Rückblick Juni 2021

In der Jahresmitte gab es so viele schöne Momente, die nur möglich waren, weil Austausch, Zusammenarbeit und gegenseitige Wertschätzung täglich gelebt werden. Ich freue mich darüber, dass ich die Verabschiedung unserer langjährigen Schulverwalterin Isabelle hier festhalten kann, sodass sie dokumentiert und in Erinnerung bleibt.

oh mia bella cara Isabella …

Unsere Schulverwalterin Isabelle wurde pensioniert. Wir Lehrpersonen sind uns bewusst, welch grosse Lücke sie hinterlässt. Das war sicherlich ein Grund, warum die Ideen zu ihrem letzten Arbeitstag nur so sprudelten. Eine kleine Auswahl davon lassen sich in diesem Abschnitt finden.

Aber zuerst stellt sich die Frage: Was macht eigentlich eine gute Schule aus?
Liest man die einschlägige Literatur, dann werden ganz viele Faktoren aufgelistet. Hier eine kleine Auswahl:

  • gute Lehrpersonen und Schulleitungen
  • Herausragende Leistungen bei vergleichenden Tests und Wettbewerben
  • Umgang mit kultureller Vielfalt
  • Förderung des selbstverantwortlichen Lernens
  • Schulhauskultur, Leitbild
  • technische Ausstattung
  • Standort, Finanzen
  • ausserschulisches Lernmöglichkeiten

Ich bin aber sicher, dass eine gute Schule massgeblich von drei Personengruppen getragen und unterstützt wird, die bei all diesen Untersuchungen und Aufzählungen regelmässig übersehen werden. Sie arbeiten im Hintergrund, ermöglichen es aber uns Lehrpersonen und den Schulleitungen, dass der Schulbetrieb reibungslos und in einem schönen, geordneten Rahmen stattfinden kann.

Ich spreche von unserem Putzteam, das an Abenden und Wochenenden unsere Abfalleimer leert, wischt, abstaubt und immer ein Lächeln auf den Lippen hat. Ich spreche von unserem Hauswartteam, das sich beispielsweise um kaputte Pulte und nicht funktionierende Schranktüren kümmert, die Hecken und den Rasen schneidet, Schnee räumt, mit Verlängerungskabeln und Doppelstecker aushilft, ja mir sogar schon das Auto überbrückte 🙂 .

Und dann ist da noch die Schulverwaltung. Sie kümmern sich um die Administration, erstellen unsere Klassenlisten, schauen, dass wir den Lohn kriegen, dass die Vikariate richtig abgerechnet werden, helfen (mir) bei Klassenlagerabrechungen, füllen die Verbandskästen regelmässig auf und ganz vieles mehr.

Isabelle war 24 Jahre lang die Chefin der Schulverwaltung. Für Isabelle gehörten auch die folgenden Aufgaben ganz selbstverständlich zu ihrer Aufgabe, obwohl die kaum in ihrem Stellenbeschrieb formuliert waren:

  • Wahl der Location und des Menüs für das Jahresabschlussessen
  • Ruhepol und Stein in der schulischen Brandung
  • Organisation der Martinigans (kultureller Event in Begleitung von Partner:in)
  • passende Deko zu den verschiedenen Jahreszeiten
  • immer ein offenes Ohr für Bedürfnisse, Freuden und Sörgeli der Mitarbeitenden
  • Süssigkeiten, um die Energie der Lehrpersonen am Laufen zu halten
  • Blumengestecke oder Sträusse im Lehrer:innenzimmer
  • Znüni und Zvieri während Weiterbildungen
  • und und und und

Kurz: Isabelle prägte in ihren 24 Jahren Tätigkeit massgeblich die Schulhauskultur mit.

Isabelle und ich unterhielten uns oft von unten nach oben 🙂 .
Ihr Büro lag genau oberhalb meines Schulzimmers mit freiem Blick auf meinen Gartenplatz.

Das Zitat aus dem Abschiedsständchen drückt unsere Verfassung an diesem Tag sehr treffend aus.

Du tuesch ois jetzt verlah, du tuesch jetzt eifach ga
Das macht mi so veruggt, de Tag de isch caputt

Sie hatte sich für ihren letzten Tag vorgenommen, alles aufzuräumen und dann die Türe zu schliessen, den Schlüssel abgeben und nach Hause zu gehen.

Die offizielle Verabschiedung wird Ende des Schuljahres erfolgen – aber bei dieser Planung war offensichtlich nicht mit der Initiative der Lehrpersonen gerechnet worden. Isabelle hatte uns zu viel Wertschätzung entgegengebracht, als dass wir sie einfach haben gehen lassen wollen. Deshalb wollten wir sie überraschen und uns mit einem unvergesslichen Tag bei ihr bedanken.

Als Kind träumte Isabelle davon, einmal mit dem Pferd zur Schule zu reiten. Sehr gut, der Anfang ihres letzten und wohl unvergesslichsten Schultages am Ennetgraben war gemacht :-). Und so wurde Isabelle an ihrem letzten Arbeitstag von Nathalie und ihrem Pferd abgeholt.

Nach ihrem Ritt in die Schule wurde Isabelle von Schüler:innen begrüsst, die Spalier standen und sie ins Schulhaus beklatschten. Ihr Weg zu ihrem Arbeitsplatz war mit Rosenblättern gekennzeichnet und an ihrem Pult erwarteten sie bereits erste Geschenke.

In der grossen Pause kam es dann noch zu einer musikalischen Darbietung unsererseits. Der Text eines bekannten Liedes war von Sibylle umgeschrieben worden und wir wollten das „chline Ständelio“ von meinem Garten aus Richtung Isabelles Büro singen.

Teilnahme war freiwillig und als Zeitpunkt hatten wir „grosse Pause“ angegeben. Naja, die dauert halt 20 Minuten. Einige Lehrpersonen kamen früher, andere später, was dazu führte, dass das Ständchen dreimal gesungen wurde.

O mia bella cara Isabella
Schaffe dir gerade visavia
Bringe dir en chline Ständelio
Oh, chum e bitzeli abe oder sölli ufe cho?

Liebe Isabelle – möge dein Leben ohne uns genauso unberechenbar, unerwartet und spannend weitergehen, wie es dein letzter Arbeitstag bei uns war.

Ab in den Süden …

Check in

Aber auch für mich hielt der Monat Juni eine unerwartete Überraschung bereit. Gleich zu Beginn des Monats checkte ich im Holiday Inn ein, um mir meine zweite Impfung verabreichen zu lassen. Und im Nullkommanichts (sprich knapp vier Stunden später) lag ich flach, mir war heiss und ich schwitzte, schwitzte, schwitzte. Wie im Urlaub am Meer, wo ich nichts mehr liebe als heisse Temperaturen. Die Hitze war da, Tag und Nacht 38°. Am folgenden Tag hörte ich sogar das Meer rauschen (entpuppte sich später als Staubsauger), aber die hohen Temperaturen und das Schwitzen blieben konstant.

Eine Freundin meinte lakonisch: Du weisst wenigstens, dass sie dir was gespritzt haben, dass bei dir eine Reaktion auslöst. Wer gar nichts spürt, bekam vielleicht ja nur eine CO2-Lösung. – Unter diesem Aspekt doch wirklich eine positive Erfahrung.

Was mich im Juli alles erwartet

  • Was Corona seit April 20 verhinderte, kann nun endlich durchgeführt werden. Peter und Silke werden uns mit ihrer szenischen Lesung nach Sibirien entführen.
  • Zwei Studierende werden ihr Praktikum 2 bei uns absolvieren. Ich freue mich auf neue Inputs und engagierten Austausch.
  • Sommerferien in der Schweiz – zum zweiten Mal in der Schweiz. Im Unterschied zum letzten Jahr freuen wir uns total darauf.

Worüber ich im Juni geschrieben habe

Im Juni schrieb ich drei Beiträge und verlinkte die Klassenlager-Seite von 2017:


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