12 von 12 im Oktober 2025 – Die internationale Ringsammlung im Landesmuseum Zürich

Ein Spaziergang durch Jahrtausende

Manchmal erzählt ein kleiner Gegenstand eine ganze Welt. Ein Ring zum Beispiel. Ein Kreis ohne Anfang und Ende, Symbol für Bindung, für Macht, für Erinnerung oder einfach für Schönheit.

Vor über hundert Jahren beginnt in Frankfurt eine besondere Geschichte: Louis Koch (1862–1930), Juwelier, und seine Frau Alice (1866–1937) beginnen, Ringe zu sammeln, aus der Antike, dem Mittelalter, der Renaissance, dem Barock, bis hin zur Zeit um 1900. Sie suchen nicht einfach nach Schmuck, sondern nach Zeugnissen von Menschsein: Ringe als Zeitzeugen.

Ihre Nachkommen führen das Werk weiter, erweitern die Sammlung um Stücke aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Heute finden sich darin Werke von Schmuckkünstler:innen aus Europa, Amerika und Asien. So entsteht eine der umfassendsten Ringsammlungen der Welt: die Alice-und-Louis-Koch-Sammlung. Über 4000 Jahre Menschheitsgeschichte, verdichtet in winzigen Kreisen aus Gold, Silber, Knochen, Muschel oder Nylon.

Heute sind rund 1’500 Stücke im Landesmuseum zu sehen. Antike Ringe, religiöse Symbole, moderne Kunstwerke. Ein Raum voller Erinnerungen, voller Verwandlungen. In einer ringförmigen Vitrine, die wie ein leuchtender Kreis durch die Jahrhunderte führt.

Ich stehe davor und denke: Wie viele Leben stecken in diesen Formen? Wie viele Hände haben sie getragen, verloren, wiedergefunden?

Zum Überblicksvideo

Eine kleine Auswahl, ein grosses Staunen

Römischer Ring mit zwei Schlangenköpfen (1–100 n. Chr.)
Zwei Schlangen, die sich anschauen. Beschützer, Erneuerer. Stärke in Silber gegossen.


Theatermaske als Schutzamulett (100–200 n. Chr.)
Eine Fratze, grotesk und witzig zugleich. Sollte Böses vertreiben und erinnert an das Lachen der Bühne.


Gemme mit einem Kahn rudernden Mann (100–200 n. Chr.)
Ein winziger Mann rudert durch die Zeit. Vielleicht auf dem Fluss, vielleicht durchs Leben.


Memento mori mit Totenkopf und Schlangen (1700–1710)
So schön kann die Erinnerung an die Vergänglichkeit sein. Ein kleines „Denk dran“ aus Gold und Email.


Uhrenring (1780)
Ein Wunderwerk. Zeit, verborgen in einem Schmuckstück, als wolle man sie heimlich festhalten.


Gemme mit Opferzug für Dionysos (1790–1800)
Ein Festzug in Miniatur, Tanz und Ekstase eingefroren in Stein.


Jüdischer Hochzeitsring mit Tempelarchitektur (1800–1900)
Ein Haus aus Gold. Symbol für Liebe, für Zuhause, für den Bund, der hält.


Von der Natur (2000, Kurt Neukomm)
Weissgold, Muschel, Perle, als hätte das Meer selbst ein Schmuckstück geschaffen.


Pixel’s Onion (2001, Nora Fok)
Nylon, leicht wie Atem. Ein Ring für das digitale Zeitalter, durchsichtig und doch voller Struktur.


Flight Ring (2001, Stefan Friedemann)
Ein Traum von Bewegung. Man sieht ihn und denkt: Fliegen, loslassen, weit werden.


Chrysant (2003, Susanne Klemm)
Eine Blüte aus Silber und Harz. Schön und schon im Vergehen begriffen.


Nautilus Ring (2015, José Marin)
Ein Meerestier aus Titan. Spiralförmig, geheimnisvoll, wie die Tiefe selbst.


Für alle, die tiefer eintauchen möchten:
Die Schmuckhistorikerin Beatriz Chadour-Sampson schreibt im Blog des Landesmuseums über die Sammlung und ihre verborgenen Geschichten.
👉 Hier geht’s zum Beitrag.

Beitragsbild:
Behandschuhte Hand mit Kruzifix (1700–1800, Neapel)
Zwei Hände, ein Glaube, ein Versprechen. Fein gearbeitet, still berührend.

Ich mach mit bei 12 von 12!

Wie immer geht eine dicke Portion Dank an Caro von «Draussen nur Kännchen“, die alle unsere 12von12-Beiträgeauf ihrem Blog versammelt!

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