geschieht im Globus ganz aktuell? Richtig, die Weihnachtsdekorationen werden aufgebaut. Immerhin ist es bereits Mitte Oktober! Ich habe mich köstlich über die veganen Christbaumkugeln amüsiert. Wennschon, dennschon! (Und beim Schreiben lernte ich, dass diese Ausdrücke zusammengeschrieben werden – auch wenn es gewöhnungsbedürftig aussieht).



Ein Junge, der auf einem Frosch sitzt, ist unser nächster Stopp. Dieses Denkmal steht direkt neben der Predigerkirche, die wiederum neben der Zentralbibliothek steht, und erinnert an Christoph Froschauer.

Wie man heute weiss, thematisiert die erste Druckarbeit Froschauers, die Geburt eines Hermaphroditen am 1. Januar 1519. Aber nicht deshalb wurde Froschauer mit einer Statue verewigt. In Froschauers Druckerei wurde 1531 die erste Bibel auf Deutsch gedruckt, die sogenannte Froschauer-Bibel. Und das drei Jahre vor Luthers Bibel.

Die Schriften Froschauers brachten die Menschen zum Lesen, wodurch die Alphabetisierung in der Stadt Zürich vorangetrieben wurde. So haben wir Zürcher:innen diesem Mann wohl einiges zu verdanken.

Die Graphischen Betriebe Orell Füssli stammen aus den Wurzeln von Christoph Froschauers Druckerei. Orell Füssli (stellt unter anderem die Schweizer Banknoten her) feierte daher 2019 seinen 500-jährigen Geburtstag und wird zu den 200 ältestem Firmen der Welt gezählt. Ob Froschauer sich diesen Erfolg je erträumt hat?


Blickt man von der Niederdorfseite über die Limmat, so fällt einem sofort die Lindenhofmauer auf. Natürlich gibt es auch über den Lindenhof eine Geschichte, eine von listigen, wehrhaften Frauen.

Im 13. Jahrhundert fielen so viele Zürcher im Krieg gegen Winterthur, dass die Stadt praktisch wehrlos zurückblieb. Natürlich wollten die Winterthurer diese günstige Gelegenheit ergreifen und Zürich einnehmen. Aber sie machten die Rechnung ohne die Zürcherinnen. Diese verkleideten sich als Krieger und besammelten sich mit langen Spiessen auf dem Lindenhof. Die Winterthurer glaubten, ein fremdes Heer sei den Zürchern zu Hilfe geeilt und zogen erfolglos wieder ab.


Was nicht auf dem Besuchsplan von Tourist:innen in Zürich fehlen darf, ist ein Besuch im Fraumünster. Wie der Name sagt, befand sich hier ursprünglich ein Frauenkloster. Um in dieses Kloster eintreten zu können, musste die Bewerberin aus dem Hochadel stammen und eine beträchtliche Mitgift bezahlen. Allerdings hatte sie jederzeit das Recht auszutreten und zu heiraten.

Weshalb die Tourist:innen diese Kirche besuchen, liegt an den wunderschönen Chagall-Fenstern. Da die Anzahl der Besucher:innen immer mehr zunahm, versuchte man über Eintrittspreise zu regulieren. Wer also heute diese fantastischen Fenster bewundern will, bezahlt seit Corona 5 Franken Eintritt.


Wieder zu Hause angekommen, ging es ans gemeinsame Kochen. Eigentlich hatten wir ja vor, ein Rotes Thaicurry zu kochen. Allerdings hatte ich vergessen, dass ich dafür das Rindfleisch zuerst zwei Stunden marinieren und dann noch zwei Stunden schmoren muss. Da wir nicht erst gegen Mitternacht essen wollten, wurde dieses Menu aufs Wochenende verschoben.

Aber glücklicherweise habe ich einen Fundus von noch nie gekochten Rezepten. Eines davon wurde heute Abend ausprobiert: Schweinsfilet im Speckmantel. Die Zubereitung ist einfach und das Resultat lecker.

Honig mit Salz und Rapsöl vermischen und die Karotten darin wenden. Das gibt dem Gemüse das spezielle Etwas.

Das Schweinefilet mit körnigem Senf bestreichen sowie mit Pfeffer und Salz würzen. Danach flächig mit Speck umwickeln und binden, damit der Saft nicht ausläuft. Anbraten und auf das Blech mit den Karotten geben. Nach 20 Minuten ist das Essen zubereitet und der Geruch nach Rosmarin zieht sich durch die Küche (und bei uns durch die ganze Wohnung).

Als Beilage habe ich einen ganz unspektakulären Risotto gekocht. Wird am Ende noch ein wenig Mascarpone daruntergemischt, wird er sämig und sticht aus der Normalität heraus 😋.

En Guete und gute Nacht 🙂


Natürlich gilt mein Dank auch diesen Monat an Caro, die diese alte Blogger:innentradition am Leben erhält und auf ihrem Blog die 12 von 12-Beiträge sammelt und so einer grossen Community zur Verfügung stellt.

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